Dienstag, 21. Oktober 2014

11. Juni 2013 19:35 Uhr

Computer

Apple perfektioniert und entschlackt sein iPhone-System

Die Liste der Ankündigungen auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC ist lang: Neue Notebooks, neuer High-End-Rechner, neues Mac-System und ein komplett neu gestaltetes System für iPhone und iPad. Auf einen «Big Bang» warten die Fans jedoch weiter.

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Sollte Apple-Chef Tim Cook in diesen Tagen unter besonderem Druck gestanden haben, lässt er sich das auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2013 in San Francisco nicht anmerken. Lachend plaudert er vor seinem Auftritt mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, der im Apple-Aufsichtsrat sitzt. Entspannt geht er dann auf Jony Ive, seinem Chefdesigner, zu. Und nach der Eröffnungsrede der Konferenz klatscht der Konzern-Boss mit seinen Team-Mitgliedern locker ab, als habe er gerade als Trainer einer Football-Mannschaft den Super Bowl gewonnen.

Für die rund 6000 Entwickler im Moscone Center hatte Cook eine lange Liste von Neuerungen und Ankündigungen mitgebracht. Dazu gehören neue ultra-portable Notebooks (MacBook Air), die mit den Haswell-Prozessoren von Intel ausgestattet sind - der modernsten Technologie, die man derzeit auf dem Chip-Markt erstehen kann. Gezeigt wurde auch eine neue Version des Macintosh-Betriebssystems OS X, das sich von den Funktionen immer stärker an iPad und iPhone annähert. Und dann vor allem die markante optische Runderneuerung des Mobilsystems iOS: Hier konnte Designchef Jony Ive nun seine Vorstellungen nach dem Rauswurf des zuvor dafür zuständigen Managers Scott Forstall ohne internen Widerstand durchziehen.

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Unter Forstall hatte Apple versucht, mit gezeichneten Holzregalen, virtuellen Ledereinbänden und Filztischen, abgerissenen Kalenderblättern und anderen Bildern von vertrauten Gegenständen eine Brücke vom analogen ins digitale Zeitalter zu schlagen. Damit ist nun Schluss. Das neue iOS 7, das im Herbst ausgeliefert wird, besticht nun mit einer minimalistischen Optik, die auf der WWDC von den Entwicklern bejubelt wurde. Dazu kommen etliche nützliche neue Funktionen wie ein verbesserter Diebstahlschutz oder ein Multitasking-Betrieb, in dem mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen sollen, ohne den Smartphone-Akku zu sehr zu belasten.

Eine neue Funktion ist das «Control Center», bei dem man schnellen Zugriff zu wichtigen Einstellungen bekommt - und zusätzlich eine Taschenlampen-Funktion. Zudem erleichtert Apple den Wechsel zwischen Apps. Das im Vergleich zu anderen Plattformen umständlichere bisherige Verfahren war ein häufiger Kritikpunkt.

Im Apple-Lager stört sich auch niemand daran, dass etliche dieser neuen iOS-Funktionen schon bei anderen Smartphone-Systemen wie Android oder Windows Phone zu sehen waren. Dazu gehört auch das Control Center, mit dem man einen direkten Zugriff auf Funktionen wie den Flugmodus, WLAN-Einstellungen oder die Bildschirmhelligkeit bekommt. Vielleicht stört das hier auch niemanden, weil niemand bislang diese Ideen so schön umgesetzt hat wie Jony Ive. Immerhin merkte Jan Dawson, Analyst des Marktforschungsunternehmens Ovum, an, viele der Neuerungen in iOS 7 seien eher dazu gedacht, Probleme zu beseitigen als neue oder besonders clevere Funktionen hinzuzufügen.

Für die iOS- und Mac-Entwickler zahlt sich die Treue zu Apple überdurchschnittlich oft in barer Münze aus. Zehn Milliarden Dollar hat Apple bislang an App-Programmierer ausgeschüttet, fünf Milliarden davon allein im vergangenen Jahr. Und an das iTunes-Ökosystem mit 575 Millionen Kundenkonten, die mit einer Kreditkarte verknüpft sind, kommt auch der Internet-Riese Google nicht heran. So lässt sich für die Entwickler auf der WWDC verkraften, dass Android beim Smartphone-Marktanteil deutlich die Nase vorne hat.

In Gesprächen am Rande der Konferenz wird aber auch immer wieder thematisiert, ob Apple nicht seinen Zenit überschritten hat. Zwar verdient das Unternehmen weiterhin unglaublich gut. Doch die Börsianer haben Apple in den vergangenen Monaten abgestraft und den Kurs der Aktie vom Höchststand bei 700 Dollar im September 2012 auf nur noch 440 Dollar fallen lassen. Aktienbesitzer und Entwickler fragen sich, ob es Tim Cook gelingen wird, wie einst Steve Jobs neue Geräte auf den Markt zu bringen, die dann das Potenzial haben, eine Branche umzukrempeln und Apple ein Milliarden-Geschäft zu sichern. Cook hat immer wieder angedeutet, dass Apple noch viele Pfeile im Köcher hat, die dann abgeschossen werden, wenn die Zeit reif ist.

