Dienstag, 16. Januar 2018

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Notizen aus Stadt und Land

Augsburg 2030: Von totaler Vernetzung und futuristischen "DiFos"

Augsburg im Frühjahr 2030. Die Oberbürgermeisterin gibt überraschend ihr Amt auf. Sie sei die ständigen Querelen in ihrer Partei leid und wolle künftig kürzertreten. In der Stadt verbreitet sich die Nachricht rasend schnell. Denn die Welt der totalen Vernetzung ist Wirklichkeit geworden. 

Selbstverständlich gibt es in Augsburg wie überall im Land ein kostenloses Hochgeschwindigkeits-Internet. Fast jeder ist immer und überall online. Fast. Denn ein Gegentrend gewinnt immer stärkere Bedeutung: Entschleunigung. Es gibt Augsburger, die sich dem ständigen digitalen Informations-Tornado entgegenstemmen. Sie haben das Bedürfnis nach Ruhe und Konzentration. Sogar Briefe schreiben sie wieder. Doch diese Verweigerer sind in der Minderheit.

Fast jeder Augsburger besitzt heute eine „DiFo“. So kürzt man die digitalen Folien ab, die seit einiger Zeit unsere Kommunikation und das Infotainment organisieren. Die organischen Leuchtdioden (OLED) sind dünn und biegsam. Zusammengefaltet auf die Größe eines Smartphones eignen sie sich zum Telefonieren. Ausgefaltet liefern sie einen biegsamen Bildschirm, den ein Strom ständig neuer, personalisierter Informationen, Nachrichten, Videos, Neues aus den sozialen Netzwerken, persönlicher Botschaften oder Musiktipps durchfließt.

Um das Jahr 2020 hatten die „DiFos“ die Datenbrillen abgelöst, die als Nachfolger der Smartphones unsere Kommunikation revolutionierten. Doch am Ende hatte sich die medizinische Erkenntnis durchgesetzt, dass der ständige Info-Fluss vor Augen die Menschen doch überfordert habe.

Die Oberbürgermeisterin hat die Nachricht ihrer Demission im „Auxnet“ veröffentlicht. Es gehört zu den vielen regionalen Netzwerken weltweit, die heute jeweils in der Region bedeutender sind als frühere internationale Platzhirsche wie Facebook.

Diese neue Lust am digitalen Heimatgefühl entstand aus dem Megatrend der „Glokalisierung“, der auf die industriell geprägte Globalisierung folgte. Ein Reporter der Augsburger Allgemeinen hat wenige Minuten nach dem OB-Rücktritt den ersten einordnenden Kommentar auf seiner „DiFo“ geschrieben und im Web publiziert. Weitere Beiträge der Redaktion folgen – kurz, aktuell, auf den Punkt geschrieben.

Zahlende Abonnenten erhalten die Inhalte des Medienhauses präsentiert, wie sie es sich wünschen. Im „Auxnet“ als Stream oder geordnet auf einem Portal. Und am Samstag erscheint eine hochwertige gedruckte Zeitung, die die wichtigsten Entwicklungen der Woche zusammenfasst, einordnet und inhaltlich in die Tiefe geht.

Seit die Medienhäuser vor knapp 20 Jahren entschieden haben, ihre redaktionellen Leistungen nicht mehr kostenlos im Internet zu publizieren, hat sich in den Redaktionen vieles verändert.

Die mobilen Reporter schwärmen täglich aus und berichten direkt aus den Stadtteilen oder Gemeinden für alle digitalen Plattformen des Hauses. Gesteuert werden sie von einem Team in der Zentrale, das auch die Samstagszeitung plant.

Dieser Profi-Journalismus mit verlässlicher digitaler und gedruckter Information gilt heute als Statussymbol für eine breite Bürgerschicht. Das restliche, kostenlose Medientreiben hat sich zur Plattform für Lobbyisten und PR-Industrie entwickelt. Wer etwas auf sich hält, leistet sich ein Abonnement.

Auch im Lokalradio und -TV ist der Rücktritt sofort ein wichtiges Thema. Seit es das flächendeckende Hochgeschwindigkeitsnetz gibt, werden die Sendungen nur noch über das Internet verbreitet. Die Audio- und Videobeiträge fließen ebenfalls in den „DiFo“-Nachrichtenstrom ein.

Verpassen kann im Frühjahr 2030 niemand mehr was. Höchstens die Entschleuniger. Bis Samstag. Dann lesen sie von den Hintergründen des OB-Rücktritts in der Zeitung. Fast wie früher.

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