Mittwoch, 26. November 2014

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Film ab! Ein Streifzug durch die Videothek

Was ist neu, was lohnt sich und was sollte besser im Regal bleiben?

Die Stars haben die Seuche

„Contagion" besticht durch beinharte Realität!

Film ab! – Wertung:   7 / 10

Viren sind tückische kleine Biester: Nur ein Griff in die Erdnussschale in der Lieblingskneipe kann reichen, um sich zu infizieren. Außerdem sind die Winzlinge selbst mit dicksten Brillengläsern nicht zu sehen. Die Folge: Was man nicht anfassen kann, versteht man nicht. Und wenn der Mensch etwas nicht versteht, bekommt er es schnell mit der Angst zu tun. Filme spielen oft und gerne mit diesen Ängsten, die Jedem irgendwie vertraut sind. So gesehen ist "Contagion" ein ganz typischer Virus-Film. Doch er näherte sich dem Thema von einer anderen Seite: Der Realität. Und die ist oft grausamer, als jede Fiktion.

Eine Frau (Gwyneth Paltrow) ist auf Auslandsreise. Sie hustet, ihr Gesicht ist mit roten Flecken übersäht. Nach ihrer Rückkehr bekommt sie in ihrer Küche heftige Krämpfe. Ihr Mann Mitch (Matt Damon) bringt sie ins Krankenhaus, doch die Frau stirbt. Als Mitch wenige Stunden später nach Hause kommt, liegt sein Sohn tot im Kinderbett. Überall auf der Erde treten ähnliche Fälle auf. Eine Epidemie breitet sich aus, die immer größere Teile der Bevölkerung hinwegrafft.

Während die Wissenschaftler des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne), Dr. Erin Mears (Kate Winslet) und Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) versuchen, so viel wie möglich über das Virus herauszufinden um ein Heilmittel entwickeln zu können, reist Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde nach Hongkong, wo man den Ursprung der Krankheit vermutet. Unterdessen muss Mitch Emhoff (Matt Damon) mit dem Tod seiner Ehefrau fertig werden. Er versucht nun verzweifelt, seine Tochter (Anna Jacoby-Heron) vor einer Infektion zu schützen. Der fanatische Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) befeuert dagegen die Hysterie der Menschen, indem er über Verschwörungen und angebliche Heilmittel im Internet schreibt. Eine weltweite Panik scheint unvermeidbar…

Mit einer Vorgeschichte hält sich Regisseur Steven Soderbergh nicht auf. Er beginnt direkt mit Tag Zwei. Nach drei Minuten muss der erste Statist dran glauben, nach acht Minuten der erste Star. Macht aber nichts, denn Soderbergh stehen in seinem Thriller genügend Hollywoodgrößen zur Verfügung: Matt Damon, Kate Winslet, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow. Bei so viel Auswahl darf der ein oder andere Star aus Gründen der Glaubhaftigkeit ruhig das Zeitliche segnen.

Die Stärken des Seuchen-Drams sind aber nicht nur die vielen exzellenten Schauspieler, sondern auch die harten Bilder und die tragischen Schicksalsschläge. Die nüchterne Erzählweise macht ihr Übriges. Ein Beispiel: Zwei Wissenschaftler der Seuchenkontrolle untersuchen das tödliche Virus in speziellen Schutzanzügen. Er: „Was haben wir da?" Sie: „Eine junge Frau aus Minnesota. War gerade auf Reise in China. Der Sohn ist auch tot. Stand heute früh: 87 Fälle, 15 Tote." Er: „Wo warst du Thanksgiving?" Harte Schicksalschläge auf der einen Seite, Alltag für die Wissenschaflter auf der anderen.

Aber „Contagion" zeigt auch die klassischen Katastrophenszenen: Müllberge auf den Straßen, Hamsterkäufe im Supermarkt, leere Flughäfen. Aber immer unter dem Prinzip: Keine künstliche Panik, am besten alles so zeigen, wie es wirklich ablaufen könnte. Das gibt dem Thriller stellenweise sogar einen dokumentarischen Touch.

Hier hat auch keine böse Militärbehörde das sagen, niemand versucht ganze Landstriche wegzubomben, wie das Problem in „Outbreak" gelöst wurde. Forscher von Seuchenschutzbehörde und Weltgesundheitsorganisation suchen nach Ursprung und Gegenmittel für das Virus. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Denn die Angst verbreitet sich ebenso schnell wie das Virus.

Fazit: Wer einen Actionthriller à la „Outbreak" erwartet, wird enttäuscht. „Contagion" setzt keineswegs auf typische Szenen von überfüllten Krankenhäusern und panischem Geschrei. Stattdessen versucht es das Drama mit der Wahrheit. Gerade in der ruhigen Erzählweise des Filmes liegt seine brutale Überzeugungskraft. Denn genau so könnte es ablaufen. Und das ist schlimm genug.

Hier ein kleiner Einblick in den Seuchen-Thriller:

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