Samstag, 26. Juli 2014

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Greater Augsburg

Notizen aus Stadt und Land

Augsburger Stadtmauern oder: Ich war ein Münchner.de

In Augsburg ticken die Uhren anders. Da veröffentlicht die Münchner Abendzeitung Mitte Mai eine werbliche Verlagsbeilage mit dem schönen Titel: “Augsburg hat mehr - die Fuggerstadt auf ihrem Weg in die Zukunft”. Darin sind Anzeigen regionaler Unternehmen und geneigte Beiträge über die Vorzüge dieser Firmen wie auch der Stadt enthalten.

Doch wer glaubt, dass sich ganz Augsburg über diese Städtewerbung in München freut, liegt falsch. SPD und Grüne stoßen sich sieben Wochen nach der Veröffentlichung an einer städtischen Annonce, die mit günstigen Mieten in Augsburg wirbt, damit den Münchnern in ihren überteuerten Hütten das Wasser im Munde zusammenläuft.

Die Kritiker bemängeln, dass die städtische Aktion den Zuzug nach Augsburg befeuere und die Mieten weiter nach oben treiben würde. SPD-Fraktionschef Stefan Kiefer erkennt „fehlende Sozialkompetenz“, Grünen-Vorstand Matthias Strobel spricht angesichts der Augsburger Wohnungsmisere von einem „Hohn“. Und der Mietervereinsvorsitzende Thomas Weiand ist wegen der Anzeige gleich in einen Schockzustand gefallen.

Zwar darf man das Ansteigen des Augsburger Mietniveaus nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Stadt ist gefordert, bezahlbare Wohnung für die Menschen zu gewährleisten.

Aber eine wichtige Aufgabe hat das städtische Wirtschaftsreferat mit dieser Anzeige, die nicht einmal 5000 Euro gekostet hat, endlich angepackt: Sie wirbt um Leistungsträger, die die unterdurchschnittliche Steuerkraft Augsburgs stärken. Sie wirbt um Münchner, die vielleicht bald in der Augsburger Innenstadt einkaufen und dort eine Basis für hochwertigen Einzelhandel statt billiger Handelsketten schaffen.

In der Beilage wirbt die Stadt auch selbstbewusst um Fachkräfte für den nahe der Uni entstehenden Innovationspark, in dem Ingenieure und Wissenschaftler bald gemeinsam forschen und entwickeln wollen. Wenn man der Stadt in diesem Fall etwas vorwerfen kann, dann, dass sie nicht mehr Geld in die Städtewerbung investiert. Denn Wirtschaftsexperten verweisen immer häufiger auf den Wettbewerb der deutschen Regionen um kluge Köpfe und Leistungsträger.

Mutiger als Augsburg war übrigens die Gemeinde Mühldorf am Inn im Osten Münchens. Vor drei Monaten startete sie eine große Plakatkampagne in der Landeshauptstadt unter dem Claim „Ich war ein Münchner.de – Doppelte Lebensqualität zum halben Preis". Die Aktion wurde in vielen Medien als pfiffig und frech gelobt. Sogar Münchens Oberbürgermeister Ude (SPD) nannte die Motive originell. Die Initiatoren haben Anfragen aus ganz Deutschland. Nur in Augsburg ticken die Uhren offenbar anders.

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