Beim ewigen Vergleich zwischen Cook und seinem Vorgänger wird aber vergessen, dass auch der legendäre Apple-Mitbegründer Jobs nicht jedes Jahr ein spektakuläres «One More Thing» präsentieren konnte. Von der Vorstellung des ersten iPods im Jahr 2001 zum Start des iPhones vergingen beispielsweise sechs lange Jahre. Und das erste iPad kam auch erst vier Jahr nach dem iPhone auf den Markt.

Der kommende Herbst dürfte erste Antworten geben. Zum neuen Macintosh-System «Mavericks» dürfte es dann neben dem futuristisch designten Mac Pro weitere neue Computer geben. Und zur Markteinführung des neuen Mobilsystems iOS 7 dürfte Apple dann auch im üblichen Turnus neue iPhones und iPads vorstellen. Ob die Apple-Fans in absehbarer Zeit mit ganz neuen Geräten wie einer Computer-Uhr oder einem Apple-Fernseher rechnen dürfen, steht aber weiterhin in den Sternen. Apple-Chef Cook ließ sich erwartungsgemäß nicht in die Karten schauen und wiederholte nur sein Credo: «Wir wollen die besten Produkte herstellen, die die Leute häufiger nutzen und mehr lieben als irgendwelche anderen.» (dpa)

Apple zu iOS 7 (eng.)

Apple zum iTunes Radio (eng.)

Apple zu OS X 10.9 (eng.)

Apple zum Mac Pro (eng.)

«iTunes Radio»: Das «iTunes Radio» wird direkt in Apples Musik-App eingebaut. Es sucht die Songs selbst aus, der Nutzer kann auch eine Musikrichtung oder ein Thema vorgeben. Der Dienst wird zunächst nur in den USA verfügbar sein.

«AirDrop»: Wie erwartet wurde der Austausch von Dateien wie Fotos zwischen Apple-Geräten mit der neuen Funktion «AirDrop» erleichtert. Apps aktualisieren sich jetzt automatisch. Die Anbindung ans Auto wird in Kooperation mit einem Dutzend Herstellern - darunter Mercedes, Opel, Honda und Nissan - verbessert. App-Entwickler bekommen Zugriff zu 1500 neuen Schnittstellen und können damit mehr Funktionen einbauen.

iOS 7: Optisch bekommt die iPhone-Software unter anderem ein klareres Design mit durchsichtigen Menüflächen sowie neue Farben und 3D-Effekte. Die Software trägt klar die Handschrift des Chefdesigners Jony Ive. Er ist seit Herbst nicht nur für das Aussehen der Geräte, sondern auch des Betriebssystems zuständig.

Mac Pro: In einem zylindrischen Gehäuse, das nur 25 Zentimeter hoch ist, liefert Apple im Laufe des Jahres die neueste Version seines Desktop-Rechners Mac Pro mit Tunderbolt-2-Schnittstelle aus. Für Rechenpower sorgen ein Xeon-E5-Prozessor von Intel (Haswell) und zwei FirePro-Grafikkarten der Workstation-Klasse von AMD. Einen Preis nannte das Unternehmen noch nicht.

MacBook-Air: Apple hat auch neue MacBook-Air-Modelle mit Core-i-Prozessoren der vierten Generation vorgestellt (Haswell). Mit denen sollen die 11- und 13-Zoll-Modelle bis zu neun beziehungsweise zwölf Stunden durchhalten. Die Notebooks sind ab sofort erhältlich, das kleinere ab 999 Euro, das größere ab 1099 Euro.

OS X 10.9: Mavericks heißt Apples neues Betriebssystem Mac OS X 10.9. Neben dem Kartenprogramm Maps hat Apple nach eigenen Angaben eine neue Version des Safari-Browsers integriert, die auch das neue iCloud Keychain unterstützt. Eine Technologie mit dem Namen AppNap sorgt dafür, dass Programme, die gerade nicht zu sehen sind keinen Strom verbrauchen. Außerdem bekommt OS X einen eingebauten Passwort-Tresor, mit dem Kennwörter nicht jedes Mal neu eingetragen werden müssen. Sie können auch über mehrere Geräte synchronisiert werden - ein Schlag ins Kontor der Anbieter spezialisierter Apps. OS X Mavericks kann ab Herbst im Mac App Store heruntergeladen werden.

Spielzeugautos: Auf Google und Android zielte auch eine für Apple eher ungewöhnliche Demonstration intelligenter Spielzeugautos, die mit iOS laufen. Die Spielzeuge des Start-ups Anki analysieren ihre Umgebung und reagieren darauf. Es ist das erste Mal, dass ein fremdes Gerät mit iOS läuft - ein Signal, dass Apple bei Computer-Technologien der Zukunft Google und der breit gefächerten Android-Plattform nicht das Feld überlassen will.

Siri: Neue Stimmen gibt es für den Sprachassistenten Siri, der nun zum Beispiel auch Geräteeinstellungen per Kommando regelt, etwa das Aktivieren und Deaktivieren der WLAN-Verbindung. Zudem sucht Siri jetzt im Internet standardmäßig mit der Microsoft-Suchmaschine Bing und nicht bei Google.

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