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Wer in Augsburg etwas Neues plant, muss sich warm anziehen. Denn Gegenwind ist sicher. Manchmal braut sich sogar ein Sturm zusammen. Einst galt Augsburg wegen der Zerstrittenheit als “Hauptstadt der Bürgerbegehren”. Heute ist es dagegen vergleichsweise ruhig und harmonisch.
Doch an dunklen Propheten mangelt es auch im Januar 2013 nicht. Schauen wir auf die Planung des Königsplatzes. Das dreieckige Kö-Pavillion hat sieben Meter hohe Wetterschutzdecken. Und Kritiker erwarten bereits unterkühlte Zeiten für wartende Fahrgäste, weil Wind und Wetter dort angeblich zu viel Raum haben.
Oder die Kaiserhofkreuzung. Wenn man sich umhört, glaubt kaum jemand, dass die neue Verkehrsführung funktioniert. Derzeit fließt der Verkehr zwar, doch sobald am Jahresende die Trams fahren, sehen manche Chaos und Staus voraus. Und dann wird auch der drohende Schleichverkehr das angrenzende Beethovenviertel verstopfen. Schauen wir mal.
Erinnern wir uns an den Rückbau der Friedberger Straße und den dortigen Neubau der Tram-Linie 6 vor wenigen Jahren. Auch damals befürchteten Schwarzseher eine unerträgliche Verstopfung der Durchgangsstraße. Und heute? Der Verkehr fließt ganz wunderbar. Intelligente Ampelanlagen machen es möglich.
Doch in einem hatten die Propheten recht. Außerhalb der Stoßzeiten fahren die Trams fast leer. Zumindest ist das von Hochzoller Anwohnern zu hören. Die von den Stadtwerken prognostizierten Fahrgastzahlen von täglich mehr als 25000 scheinen zu hoch gegriffen. Die Friedberger nutzen die Tram weniger als erwartet, weil der gebrochene Verkehr mit Bus und Tram ab Friedberg-West einfach nicht attraktiv ist.
Es ist nicht leicht, in Augsburg etwas zu verändern. Das neue Parkvergütungssystem “ Mobilo” rumpelt wegen der Unlust der Innenstadtgeschäfte. Das neue Restaurantkonzept des Hotels Drei Mohren gefällt nicht allen. Und die Idee, den Stadtmarkt wie in München länger zu öffnen, hat auch wenig Freunde. Ergo: Am besten wäre es, in Augsburg bleibt dauerhaft alles wie es ist. Auf der anderen Seite würde mehr Lust auf Veränderungen der historischen Stadt gut zu Gesicht stehen..
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Auch im Friedberger Wernher-von-Braun-Gymnasium liebt man keine Veränderungen. Zwar ist der Namensgeber, ein technisch genialer Raketen-Ingenieur, wegen seiner Nazi-Vergangenheit und des bewussten Einsatzes von Zwangsarbeitern für seine Hitler-Rakete V2 inzwischen höchst umstritten. Doch ist das offenbar kein Grund dafür, die Ehrung des einstigen SS-Sturmbannführers zu beenden und das Gymnasium umzubenennen.
Vielleicht regt die neue Ausstellung in Friedberg über die Rolle Wernher von Brauns beim Einsatz von Zwangsarbeitern zum Nachdenken über diesen dunklen Fleck an. In jedem Fall ist es ein heißeres Eisen als das vielleicht zugige Pavillon-Dach am Königsplatz. Auch der Kö hatte übrigens mal einen falschen Namen: Im Dritten Reich hieß er “Adolf-Hitler-Platz”.
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