Dienstag, 16. Januar 2018

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Greater Augsburg

Notizen aus Stadt und Land

Politisch wird es bunter in Stadt und Land - aber wen interessiert das noch?

Die Zeiten, in denen die CSU in Greater Augsburg dominierte, sind vorbei. Die Minderheit, die noch wählen geht, hat bei der Kommunalwahl entschieden, dass sie eine buntere politische Landschaft mag. Der Mehrheit aber ist das offenbar egal.

In der Metropole Augsburg können sich die christsozialen Streithansel immerhin bei ihrem beliebten Oberbürgermeister Kurt Gribl bedanken. Der Quereinsteiger, der vor sechs Jahren der SPD das Amt entriss, hält die Partei an der Macht. Doch er ist klug genug, nun eine breitere Stadtratsmehrheit aufzustellen. Die schwächelnde SPD, die gestärkten Grünen oder auch einige Kleinparteien werden an der Regierung beteiligt werden.

Nie wieder will sich Gribl mit engen Mehrheiten plagen. Er weiß, dass auf seine schwarzen Freunde nicht immer Verlass ist. Die parteiinternen Konflikte schwelen weiter. Für Augsburg ist ein breiter Konsens der richtige Weg. Die aufstrebende Stadt braucht ihn - weil auch die Gesellschaft bunt ist und die fortgesetzte Ausgrenzung starker Kräfte ein Ende haben sollte.

Mehr Streit als in Augsburg gab es nur in Gersthofen. Auf den ersten Blick ist das unverständlich. Die Stadt ist wohhabend dank ihrer starken Unternehmen. 50 Millionen Euro lagern auf dem Festgeldkonto.

Nachdem sich die städtische CSU im Dauerkrach atomisiert hatte, gewann am Sonntag der parteilose Unternehmensberater Michael Wörle die Stichwahl deutlich gegen Amtsinhaber Jürgen Schantin. Wörle wird von SPD und Freien Wählern unterstützt. Ex-CSU-Mann Schantin hatte nach seinem Parteiaustritt eine eigene Gruppierung (W.I.R.) gegründet. Sein Amt konnte er nicht retten.

Gersthofens CSU steht vor einem Scherbenhaufen. Weil sie nach dem Ende der Ära von Übervater Siegfried Deffner nicht zusammenhielt. Der neue Bürgermeister Wörle hat nun eine wichtige Aufgabe: Er muss Gräben zuschütten und gemeinsame Ziele für Gersthofen definieren. Wie sein Augsburger Kollege Gribl. Auch Gersthofen ist bunt und voller Perspektiven.

Königsbrunn, mit 27.000 Einwohnern größte Stadt des Landkreises Augsburg, bleibt dagegen in CSU-Hand. Franz Feigl setzte sich in der Stichwahl gegen Bürgermeister Ludwig Fröhlich durch. Der hatte die Partei im Streit verlassen und war zu den Freien Wählern übergelaufen. Die CSU hat mit Königsbrunn eine wichtige Machtbasis gehalten. Der abtrünnige Fröhlich zauderte zu lange und verlor dabei den Rückhalt der Königsbrunner.

Die Städte Neusäss, Stadtbergen und Schwabmünchen werden fortgesetzt schwarz regiert. Die CSU beherrscht mit Martin Sailer (Augsburg-Land) und Klaus Metzger, der in Aichach-Friedberg nur sehr knapp siegte, auch weiter die Landratsämter. Die SPD gibt dank Bürgermeister Bernd Müller in Bobingen den Ton an.

Beide Städte im Wittelsbacher Land bleiben rote Hochburgen. In Friedberg gewann am Sonntag der neue SPD/Parteifreie Bürger-Kandidat Roland Eichmann überraschend deutlich gegen Thomas Kleist (CSU). In Aichach vertrauten die Bürger schon im ersten Wahlgang auf Klaus Habermann (SPD).

Trotz aller politischer Farbenfreude leidet auch Greater Augsburg an einer Krise des Interesses Immer mehr Menschen ist es egal, wer über Schicksal in Städten und Gemeinden entscheidet. Die Wahlbeteiligung sinkt.

Darüber kann man jammern. Oder man kann es als Herausforderung verstehen. Weniger Fingerhakeln in Hinterzimmern, mehr Lust auf Bürgerbeteiligung würde unserer bunten Gesellschaft gut zu Gesicht stehen. Oder geht es den Menschen in der Region einfach zu gut? Schönes Wetter wie gestern ist jedenfalls keine hinreichende Erklärung dafür, dass eine wachsende Zahl von Bürgern nicht mehr wählen mag.

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