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Der FC Augsburg hat sich von Manager Jürgen Rollmann getrennt. Der Mann war erst zwei Monate im Amt. Nach dieser überraschenden Personalentscheidung muss die Professionalität der Führungsebene des Fußball-Bundesligisten hinterfragt werden.
Zwölf Jahre lang ging es beim FCA nur bergauf. Mit dem Antritt von Präsident Walther Seinsch begann ein scheinbar unaufhörlicher Aufstieg. Zweite Liga, eine neue, wundervolle Fußballarena, Bundesliga, Klassenerhalt 2012. Seinsch schien vieles richtig zu machen. Eine ganze Region, Greater Augsburg, genoss den Höhenflug. Wir sonnten uns im Licht unserer Fußballhelden.
Das Stadion war voll, die Euphorie schien manchmal grenzenlos. Bundesweit zollten die Medien dem Augsburger Fußballwunder Respekt. Selbst die FAZ schrieb von der "Anfieldroad an der B17".
Walther Seinsch ist der Architekt und Geldgeber dieses Aufschwungs. Der Mann gilt als schwierig im Umgang, aber er hat Visionen. Und ihm gelang es, die richtigen Führungskräfte um sich zu scharen. Andreas Rettig ist das beste Beispiel. Nach dem Zweitliga-Aufstieg 2006 organisierte der Fußball-Netzwerker den Durchmarsch in die Bundesliga. Rettig machte Fehler, war manchmal dünnhäutig, aber meistens lag er goldrichtig. In Kombination mit Erfolgstrainer Jos Luhukay schaffte er es, den FCA nach ganz oben zu führen.
Mit dem Abgang von Rettig und Luhukay im Frühjahr 2012 begannen die Probleme. Offenbar glaubte Seinsch, er könne es nun ohne erfahrene Kräfte schaffen. Seinsch verließ sich auf Seinsch. Er holte den Nachwuchs-Koordinator Manfred Paula als Manager und Drittliga-Trainer Markus Weinzierl als neuen Coach. Die Saisonplanung ging daneben. Neuzugänge mit klingenden Namen wie Aristide Bancé und Giovanni Sio passten charakterlich nicht zu dem bodenständigen Verein. Sie sind schwer integrierbar, ihre Leistungen dürftig. Sie haben Sprachprobleme und schon heute ihre Zukunft in Augsburg wieder hinter sich.
Als die Zahl der Niederlagen zunahm, schickte Seinsch Manfred Paula wieder in die Nachwuchsabteilung und zog den Joker Jürgen Rollmann. Rollmann? Ex-Torwart, Ex-Pressesprecher der bayerischen SPD, zuletzt Triathlon-Manager. Offenbar wieder ein Missverständnis. Wer nach zehn Wochen einen Manager wegen "unüberbrückbarer Differenzen" wieder entlässt, hat sich vorher nicht richtig mit dem Kandidaten auseinander gesetzt. Schnellschüsse taugen nicht im Millionengeschäft Bundesliga.
Was nun, Walther Seinsch? Die Situation beim FC Augsburg ist nicht so verfahren wie es scheint. Die Saison ist gelaufen. Nach frustrierenden neun Punkten in der Vorrunde ist der Abstieg sehr wahrscheinlich. Der Präsident sollte sich nun besinnen und wieder auf Professionalität im Management setzen. Seinsch ist wichtig für den FCA, aber er ist nicht genug. Der Verein braucht einen neuen Manager, der das Bundesligageschäft kennt.
Gemeinsam mit dem jungen, talentierten Trainer Markus Weinzierl sollte ab dem Januar die Planung für die Operation Wiederaufstieg in der Saison 2013/2014 beginnen. Der FCA hat die allerbesten Chancen. Er hat ein halbes Jahr Zeit für die Planung, der Verein wird dank der Erstliga-Fernsehgelder einer finanzstärksten Clubs der zweiten Liga sein – mit dem schönsten Stadion. Und auch die Fans werden den Abstieg verzeihen. Wichtig ist nun die nächste Saison. Es muss wieder um den Aufstieg gehen.
Und wenn es anders kommt und der FC Augsburg trotz aller Rückschläge doch noch in der Bundesliga bleibt? Dann glaubt Greater Augsburg wieder an Wunder.
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