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Ich kann mich seltsamerweise noch heute gut daran erinnern: Bei meinem ersten Kirchgang war ich gerademal fünf Jahre alt (wenn man mal von meiner Taufe absieht – die erfolgte früher, aber so weit reicht mein Erinnerungsvermögen dann doch nicht zurück). Danach ging ich regelmäßig jeden Sonntag alleine in die Kirche. Warum meine Eltern nie mitkamen, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass meine jüngere Schwester kurz vor meinem sechsten Geburtstag auf die Welt kam, sei hier nur am Rande bemerkt.
Der regelmäßige, sonntägliche Gottesdienst gefiel mir ganz gut. Irgendwie hatte ich einen „guten Draht" zu den Dingen, die sich da vor mir, unten immer in der ersten Reihe sitzend, oben am Altar abspielten. Ich fühlte mich in den Kreisen der Kirche sehr gut aufgehoben, fühlte mich geborgen, fühlte mich wohl. Ich baute zu Gott eine echte Liebesbeziehung auf, die sich nicht nur auf die Zeiten der Heiligen Messe oder des Gebets beschränkte, sondern mein ganzes tägliche Leben und Handeln mit begleitete.
Wie jeder kleine pubertierende Teenager war auch ich anfangs naiv überzeugt, dass diese „erste große Liebe" niemals vergehen würde. Letztendlich wollte ich mein Leben in den Dienst der Kirche stellen, ja sogar ins Kloster eintreten, also eine „Ehe" mit Gott und Christus eingehen, was der Umstand, dass ich ein Gymnasium eines Klosters besuchte, nur noch mehr verstärkte. Doch soweit sollte es nicht kommen.
Denn seltsam: Wie es oftmals so ist mit langjährigen Beziehungen, irgendwann beginnt man, sich mit seinem Partner auseinander zu leben. Mit meinem Älterwerden kamen auch neue, andere, aufregende Interessen auf. Ich lernte auf der Schule mehrere unterschiedliche Sprachen, kämpfte wie die meisten mit Algebra und Physik, erlangte dann auch irgendwie das Abitur und drang in die weite Welt hinaus. Und ohne es zu bemerken, hatte ich plötzlich den alten Pfad verloren und die ehemaligen Bande zu Gott und Kirche hinter mich gelassen.
Ich ging nun vollkommen während meines Studiums und den darauf folgenden Jahren in der Wissenschaft auf. Alles, und auch mein kleines Leben mittendrin, ließ sich nun wunderbar erklären und abbilden in Zahlen und Statistiken. Am Anfang reichte das schon aus zum Leben mit einer eigenen Wohnung, einem kleinen Auto und anderen netten Dingen. Ich spürte aber – nicht schnell, sondern vielmehr schleichend langsam – dass etwas in meinem Inneren fehlte. Ich war jahrelang unzufrieden, „unbefriedigt", konnte aber nicht zuordnen, woran das lag, da ich im Grunde doch alles hatte.
Eines Tages geschah ein Ereignis in meinem Leben, das alles verändern sollte. Es war nicht so wie beim Apostel Paulus, der „schlaglichtartig" bekehrt wurde. Das wäre leicht gewesen, auf dieser Basis zum Glauben zurückzufinden. Nein, es war ein sanftes, kaum zu bemerkendes Ereignis, das mich letztendlich in eine unangenehme Situation bringen sollte: Ich erkannte, dass Gott nie weggewesen war. Vielmehr hatte ich mich von ihm entfremdet und entfernt.
Es lag jetzt an mir, eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen, wie ich mein künftiges Leben gestalten wollte: mit oder ohne ihm. Ich musste entweder ein „Ja" oder ein „Nein" sagen, aber dann auch die Konsequenzen aus der jeweiligen Entscheidung tragen.
Ich habe „Ja" gesagt.
Und damit fing der ganze Ärger erst richtig an. Doch davon ein andermal mehr...
Bis dahin grüßt Euch
Philothea
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