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Der typische Augsburger wird gerne belächelt. Er gilt als Grantler, Skeptiker, gelegentlich als bärbeißiger Pessimist. Der Ausdruck "Passt schon" wird von Spöttern gerne als leidenschaftlichster Ausbruch seiner positiven Gefühle beschrieben. Regionale Kabarettisten wie Silvano Tuiach oder Herr Braun saugen ihren Honig daraus.
Und natürlich ist dieses Klischee nicht ganz unverdient. Es sind ja viele Beispiele überliefert, die die Thesen der Spötter belegen. Doch gibt es den typischen Augsburger wirklich? Ja, es gibt nicht wenige Grantler in dieser Stadt - ohne Zweifel. Aber gerade in den vergangenen Wochen fiel auf, dass viele Augsburger auch zu einer Begeisterung fähig sind, die ihnen mancher nicht zugetraut hatte.
Ein Beispiel ist der Jubel um den FCA. Was die Augsburger Anhänger alle zwei Wochen in der Fußball-Arena veranstalten, verdutzt selbst die Beobachter überregionaler Medien. "Der geilste Tabellenletzte aller Zeiten", titelte ein Münchner Boulevard-Blatt wenig elegant, aber irgendwie treffend. In der Tat: Der Bundesliga-Aufsteiger wird mit fast ungehemmter Lust gefeiert, sogar wenn er verliert. Und Niederlagen gab es zuletzt häufig beim FCA. Selbst Vereins-Chef Walther Seinsch wunderte sich schon, "dass die Fans jeden Einwurf bejubeln."
Und dann gewinnt der Klub erstmals ein Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Wer sich nach dem Stadion-Jubel bei den "Edel-Fans" im Businessclub der Arena umhörte, der wurde rasch ernüchtert. Mancher Grantler war der Meinung, dass man mit dem geschassten Sturm-Heroen Michael Thurk in der Tabelle deutlich weiter vorn stünde. Und mancher Missmutige glaubte zu wissen, dass Trainer Jos Luhukay seine Mannschaft ja taktisch viel zu ängstlich ausrichtet. Euphorie nach dem ersten Heimsieg? Na ja, passt schon.
Auch im Augsburger Stadttheater lernt man die vielen Facetten der Augsburger Mentalität kennen. Die große Mehrheit des Publikums bejubelte die Premiere von Molieres "Tartuffe". Sie trampelten mit den Füßen, belobigten Schauspieler mit "Bravo"-Rufen. Doch auch die Stimmen der Skeptiker waren auf der Premierenfeier vereinzelt vernehmbar. Etwas gefällig, etwas seicht. Na ja, passt schon.
Wie passt das zusammen? Vielleicht steht Augsburg ja vor einer Zeitenwende. Man könnte meinen, die Grantler stehen heute einer wachsenden Zahl der Lebensfreudigen gegenüber. Für die Entwicklung Augsburgs wäre dies nicht von Nachteil.
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Einer, der das Lebensgefühl in dieser Stadt genau beobachtet, ist Dr. Gerhard Hofweber. Der Münchner Philosoph, der in Augsburg lebt und an der Uni lehrt, gab der Augsburger Allgemeinen kürzlich ein Interview. Seine Aussagen lohnen, sie hier noch einmal komprimiert darzustellen: "Augsburg ist nach wie vor ein Schatzkästchen, aber man müsste sich befähigen, diesen Schatz zu heben. Wenn ich nach Oben will, muss ich Kraft aufwenden. Wenn es gelingt, den Wandel im Geist zu schaffen, die Schätze zu heben, dann hat Augsburg eine tolle Zukunft."
Kurz gesagt: Passt schon, das wird nicht reichen. Gestalterische Kraft und Zuversicht sind der fruchtbare Boden für eine gute Zukunft Augsburgs. So schlecht stehen die Zeichen nicht.
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