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Glossale Einfälle


Nichts als die Wahrheit

In memoriam: Fauna interna

 

Da ist ein eigenartiges Tiersterben im Gange. Aber niemand scheint es wahrzunehmen. Nicht einmal Umweltschützer. Es handelt sich allerdings auch um Exemplare, die nicht in freier Wildbahn herumlaufen. Sie leben in einem. In jedem von uns. Bis vor kurzem jedenfalls.

Gemeint sind damit nicht menschliche Körperteile, die man schon mal mehr oder weniger scherzhaft mit denen von Tieren vergleicht. Bei Männern finden sich da schon mal  Storchenbeine, Adlernase und Dackelblick, bei Frauen eher Pferdeschwanz, Katzenaugen und Wespentaille.

Nein, es geht um vollständige Tiere, die seit geraumer Zeit vom Aussterben bedroht sind.

Wann  hatten Sie zum Beispiel das letzte Mal einen Frosch im Hals? Sehn Sie!

Das wissen Sie wahrscheinlich nicht mehr. Sie gurgeln nämlich ständig mit Salbei und Kamille oder lutschen Primelwurzelextrakt. Wie soll sich da ein gesunder Frosch entwickeln? Primelwurzelextrakt ist auf die Dauer tödlich für Frösche.

Manche Leute muss man heute erst darauf aufmerksam machen, dass sie einen Vogel haben, ja ihnen sogar denselben zeigen, ehe sie sich endlich darum kümmern. Aber dann ist es oft schon zu spät für unseren gefiederten Freund.

Wie soll man auch bei all den Telefonsignalen sein feines Piepen wahrnehmen?

Aber auch auffälligere Arten wie die Primaten, werden vernachlässigt, obwohl sie täglich um Süßigkeiten betteln. Doch nur wenige sind in unserer diätgeschwächten Welt noch bereit und willens, ihrem Affen Zucker zu geben? So nimmt die Versteppung der ehemals bunten und lebendigen Innenwelt  ungebremst ihren verhängnisvollen Lauf.

Wo ist die Laus, die früher frei über die Leber lief und nach deren Art und Befinden man sich - bei entsprechendem Gesichtsausdruck des Leberinhabers -  anteilnehmend erkundigt hat?

Und ach, die Schmetterlinge im Bauch! Wie flatterten sie vor Aufregung und sorgten für das nötige Kribbeln vor entscheidenden Taten! Ausgerottet die ganze Bauchfauna, nicht zuletzt durch Psychopharmaka!

“Ich glaube, mein Schwein pfeift!“ Ein hinfälliges Glaubensbekenntnis mittlerweile. Alles ist relativ, alles wird in Erwägung gezogen, passé der Mut zur eigenen Meinung! Anpassung heißt die aktuelle Innenweltverschmutzung, an der noch das pfiffigste Schwein verröchelt. Bei so wenig Selbst fiele auch für das Innentier par exellence, den inneren Schweinehund, kein Knochen mehr ab, wäre er nicht schon vor Jahren durch Joggen vor dem Frühstück zermürbt

und schließlich mittels Kampfhundeverordnung vollständig ausgetrieben worden.

Chancenlos muss auch jeder Versuch bleiben, uns von außen mit neuem Getier zu versorgen.

Versuchen Sie mal jemandem einen Floh ins Ohr zu setzen. Da ist immer ein Handy davor!

Und dabei wollten wir mal die Welt verbessern, die äußeren Zwänge bekämpfen! Alles sollte menschlicher werden, direkter, spontaner, farbenfroher, ja lebendiger!

Mein Gott, was hatten wir nicht für Grillen im Kopf!

 

 

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