Freitag, 28. November 2014

10. Januar 2013 09:21 Uhr

Telekommunikation

Zwei Karten, ein Telefon: Dual-SIM-Handys für Tarifjongleure

Im Urlaub günstig über Datentarife lokaler Anbieter surfen und trotzdem unter der alten Nummer erreichbar sein: Mit einem Dual-SIM-Handy geht das problemlos. Die Auswahl an Geräten ist jedoch klein, außerdem lauern Kostenfallen und technische Tücken.

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Mehr Flexibilität: Dual-SIM-Handys haben im Gegensatz zu anderen Mobiltelefonen Platz für zwei SIM-Karten. Foto: Franziska Koark dpa

Zwei Rufnummern, aber nur ein Telefon in der Tasche: Wer sonst immer mehrere Mobiltelefone für Arbeit und Privatleben mitführt, kann sich mit Dual-SIM-Handys den Alltag erleichtern. Solche Mobiltelefone haben zwei Slots für SIM-Karten, der Besitzer ist immer unter beiden Nummern zu erreichen. Urlauber können damit im Ausland eine lokale Prepaid-Karte zum Telefonieren und Surfen vor Ort einsetzen. Pfennigfuchser nutzen eine SIM-Karte mit günstigem Datentarif für das Internet und telefonieren trotzdem günstig mit einer zweiten Karte.

Die meisten neueren Geräte auf dem Markt setzen dafür auf die sogenannte Dual-Standby-Technik: Solche Handys haben zwar zwei SIM-Schächte, aber nur ein Funkteil. Während eines Gesprächs ist der Nutzer unter der zweiten Nummer deshalb nicht mehr erreichbar. Um das Problem zu umgehen, richten die Geräte beim Provider automatisch eine Weiterleitung ein. Allerdings werden dafür Gebühren fällig, warnt die Zeitschrift «c't» (Ausgabe 24/2012).

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Im Ausland sind auch Dual-SIM-Geräte mit zwei Funkteilen erhältlich, die solche Probleme nicht haben, erklärt «c't»-Redakteur Lutz Labs: «Diese benötigen aber mehr Energie, da beide Funkteile permanent auf Empfang sind.» Die Geräte haben also entweder einen größeren Akku und damit mehr Gewicht oder müssen öfter ans Ladekabel.

In der Regel ist eine Karte als Hauptkarte definiert. «Sie wird automatisch genutzt, wenn man telefoniert oder SMS schreibt», sagt Rafaela Möhl vom Telekommunikationsportal «Teltarif». Möchte der Handynutzer für ein Gespräch die andere Karte verwenden, wählt er sie vorher in einem Menü aus.

Manche Handys erlauben sogar das Einstellen verschiedener Klingeltöne für die jeweiligen Karten. So ist stets klar, ob gerade ein privater oder ein beruflicher Anruf eingeht. Der Zugriff aufs Internet hängt davon ab, welchen Zugang man in den Einstellungen des Handys aktiviert. «Mitunter kann aber nur mit einer Karte ein schneller Internetzugang per UMTS genutzt werden», warnt Möhl.

Probleme mit dem Netzzugang gibt es aber auch andersherum: Zwar können Dual-SIM-Handys so eingestellt werden, dass nur eine Karte ins Internet darf. Sinnvoll ist das zum Beispiel, wenn für die andere SIM keine Datenflatrate gebucht ist. Das funktioniert nach Angaben der «c't» aber nicht zuverlässig: Telefoniert man über die zweite Karte, laden manche Telefone E-Mails und Updates währenddessen auch darüber herunter. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den Datendienst daher am besten beim Provider sperren.

Sonstige Ausstattungsmerkmale neuer Dual-SIM-Handys sind mit denen anderer Handys identisch. Auf den Käufer warten also die üblichen Entscheidungen: Touchscreen oder echte Tastatur, Smartphone oder klassisches Handy? Der Markt für Dual-SIM-Modelle ist in Deutschland recht übersichtlich. «Wenige große Hersteller bieten Dual-SIM-Geräte an, in die Lücke stoßen eher kleinere Hersteller», erklärt Markus Eckstein von der Zeitschrift «Connect». «Vernünftige Modelle gibt es ab 100 Euro.» Bei noch niedrigeren Preisen sollten Verbraucher vorsichtig sein: «Die sind oft schnell importiert und verfügen zum Beispiel über schlecht übersetzte Menüs.»

«Wer auf einen schnellen Internet-Zugang und Smartphone-Funktionen Wert legt, sollte rund 200 Euro für ein solides Gerät einplanen», empfiehlt «c't»-Redakteur Labs. Dafür gibt es zum Beispiel das Xperia Tipo Dual von Sony. Etwas teurer ist das Samsung Galaxy S Duos, ein modernes Android-Gerät, das dem aktuellen Flaggschiff des Konzerns, dem Galaxy S3, zum Verwechseln ähnlich sieht.

Ein kurzer Wisch über die Statusleiste erlaubt die Wahl der gewünschten SIM-Karte. Noch größer als das 4-Zoll-Gerät ist das rund 250 Euro teure SPX-8 von Simvalley mit 5,2-Zoll-Display. Unabhängig von der Gerätewahl müssen Käufer vor allem auf einen leistungsfähigen Akku achten, rät Markus Eckstein: «Egal ob ein oder zwei Empfangsteile, beim Einsatz von zwei SIM-Karten ist der Stromverbrauch immer höher als beim normalen Handy.»

Wer eine zweite SIM-Karte mit seinem bisherigen Mobiltelefon kombinieren möchte, kann das eventuell auch ohne spezielles Telefon und mit einem Dual-SIM-Adapter tun. «Solche Adapter sorgen dafür, dass sich die Handys alle paar Sekunden in das jeweils andere Netz einbuchen», erklärt Redakteur Labs. Diese sind je nach Modell für etwa 30 bis 40 Euro erhältlich. Rafaela Möhl von «Teltarif.de» kritisiert allerdings die Handhabung der Stecker: «Das Umschalten zwischen beiden Karten gestaltet sich teilweise recht umständlich.» Außerdem funktionieren solche Adapter nur, wenn die PIN-Prüfung der zweiten Karte abgeschaltet ist. Ein Dieb oder Finder hätte ohne diese Zugangssperre freien Zugriff auf die Karte. (dpa)

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