Übersicht
|
Meistgelesen
|
Meistkommentiert
Die Augsburger Puppenkiste steht vor einer Rückkehr ins deutsche Fernsehen. Das ist gut so. Die Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Herbst 2011, die beliebten Marionetten dem digitalen Zeitgeist mit schnellen Schnitten und viel Radau zu opfern, war falsch. Jim Knopf, Urmele und Co. sind Leuchttürme der Kinder-Unterhaltung. Und sie kommen aus Greater Augsburg.
Die designierten Retter der Puppenkiste, Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und der Münchner BR-Intendant Ulrich Wilhelm, haben einen Urmele-Orden verdient. Der Augsburger Puppenkisten-Chef Klaus Marschall steht nun vor der Herausforderung, neue, zeitgemäße Helden für Neuproduktionen zu entwerfen. Wie wäre es mit einem inspirierenden Blick in die Heimat der Puppenkiste?
Da gibt es einen kühnen Oberbürgermeister, der versucht, die Stadt in die Zukunft zu führen, während seine Unterstützer sich in Kleinkriegen zermürben. Da schafft ein holländischer Fußball-Trainer ein kleines Wunder, weil er mit seiner Mannschaft, die nur nach Studententarifen bezahlt wird, die Bundesliga aufmischt. Da unterhält eine fleißige Theater-Intendantin ihr Publikum auf hohem Niveau, obwohl ihre Schauspieler, Regisseure und Spielstätten unter chronischen Geldmangel leiden. Sind das keine guten Vorbilder für neue Puppenkisten-Stars?
***
Der neue evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat in der vergangenen Woche in Augsburg ein erstaunliches Zeugnis abgelegt. Er lobte die sozialen Netzwerke im Internet, wo er mit den Menschen das Gespräch über "Gott und die Welt" finde. Der Landesbischof hält das für "großartig", weil er dort "interessante Gedanken mit auf den Weg bekommt".
Auf der einen Seite ist es beachtlich, dass es so einen modernen Facebook-Bischof gibt. Auf der anderen Seite ist das ein Hinweis auf den Niedergang der traditionellen Kirche. Frühere Bischöfe haben noch mit Menschen in der Gemeinde direkt gesprochen oder interessante Gedanken in der Zeitung gefunden. Aber die Zeiten haben sich verändert. Die Kirchen leeren sich. Auch Gläubige tummeln sich gerne in der virtuellen Welt des Internets. Wenn das so ist, was machen wir dann künftig mit den vielen Kirchen aus Stein und Stahl in Greater Augsburg?
***
Die Stadt Gersthofen ist endgültig in ein Windloch gesegelt. Das einstige Schnellboot mit einem mächtigen Kapitän hat sich zu einem Geisterschiff mit meuternder Mannschaft gewandelt. Schade, denn die Leidtragenden sind die Bürger dieser finanzstarken, eigentlich dynamischen Stadt.
Das ursprüngliche Konzept mit einem zweiten Einkaufszentrum (Forum) in der Stadtmitte war gut. Es ist einem sinnlosen Machtkampf zwischen dem früheren Bürgermeister Siegfried Deffner und seinem Nachfolger Jürgen Schantin zum Opfer gefallen. Jetzt klafft ein Loch in der Stadtmitte, weil der von der Politik genervte Dasinger Investor Peter Pletschacher die Brocken hingeworfen hat. Wer führt Gersthofen aus diesem Bermuda-Dreieck?
Beitrag
kommentieren