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26. Dezember 2011 20:34 Uhr

Mit dem Racetruck bei der Rallye Dakar

Ab Neujahr Staub und Hitze

Mathias Behringer lenkt wieder seinen Racetruck bei der Rallye Dakar durch Südamerika. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen aus Lutzingen (Nordschwaben).

Lkw-Fahren kann auch zu dieser Jahreszeit seinen besonderen Reiz haben. Vielleicht weniger auf der A 8 zwischen Ulm und Stuttgart, aber sicherlich dort, wo Mathias Behringer unterwegs ist: Rund 8000 Kilometer „frisst“ der 38-jährige Racetrucker aus dem nordschwäbischen Lutzingen in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres. Warnungen vor Schnee und Glatteis oder Staumeldungen muss er dabei nicht befürchten. Die Strecke führt im südamerikanischen Sommer durch Argentinien, Chile und Peru, über die Anden und die staubigen Sandpisten der Wüste Atacama – bei der „härtesten Rallye der Welt“, der Dakar 2012. Start ist am Neujahrstag, das Ziel wartet am 15. Januar in Peru auf Behringer.

Die Dakar beginnt und endet heuer erstmals nicht in Buenos Aires, sondern führt von Mar del Plata an der argentinischen Atlantikküste in die peruanische Hauptstadt Lima am Pazifik. Bedeutet die neue Streckenführung auch eine neue Herausforderung?

Behringer: In den vergangenen Jahren waren einige Etappen immer identisch, jetzt ist mir die Route völlig unbekannt. Es geht hoch bis nach Peru, da war ich noch nie und würde sonst wohl auch nicht hinkommen. Das wird interessant. Ich denke, die Rallye wird „sandmäßig“ wieder sehr anspruchsvoll. Sie ist mit insgesamt 8377 Kilometern zwar etwas kürzer, was aber nichts heißen muss. Die Strecke stellt sicherlich nicht weniger Ansprüche an das fahrerische Können und die Ausdauer als in den vergangenen Jahren.

Sie sind ja fast schon ein „alter Dakar-Hase“. Vor Jahresfrist wurden Sie Zehnter der Truck-Gesamtwertung. Welche Ziele haben Sie sich diesmal gesetzt?

Behringer: Es ist meine fünfte Teilnahme. 2007 war ich erstmals dabei, damals noch in Afrika. 2008 wurde die Dakar ja abgesagt, dann in den folgenden Jahren in Südamerika gefahren. Seitdem bin ich für das HS-Rallyeteam als Racetrucker im Einsatz – auch diesmal wieder als „Nothelfer“ für unseren Buggy von Kahle/Schünemann. Daneben fahre ich in der Truckwertung und will versuchen, den Klassensieg bei den Serien-Lkw zu gewinnen. Das hat 2011 ja nicht geklappt, weil wir den Buggy 160 Kilometer weit abschleppen mussten. Da wurde ich noch von einem Japaner überholt. Die Hälfte der 74 gemeldeten Trucks sind sogenannte „Prototypen“. Die haben den Motor weiter hinten und damit die bessere Balance. KAMAZ und IVECO sind mit Werkstrucks und nur für sich unterwegs. Die werden die Lkw-Wertung dominieren.

Sie sitzen wieder am Lenkrad ihres bewährten MAN?

Behringer: Ja, es ist das gleiche Fahrzeug wie immer und seit der Silk-Way-Rallye im Juli unverändert. zwölf Liter Hubraum, sechs Zylinder und rund 650 PS stark. Das Werk verkauft diesen Lkw in Rennspezifikation. Er steht das ganze Jahr bei mir in Lutzingen und ist nur ab und zu in Bewegung für Veranstaltungen und Präsentationen. Für großes Training bleibt mir keine Zeit.

Sie sind ja selbstständiger Zimmerermeister. Wie groß ist Ihr persönlicher Aufwand?

Behringer: Der Lkw gehört mir und hat mich rund 200 000 Euro gekostet. Ich habe ihn 2008 für die Dakar gekauft. Das bedeutete natürlich ein finanzielles Risiko. Ich werde von meinem Team für die Einsätze bezahlt. Mittlerweile verdiene ich da gutes Geld. Das Hobby ist zum Nebenberuf geworden. Das Rallyefahren bedeutet Arbeit, Sport, aber auch Urlaub für mich.

Wer sitzt heuer neben Ihnen im Cockpit? Die alte Besatzung?

Behringer: Der Niederländer Hugo Kupper ist wieder als Navigator im Einsatz. Er ist auf seinem Gebiet einer der Besten. In seinem Land ist Truckracing ja sehr populär, Kupper könnte auch in einem der holländischen Werksauto sitzen. Er navigiert nach Roadbook, GPS dient nur zur Überwachung der Wegpunkte. Dritter Mann im Cockpit ist unser Mechaniker Michael Karg. Vor Jahresfrist fuhr noch Jochen Sailer mit, der aber nicht mehr zur Verfügung steht. Karg war im Sommer erstmals in Russland bei der Silk Way dabei, wo wir den Klassensieg errangen. Er ist ein Bekannter von mir aus Lutzingen, der mir schon immer viel geholfen hat am Lkw.

Bleibt neben dem täglichen Rallye-Stress eigentlich Gelegenheit, um Freunde zu finden, Bekanntschaften zu schließen?

Behringer: Klar, man lernt sehr viele Leute kennen in der Szene. Während der Rallye ist jedoch nicht viel Zeit für Geselligkeit. Wir als Trucker sind bei allen Teilnehmern aber immer gerne gesehen. Bei kleinen Pannen auf der Strecke helfen wir nämlich auch mal der Konkurrenz.

Wie sieht jetzt Ihr Zeitplan aus?

Behringer: Mein MAN wurde schon am 22. November in Frankreich Richtung Südamerika verschifft. Wir fliegen am 27. Dezember nach Argentinien. Dort holten wir unser Fahrzeug am Hafen ab und fahren die 400 Kilometer zum Start nach Mar del Plata. Dann bleiben zwei Tage Zeit zur Vorbereitung. Am 31. Dezember erfolgt die technische Abnahme, danach kommt das Fahrzeug bis zum Start am Neujahrstag in den parc fermé.

Wie geht es mit Ihrer Motorsport-Karriere weiter? Denken Sie schon an die Dakar 2013?

Behringer: Diese Rallye wird wohl meine letzte mit einem Serientruck sein. Ich überlege, mir einen Prototyp anzuschaffen … Jetzt gilt meine Konzentration aber zunächst voll der Dakar 2012.

Über seine Erlebnisse als Truck-Pilot bei der Rallye Dakar 2012 berichtet der Lutzinger Mathias Behringer ab dem Start in einem Internet-Tagebuch, das Sie bei uns im Blogbereich finden.

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