Freitag, 22. August 2014

01. Februar 2013 16:19 Uhr

"Bang With Friends"

Facebook-App soll Sex mit Freunden ermöglichen

Die neue App "Bang With Friends" ermöglicht es Facebook-Nutzern, einander anonym Interesse an Sex zu bekunden. Wie das funktioniert und was daran problematisch ist: Von Vinzenz Greiner

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Der Beginn einer heißen Nacht? Mit "Bang With Friends" können Facebook-Freunde anonym zu einander finden. Den Machern geht es schlicht um Körperlichkeiten.
Foto: Screenshot von bangwithfriends.com

In einem unaufgeräumten Zimmer rekelt sich ein Frauenkörper auf einem Bett. Die verschränkten Beine betonen das Versteckte, die Bluse hat sie über ihr Gesicht gezogen. An der Wand sticht ein Poster hevor: Darauf stehen die Buchstaben „Parental Advisory“, die US-amerikanische Warnung vor nicht jugendfreien Inhalten - auf dem Kopf. 

Eine Ansage mit Ironie: Denn das Bild ist der Hintergrund der Seite von Bang With Friends - zu deutsch: „Bums mit Freunden“. Die Internetseite wirbt damit, über sie ganz anonym Freunde finden zu können, die Lust auf eine gemeinsame Nacht haben.

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Neue Facebook-Anwendung: Anonymes Angebot zum Schäferstündchen

Das alles funktioniert ganz einfach über Facebook, denn Bang With Friends ist eine eigens für das Netzwerk programmierte Anwendung. Mit nur einem Klick kann man die App starten und landet auf einer Website, auf der in dicken Lettern „Kiss Kiss Bang Bang“ prangt.

Darunter ploppen dann alle Facebook-Freunde des anderen Geschlechts auf. Ihnen kann man per Klick auf einen roten Button ein Angebot zum Schäferstündchen unterbreiten. Diese wissen aber so lange nichts von ihrem Verehrer, bis auch sie ihm per Klick signalisieren, dass sie Lust auf Sex haben.

20.000 User nach vier Tagen

Dann bekommen beide Beteiligten eine Benachrichtigung per E-Mail, der Rest ist Bettgeschichte. Nach eigenen Angaben wollen die Erfinder der App innerhalb der ersten vier Tage bereits über 1000 Pärchen auf diese Weise zusammengebracht haben - bei 20.000 Nutzern in derselben Zeit.

Keine schlechte Quote für eine App, die nach Angaben der Macher in nur zwei Stunden programmiert wurde. Entsprechend nachbesserungsbedürftig ist sie allerdings auch. Zu Anfang hatte man noch Facebook-Freunde, die als Verwandte markiert sind, anwählen können. Kritik wird auch von Homosexuellen laut. Denn zwei Personen des gleichen Geschlechts können bisher nicht die anonyme Sexpartnervermittlung nutzen.

In einem Interview mit Buzzfeed erklärten die Programmierer, sie würden bereits daran arbeiten alle sexuellen Orientierungen einzuschließen.

Programmier der App: College-Freunde aus Kalifornien

Offenbar handelt es sich bei der Gruppe um drei College-Freunde aus Kalifornien - Forderungen gegenüber ihrer Website werden nach kalifornischem Recht geregelt. Die Jungs wollen ihre Identität jedoch erst einmal geheim halten.

Ganz geheim und anonym wie es auf den ersten Blick scheint, ist Bang With Friends indes nicht. Auf Facebook ist zu sehen, ob ein Freund die App nutzt und wem die Sache gefällt. In einem Werbe-Video der App erklärt eine junge Frau trocken zum Datenschutz: „Es gibt Schlupflöcher. Aber das ist Facebook. Das ist nicht neu.“

Im Video verkauft sich Bang With Friends als Samariter für all jene, die gerne Sex mit einem Freund oder Freundin haben möchten, es aber nicht gebacken bekommen. Bang With Friends liefert den bequemen Ersatz für peinliche „suggestive Posts an den Pinnwänden“ und „betrunkene Nachrichten“ an einen verehrten Facebook-Freund. „Wir geben Menschen die Möglichkeit, es zu tun, ohne dabei Gefahr zu laufen, zurückgewiesen zu werden“, erklärten die App-Macher im Interview mit Buzzfeed.

Das sei ein sicherer Weg, Freundschaften nicht zu beschädigen.

Kritik an Bang With Friends: Kein Schutz von Minderjährigen

Für eine Retter-App ist die Anwendung allerdings zu kompromisslos. Klickt man aus Versehen auf einen Freund, kann man dies nicht mehr rückgängig machen. „Hoffentlich klickt ihr auf niemanden aus Versehen“, rät die junge Frau charmant im Video.

Problematisch ist auch, dass die Anwendung keinen Unterschied macht zwischen Beziehungsstatus. Egal ob Singel, verlobt oder verheiratet: Prinzipiell ist jeder - in der Sprache der Betreiber - „bumsbar“. Außerdem haben Minderjährige bisher uneingeschränkten Zugang zur Anwendung. Außerdem fehlt die explizite Möglichkeit, die Facebook-Verbindung per Logout zu trennen.

Die Anwendung verstößt somit gegen die Guidelines von Facebook. Deshalb räumt der Blog allfacebook.de der App Bang With Friends keine lange Lebensdauer ein.

Die Betreiber glauben dies indes keineswegs und fordern auf der Website Interessenten auf, sich um Jobs zu bewerben.

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Facebook | Kalifornien