Montag, 27. Mai 2013

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Greater Augsburg

Notizen aus Stadt und Land

Paria Christian Wulff oder ein Freispruch dritter Klasse

Der einstige Politik-Aufsteiger Christian Wulff ist heute vor allem eines: eine ungeheuer tragische Figur. Gestern noch verehrter Bundespräsident im Schloss Bellevue, bei den Menschen beliebt, scheinbar glücklich verheiratet.
Heute ein Paria, von Freunden verlassen, sogar von seiner jungen Ehefrau. Heute lebt der Ex-Präsident alleine in Hannover zur Miete. Übrigens ganz in der Nähe von Ex-Kanzler Gerhard Schröder und dessen Gattin Doris.

Aber natürlich ist Mitgefühl weder ein politischer noch ein juristischer Richtwert. Und Christian Wulff hat seinen politischen Absturz selbst verschuldet. Zu groß war seine Nähe zu spendablen Unternehmern, zu zaghaft blieb seine Mitwirkung an der Aufklärung der Vorwürfe und zu trampelig wirkte sein Versuch, die Berichterstattung der Bild-Zeitung über den Privatkredit eines Freundes per Mailbox-Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann zu unterbinden.

Kurzum: Wulff hat sich als unwürdig erwiesen, der Präsident der Deutschen zu sein. Dieser anderthalbjährige Irrtum kostet uns Steuerzahler jährlich 199.000 Euro Ehrensold.

Und auch wenn Wulff nun tatsächlich ein Strafprozess erspart bleibt, so ist er keineswegs entlastet. Seine Verteidigungslinie im Fall der von Freund und Filmproduzent David Groenewold bezahlten Hotelaufenthalte auf der Nordsee-Insel Sylt wirkt eher konstruiert statt glaubwürdig.

Wulff will Groenewold die Hotelauslagen in Höhe von 2314 Euro bar zurückgezahlt haben. Woher das Geld stammt? Noch-Schwiegermutter Inge Körner hat laut Bild am Sonntag ausgesagt, ihrer Tochter zum Geburtstag und zu Weihnachten 3500 Euro geschenkt zu haben. Aber warum hat Wulff das Hotel denn nicht gleich selbst bezahlt?

In jedem Fall kann ihm die Staatsanwaltschaft wohl nicht das Gegenteil beweisen. Einen Freispruch dritter Klasse darf man das nennen.
Doch eigentlich spielt die juristische Aufarbeitung eh keine große Rolle mehr. Tiefer als Wulff kann man kaum fallen.

Zumindest politisch. Ex-Ministerpräsident, Ex-Bundespräsident, Ex-CDU-Hoffnungsträger. Und das im Alter von 53 Jahren. Wullf ist schnell aufgestiegen. Nur sein Abstieg ging noch schneller.

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