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Zehntausende Menschen haben am Samstag in Deutschland gegen Acta protestiert. Die "Netzgemeinde" in Aktion? Das Gegenteil ist der Fall. Die Proteste zeigen, dass sich die Zeiten einer sogenannten "Netzgemeinde" dem Ende entgegen neigen.
Anonymous, Wikipedia, oder VroniPlag: Das Internet hat es einfacher denn je gemacht, eine Idee in der Welt zu platzieren – und umgekehrt: sich für eine Idee zu engagieren. Digitale Protestwellen dieser Tage rauschen schneller und gewaltiger um die Welt als solche, die wir aus analogen Tagen kennen. Zwar versanden sie gelegentlich auch schneller. Aber eben längst nicht immer. Und das stellt vor allem konservative Politiker vor Probleme.
So war es auch bei Acta, diesem Gesetzes-Ungetüm, mit dem sogenannten Raubkopierern und Internet-Kriminellen (sic!) der Garaus gemacht werden soll. Zehntausende gingen gegen das Vorhaben am Samstag auf die Straße. Tatsächlich auf die reale Straße. Und wurden damit sichtbarer als die Acta-Proteste, die sich schon seit Monaten in den Foren, Blogs und Wikis dieser Welt formieren.
Die Vernetzung wird immer stärker
Die Demonstrationen gegen Acta, an denen allein in Augsburg mehr als 2000 Menschen teilnahmen, zeigen, dass es längst nicht mehr funktioniert, "digitale Themen" nur einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Im Gegenteil: Das Internet und seine Herausforderungen sind derart im sozialen Alltag vieler Menschen verwurzelt, dass auch seine Treiber der Mitte der Gesellschaft entstammen. Und diese Vernetzung zwischen analoger und digitaler Welt wird immer stärker - gerade, wenn Freiheits- und Bürgerrechte betroffen sind.
Wenn Politiker diese Entwicklung ignorieren, zum Beispiel in Leugnung (oder Unkenntnis?) der Realität vom „rechtsfreien Raum Internet“ schwadronieren oder die Vorratsdatenspeicherung als Allheilmittel feiern, zeigt das zwar durchaus die digitale Kluft, die mancherorts noch existiert. Im gleichen Zug aber beweisen Massenproteste wie gegen Acta, dass es faktisch keine "Netzgemeinde" mehr gibt. Es gibt vielmehr eine Gesellschaft, in der das Internet eine immer wichtigere Rolle spielt. In der viele Menschen die Möglichkeiten dieses Mediums intensiv nutzen, während andere Menschen in Angst oder Unkenntnis auf Lösungsrezepte einer früheren Welt vertrauen. Voneinander getrennt agieren können diese beiden Gruppen nicht mehr. Und wer Gewinner und wer Verlierer in diesem Spiel sein wird, dürfte mit Blick auf die Zukunft nicht schwer zu beantworten sein.
Tatsächlich, die sogenannte "Netzgemeinde" gibt es nicht, nicht mehr. Das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dort gehört es hin, aus dieser Mitte heraus muss es mitsamt all seinen Chancen und Risiken weiterentwickelt werden. Acta wiederum ist ein Anachronismus, der Versuch einiger Unternehmer und Politiker, die Welt von morgen mit den Mitteln von gestern in den Griff zu bekommen. Das kann und wird nicht funktionieren.
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