Übersicht
|
Meistgelesen
|
Bestbewertet
|
Meistkommentiert
Es gibt verschiedene Arten von Spagat und einen zu machen, erfordert von Kindheit an, Übung. Aber was hat nun ein Spagat mit Welt und Kirche zu tun? Es ist doch so dass wir die in der Welt leben, immer wieder ein Bein in der Welt und das andere in der Kirche haben.
Nun, als Papst Benedikt XVI. letztes Jahr in Deutschland weilte, sprach er davon: „dass die Kirche sich entweltlichen soll“. Seither wird immer wieder versucht, seine Worte zu deuten. Was könnte er damit gemeint haben? Etwa dass die Institution Kirche, weltliche Geschäfte aufgeben wird? Sich nicht in politische Dinge einmischt? Oder dass die Diener Gottes einen Salto rückwärts machen und sich aus der Welt zurückziehen sollen, um mehr in die Stille zu gehen?
Könnte es wiederum nicht sein dass er meinte: dass nicht weltliche Eigenheiten, z. B. Vergnügungen, Ruhmsucht, Macht, Gewinnstreben, Eigensucht etc. in die Kirche einziehen sollten, damit der Glaube an Gott, das Evangelium nicht verwässert wird?
Oder meinte er mit seiner Aussage, dass das Evangelium, die Gebote Gottes und die Tugenden sich von der Kirche auf die Welt mehr und mehr übertragen sollten, denn dies ist immer noch der Auftrag der Kirche? Es ist doch so, wenn die Menschen bereit wären, Gott auch in das Alltagsgeschehen einzulassen, mit einzubeziehen, ohne eine Grenze zu ziehen zwischen Kirche und Welt, ob nun die Politiker bei ihren Entscheidungen, im Gesundheitswesen, im Schulwesen, bei den Banken, einfach überall, wäre es ein gutes miteinander, ein gegenseitiges Rücksichtnehmen, ein moralisch, ethisches ordentlicheres Leben und somit ein Gott gefälligeres Leben.
Warum sollte eine Mauer gezogen werden, zwischen den weltlichen Dingen und dem Evangelium? Geht nicht durch die (geistige) Mauer das eigentliche verloren? Macht denn die Lehre von Jesus Christus, das Evangelium auf dessen Grund die Kirche aufgebaut wurde, der Glaube daran, vor der Haustüre und den Türen der Welt halt?
Ein Priester und auch so mancher Gläubige lebt in einer ständigen Gratwanderung zwischen Welt und Kirche, zwischen Erde und Himmel. Man lebt in der Welt ja, aber man soll so in ihr leben wie Paulus sagt: „als ob man nicht von der Welt wäre“.
Deshalb benötigen Priester und das Volk Gottes immer wieder Zeiten des Zurückziehens, Zeiten der Stille, des zu sich selber Findens, damit man sich nicht gänzlich in und an die Welt verliert. Es ist eine „Kunst“ diese beiden „Welten“ miteinander zu verbinden.
Dies braucht genauso viel Übung, wie einen Spagat zu üben. Und das was uns Jesus im Evangelium ans Herz legt, kann man in der Welt üben, im Umfeld und so wird jeder Tag ein Gottesdienst. Nehmen aber weltliche Geschäfte und Vergnügungen überhand, dann bleibt für Gott wenig Zeit. Diese Zeit ist eine verlorene Zeit, die nicht wieder kommt und wir verlernen dann auch den Spagat. Dann werden wir steifer und steifer.
Beitrag
kommentieren
| bewerten: