Sonntag, 26. Mai 2013

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Notizen aus der Online-Redaktion

Das "Bild"-Prinzip. Oder: Wie es Minister Friedrich mit der Wahrheit hält

Dass die "Bild"-Zeitung Menschen instrumentalisiert, ist nichts Neues. Dass Politiker die "Bild" instrumentalisieren, auch nicht. Dumm ist es, wenn ein Minister dabei erwischt wird, wie er in Sachen "Bild" glatt die Unwahrheit sagt.

Das "Bild"-Prinzip kennen wir Journalisten alle bestens. Wenn ein Politiker ohne größere Gefahr für sich selbst testen will, wie die Öffentlichkeit auf eine Idee oder ein Vorhaben reagieren würde, lanciert er diese einfach - oder über Umwege - in der Redaktion der "Bild"-Zeitung. Die veröffentlicht dann zu gegebenener Zeit ihren Exklusiv-Bericht  nach dem Motto " Wie Bild erfuhr" oder " Nach Informationen von BIld".

Der Politiker, der die Information durchgereicht hat, sieht sich dann ganz in Ruhe an, wie die öffentliche Reaktion ist. Ist sie positiv, kann er daran gehen, seine Pläne weiter voranzutreiben. Ist der öffentliche Widerstand zu groß, zieht er sich einfach auf die Position zurück, es seien ja alles nur unausgegorene Pläne. Und sie hätten niemals realisiert werden sollen. Und überhaupt: keine Ahnung, woher die "Bild" diese Informationen hat oder haben will.

Das "Bild"-Prinzip führt zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Zeitung hat ihre Exklusiv-Schlagzeile und wird zig-fach in anderen Medien zitiert. Und der Politiker - wahlweise: Wirtschafts-Boss, Funktionär, Lobbyist, Schriftsteller... -  kann in Ruhe prüfen, ob seine Pläne die notwendige öffenliche Akzeptanz bekommen würden. Dazu bekommt er womöglich noch ein paar Zeilen Zitat in der Bild. Was will man mehr.

Ärgerlich wird es, wenn das ganze System einmal auffliegt. So wie nun im Fall von Innenminister Hans-Peter Friedrich.

Was war passiert?

Einmal mehr konnte Bild vor einigen Wochen mit einer exklusiven Nachricht aufwarten. Sie zitierte aus einer Studie, nach der viele Muslime nicht bereit seien, sich in Deutschland zu integrieren. Es war eine Studie, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht war. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sollte sie erst im Laufe des Tages vorstellen. Im Vorab-Bericht der "Bild" kam er trotzdem ausführlichst zu Wort. Erstaunlich.

Dass die Behauptung, viele Muslime würden sich nicht integrieren wollen, arg überspitzt und damit falsch war, ist das eine. Doch auch Friedrich selbst geriet in Schwierigkeiten. Verschiedene Medien wollten von ihm nämlich wissen, wie denn die Bild vorab an die Studie gekommen sei.

Der CSU-Minister wusch seine Hände jedoch in Unschuld. Im ZDF- Heute Journal entspann sich so folgender Dialog zwischen ihm und Moderatorin Marietta Slomka ( Youtube, etwa ab 0.50 )

 

Slomka: … weil Sie oder Ihr Sprecher oder sonst jemand in Ihrem Ministerium diese Studie vorab, bevor sie veröffentlicht wurde, an die "Bild"-Zeitung weitergegeben hat. Daraus wurde dann prompt eine "Schock-Studie".  

Friedrich: Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus herausgegeben worden. Sie ist heute veröffentlicht worden.  

Slomka: Nachmittags. Die "Bild"-Zeitung hatte sie schon gestern.  

Friedrich: Ja, das weiß ich nicht, müssen Sie die "Bild"-Zeitung fragen, woher sie sie hat. Von mir nicht.

 

Dumm dabei: Das war glatt gelogen. Zumindest war es nicht die Wahrheit. Und wenn der Bundesinnenminister nicht bewusst gelogen hat, dann deutet zumindest vieles darauf hin, dass Herr  Friedrich sein Ministerium  nicht im Griff hat.

Denn wie sich jetzt - auf eine Anfrage der Linken - herausstellte, hatte die „Bild“-Zeitung die Studie zur Integrationsbereitschaft von Muslimen  eben doch vorab vom Innenministerium bekommen. Um sich auf ein Interview vorbereiten zu können, wie es heißt.

Nun ja.

Für den CSU-Minister dürfte (besser: sollte) es jedenfalls äußerst peinlich sein, derart aufgeflogen zu sein. Das Prinzip "Bild" funktioniert nämlich nur dann, wenn man sich nicht erwischen lässt.  Ansonsten wird es arg unangenehm. Und der Herr Minister muss sich fragen lassen, wie er es sonst so mit der Wahrheit hält...

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