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Wenn deutsche Politiker über wesentliche Fragen der Gesellschaft diskutieren, dann finden sich die Antworten häufig in den Städten und Gemeinden von Greater Augsburg. Nur zwei Beispiele.
Es war die bemerkenswerteste These von Alt-Bundespräsident Christian Wulff: “Der Islam gehört zu Deutschland”, hatte Wulff im Oktober 2010 verkündet. Kürzlich widersprach der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder: „Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität und gehört somit nicht zu Deutschland.“
In Augsburg, der Stadt mit einem Migrantenanteil von mehr als 40 Prozent, ist der Streitfall längst geklärt. Geschätzt leben rund 25.000 Muslime in der Stadt des Religionsfriedens. Sie beten in etwa 30 Moscheen, organisieren sich in eigenen Facebook-Gruppen. Ihre Zahl wächst, wie der Einfluss des Islams am Lech zunimmt.
Manche Stadtteile sind längst muslimisch geprägt. Im Herrenbach führt neuerdings ein Türke den SPD-Ortsverband. In Oberhausen verkaufte die Katholische Kirche, die immer mehr Gläubige verliert, ein ehemaliges Gemeindezentrum an den islamischen Orden der Ussaki-Derwische.
Man kann diesen Trend bedauern, weil er sich gegen die christliche Tradition Augsburgs richtet. Man kann über gelegentliche Bildungsferne und einen höheren Kriminalitätsanteil unter Migranten klagen. Man kann aber auch die Chancen sehen: Dank der Muslime wächst die Augsburger Bevölkerung, Sie schicken ihre Kinder auch auf Augsburger Gymnasien. Sie werden an der Hochschule und der Universität zu Leistungsträgern ausgebildet, die das Wirtschaftswachstum in Greater Augsburg fördern und den Mangel an Facharbeitern und Ingenieuren lindern.
In jedem Fall ist die Integration der Muslime und anderer Migranten die vielleicht wichtigste Aufgabe der Augsburger Kommunalpolitik. Diese Stadt ist ein Schmelztiegel vieler Nationalitäten. Es besteht kein Zweifel: Der Islam gehört heute zu Augsburg. Wie der Datschi und die Puppenkiste.
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Vor wenigen Tagen hat Bundespräsident Joachim Gauck die Deutschen zum Mitmachen in Parteien und kommunalen Parlamenten aufgefordert. Mehr Bürger müssten sich fragen: “Könnte ich vielleicht selbst Verantwortung übernehmen?” mahnte Gauck, der eine „Kluft“ zwischen Politikern und Bürgern sieht.
Im Landkreis Augsburg hat derweil die Volkshochschule (Vhs) die Bilanz des Jahres 2011 gezogen. Die Schulleitung bedauerte: „Leider folgt auch die Vhs Augsburger Land dem bayernweiten Trend und verzeichnet einen Teilnehmerrückgang im Bereich der gesellschaftlich relevanten Kurse, zum Beispiel politische Bildung.“
Woran liegt es, dass das Interesse an der Politik sinkt? Ist die Kommunalpolitik mit ihren Haushalts- und Flächennutzungsplänen zu kompliziert geworden? Schmilzt die Beteiligung an Wahlen, weil die Menschen von Affären und machttaktischen Spielchen die Nase voll haben?
Dabei engagieren sich die Menschen politisch mit großer Leidenschaft, wenn es um ihr direktes Lebensumfeld geht. Auch in Greater Augsburg gibt es Proteste gegen Wind- und Wasserkraftwerke. Am Augsburger Flughafen kämpfen Anwohner gegen Hubschrauberflüge, in Kissing stritten Bürger gegen die Ansiedlung eines Krematoriums. Das Problem ist, dass das Engagement erlahmt, wenn der Pegel der direkten Betroffenheit sinkt.
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