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Es ist wieder Brecht-Zeit in Augsburg. Und endlich ist das Festival dort angekommen, wo es hingehört: im Theater. Im diesem Haus hat der große Sohn der Stadt als junger Mann zwischen 1919 und 1921 seine ersten Theaterkritiken geschrieben.
Die waren übrigens oft schroff, zum Teil vernichtend. Eine Schauspielerin verklagte Brecht wegen Beleidigung. Und weil der missmutige Jung-Kritiker gelegentlich aus dem Zuschauerraum die Darsteller beschimpfte, drohte ihm 1921 Hausverbot.
Wie auch immer. Mit “Baal”, der “ Dreigroschenoper”, “Im Dickicht der Städte” und der Uraufführung seines im Alter von 15 Jahren in Augsburg geschriebenen Einakters “ Die Bibel” sind vier Brechtstücke im Programm. Was der Jung-Kritiker über die Aufführungen geschrieben hätte, werden wir leider nie erfahren. Ob Brecht nun in seinem Stammhaus Theater mehr als die zuletzt nur 8500 Festival-Besucher hinter dem Ofen hervorlockt, wissen wir in Kürze. Das Programm endet am 10. Februar.
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Vor zwei Jahren wurde das Brechtfest wegen einer damaligen Augsburger Raumnot in Gersthofen eröffnet. Damals sang Ute Lemper hinreißend und Jürgen Schantin stellte sich dem Weltstar augenzwinkernd als “Provinzbürgermeister” vor.
Vergangene Woche hörte sich das weniger bescheiden an. “Wir sind eine der finanzstärksten Kommunen bayern-, deutschland-, und europaweit”, trommelte der Bürgermeister. In der Tat: Das reiche Gersthofen hat 50 Millionen Euro auf der hohen Kante. Der arme Nachbar Augsburg sitzt dagegen auf etwa 300 Millionen Euro Schulden.
Auch so funktioniert Greater Augsburg: Das Oberzentrum leidet an einer schwierigen Demografie, überdurchschnittlichen Sozialkosten, hohen Ausgaben für Kultur, Sport und öffentlichen Nahverkehr. Und die reichen kleinen Brüder in den umliegenden Landkreisen, deren Einwohner vom üppigen Angebot der Großstadt profitieren, weisen günstige Bauplätze für junge Familien aus.
Was würde Bert Brecht wohl dazu sagen? In seinem Kindergedicht “Alfabet” schrieb der Lyriker 1934: “Armer Mann und reicher Mann, standen da und sah’n sich an, und der Arme sagte bleich: Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.”
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Noch ein paar Zeilen zu dem Durchsuchungsbeschluss, den das Augsburger Amtsgericht in dieser Woche auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ, um die Nutzerdaten eines Forenschreibers bei der Augsburger Allgemeinen zu beschlagnahmen. Der hatte den Ordnungsreferenten Volker Ullrich im Eifer der Diskussion als “Rechtsbeuger” beleidigt.
Ullrich stellte Strafanzeige. Dem Vernehmen nach bereut er sein scharfes Vorgehen heute. Denn das Medienecho war so heftig wie verheerend. Sogar die größte russische Tageszeitung “Rossiskaya Gazeta” berichtete über den Fall. Meinungs- und Pressefreiheit ist zu recht ein hohes Gut, auch in Greater Augsburg. Was kaum jemand weiß: Der Ordnungsreferent wusste nichts davon, dass die forsche Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht in diesem Fall die Verhältnismäßigkeit missachteten.
Und Brecht? Vielleicht hätte er geurteilt: “ Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann erkennen, dass A falsch war.” Oder er hätte sein “Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens” aus der Dreigroschenoper angestimmt: “ Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug.”
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