Freitag, 29. August 2014

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Hummel-Brummen

Eine Stadt, ein Bürger, ein paar Gedanken

Straßenbahn, Hoffenheim, Baustellen-Gemütlichkeit

Drei Themen beschäftigen mich diese Woche: Ein Augsburger Straßenbahnfahrer, 1899 Hoffenheim und die Baustellen. Und während ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass dies alles einen Zusammenhang hat. Aber lassen Sie mich die Fälle zunächst einzeln erläutern.

Da soll es also einen Straßenbahnfahrer in Augsburg geben, der einfach in seinem Fahrerhaus sitzen blieb, obwohl unmittelbar vor ihm ein verletzter Mensch in den Gleisen lag. Ein ungeheuerlicher Vorgang, den ich eigentlich gar nicht glauben kann. Mehr noch: Ich mag nicht mal daran denken, dass solche Menschen überhaupt einen Straßenbahnführerschein haben. Dass es sie überhaupt gibt.

Nun gut. Nein, nicht gut. Am Samstag kommt 1899 Hoffenheim in die SGL-Arena. Das ist der Verein, dessen Mitarbeiter zuletzt im eigenen Stadion die Gästefans mit Hochfrequenz-Schallgeräten malträtierten, weil diese etwas gegen Mäzen Dietmar Hopp sangen. Die Erklärung des Clubs, dass es sich dabei um den Fehler eines Fans gehandelt hat, ist natürlich lächerlich. Man darf in ein deutsches Fußballstadion nicht mal eine Dose Eistee mitnehmen,
geschweige denn eine komplette Soundanlage samt externer Stromzufuhr.

Eine erfreuliche Meldung am Dienstag war die, dass sich die Sanierungs-Problematik in Augsburg entspannt. Eine meiner Lieblingsbaustellen ist die Ulrichsschule in der Maximilianstraße, die bereits seit mehreren Jahren besteht, inklusive hässlichem Gerüst. 50 Meter weiter wird im Moment das Hotel „Drei Mohren“ umgebaut. Beginn war im Frühsommer, Fertigstellung im Herbst! Was mir zeigt: Wenn eine private Firma einen Auftrag erteilt, geht es schnell und zackig. Wenn die Stadt was vergibt, lassen sich alle gaaaaanz viel Zeit. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass es immer die gleichen Unternehmen sind, die in Augsburg Straßenbau-Aufträge bekommen, obwohl seit Jahren offensichtlich ist, dass diese allesamt an einem Gemütlichkeits-Syndrom leiden? Beispiel Friedberger Straße: Hätte man in diesem Tempo die Autobahn nach München gebaut, wo die Umstände weitaus komplizierter waren, wäre es ab Dasing noch die nächsten Jahrzehnte zweispurig. Auf dem Weg nach München waren private Investoren die Auftraggeber, in Augsburg ein Amt. Was sich eigentlich nicht auf das Tempo der Schaufel-Bewegungen auswirken dürfte, tut es aber. Seit ewigen Zeiten. Und alle schauen zu.

Wie diese Themen zusammenhängen, liegt auf der Hand: Besagter Herzlos-Straßenbahnfahrer wird vermutlich am Samstag die Fans zum FCA-Stadion fahren und dabei so laut um die Kurven quietschen, dass sich Hoffenheimer Anhänger bei den Stadtwerken über die Geräuschbelästigung beklagen. Dies bringt einige Baufirmen auf die Idee, sofort ein grundsätzliches Schienensanierungsprogramm vorzuschlagen („Gefahr im Verzug!" ), was bei 45 Kilometern Gleisen in Augsburg etwa bis zum Jahr 2038 dauern dürfte. Das ist die Zeitspanne, die man vor 100 Jahren auch für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn brauchte, also für 9200 Kilometer.

Dass man in unserer Stadt für die Neugestaltung von gerade mal 750 Metern Maxstraße über zwei Jahre braucht, will ich nicht kommentieren. In dieser Zeit errichtet man andernorts ganze Weltwunder. Aber eben mit anderem Personaleinsatz und besserer Motivation. Sicher auch günstiger.

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