Mathias Behringer lenkt wieder seinen Racetruck bei der Rallye Dakar durch Südamerika. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen aus Lutzingen (Nordschwaben). Von Günther Hödl
Lkw-Fahren kann
auch zu dieser Jahreszeit seinen besonderen Reiz haben. Vielleicht weniger auf
der A 8 zwischen Ulm und Stuttgart, aber sicherlich dort, wo Mathias Behringer unterwegs ist: Rund 8000 Kilometer „frisst“ der
38-jährige Racetrucker aus dem nordschwäbischen Lutzingen in den ersten beiden
Wochen des neuen Jahres. Warnungen vor Schnee und Glatteis oder Staumeldungen
muss er dabei nicht befürchten. Die Strecke führt im südamerikanischen Sommer
durch Argentinien, Chile und Peru, über die Anden und die staubigen Sandpisten
der Wüste Atacama – bei der „härtesten Rallye der Welt“, der Dakar 2012. Start
ist am Neujahrstag, das Ziel wartet am 15. Januar in Peru auf Behringer.
Die Dakar beginnt und endet heuer
erstmals nicht in Buenos Aires, sondern führt von Mar del Plata an der
argentinischen Atlantikküste in die peruanische Hauptstadt Lima am Pazifik.
Bedeutet die neue Streckenführung auch eine neue Herausforderung?
Behringer: In den vergangenen Jahren waren einige Etappen
immer identisch, jetzt ist mir die Route völlig unbekannt. Es geht hoch bis nach
Peru, da war ich noch nie und würde sonst wohl auch nicht hinkommen. Das wird
interessant. Ich denke, die Rallye wird „sandmäßig“ wieder sehr anspruchsvoll.
Sie ist mit insgesamt 8377 Kilometern zwar etwas kürzer, was aber nichts heißen
muss. Die Strecke stellt sicherlich nicht weniger Ansprüche an das fahrerische
Können und die Ausdauer als in den vergangenen Jahren.
Sie sind ja fast
schon ein „alter Dakar-Hase“. Vor Jahresfrist wurden Sie Zehnter der
Truck-Gesamtwertung. Welche Ziele haben Sie sich diesmal gesetzt?
Behringer: Es ist meine fünfte Teilnahme. 2007 war ich
erstmals dabei, damals noch in Afrika. 2008 wurde die Dakar ja abgesagt, dann in
den folgenden Jahren in Südamerika gefahren. Seitdem bin ich für das
HS-Rallyeteam als Racetrucker im Einsatz – auch diesmal wieder als „Nothelfer“
für unseren Buggy von Kahle/Schünemann. Daneben fahre ich in der Truckwertung
und will versuchen, den Klassensieg bei den Serien-Lkw zu gewinnen. Das hat 2011
ja nicht geklappt, weil wir den Buggy 160 Kilometer weit abschleppen mussten. Da
wurde ich noch von einem Japaner überholt. Die Hälfte der 74 gemeldeten Trucks
sind sogenannte „Prototypen“. Die haben den Motor weiter hinten und damit die
bessere Balance. KAMAZ und IVECO sind mit Werkstrucks und nur für sich
unterwegs. Die werden die Lkw-Wertung dominieren.
Sie sitzen wieder am
Lenkrad ihres bewährten MAN?
Behringer: Ja,
es ist das gleiche Fahrzeug wie immer und seit der Silk-Way-Rallye im Juli
unverändert. zwölf Liter Hubraum, sechs Zylinder und rund 650 PS stark. Das Werk
verkauft diesen Lkw in Rennspezifikation. Er steht das ganze Jahr bei mir in
Lutzingen und ist nur ab und zu in Bewegung für Veranstaltungen und
Präsentationen. Für großes Training bleibt mir keine Zeit.
Sie sind ja
selbstständiger Zimmerermeister. Wie groß ist Ihr persönlicher
Aufwand?
Behringer: Der Lkw gehört mir und
hat mich rund 200 000 Euro gekostet. Ich habe ihn 2008 für die Dakar gekauft.
Das bedeutete natürlich ein finanzielles Risiko. Ich werde von meinem Team für
die Einsätze bezahlt. Mittlerweile verdiene ich da gutes Geld. Das Hobby ist zum
Nebenberuf geworden. Das Rallyefahren bedeutet Arbeit, Sport, aber auch Urlaub
für mich.
Wer sitzt heuer neben Ihnen im Cockpit? Die alte
Besatzung?
Behringer: Der Niederländer Hugo
Kupper ist wieder als Navigator im Einsatz. Er ist auf seinem Gebiet einer der
Besten. In seinem Land ist Truckracing ja sehr populär, Kupper könnte auch in
einem der holländischen Werksauto sitzen. Er navigiert nach Roadbook, GPS dient
nur zur Überwachung der Wegpunkte. Dritter Mann im Cockpit ist unser Mechaniker
Michael Karg. Vor Jahresfrist fuhr noch Jochen Sailer mit, der aber nicht mehr
zur Verfügung steht. Karg war im Sommer erstmals in Russland bei der Silk Way
dabei, wo wir den Klassensieg errangen. Er ist ein Bekannter von mir aus
Lutzingen, der mir schon immer viel geholfen hat am Lkw.
Bleibt neben dem
täglichen Rallye-Stress eigentlich Gelegenheit, um Freunde zu finden,
Bekanntschaften zu schließen?
Behringer:
Klar, man lernt sehr viele Leute kennen in der Szene. Während der Rallye ist
jedoch nicht viel Zeit für Geselligkeit. Wir als Trucker sind bei allen
Teilnehmern aber immer gerne gesehen. Bei kleinen Pannen auf der Strecke helfen
wir nämlich auch mal der Konkurrenz.
Wie sieht jetzt Ihr Zeitplan
aus?
Behringer: Mein MAN wurde schon am 22.
November in Frankreich Richtung Südamerika verschifft. Wir fliegen am 27.
Dezember nach Argentinien. Dort holten wir unser Fahrzeug am Hafen ab und fahren
die 400 Kilometer zum Start nach Mar del Plata. Dann bleiben zwei Tage Zeit zur
Vorbereitung. Am 31. Dezember erfolgt die technische Abnahme, danach kommt das
Fahrzeug bis zum Start am Neujahrstag in den parc fermé.
Wie geht es mit
Ihrer Motorsport-Karriere weiter? Denken Sie schon an die Dakar
2013?
Behringer: Diese Rallye wird wohl
meine letzte mit einem Serientruck sein. Ich überlege, mir einen Prototyp
anzuschaffen … Jetzt gilt meine Konzentration aber zunächst voll der Dakar
2012.
Über seine Erlebnisse als Truck-Pilot
bei der Rallye Dakar 2012 berichtet der Lutzinger Mathias Behringer ab dem Start in einem Internet-Tagebuch, das Sie bei uns im Blogbereich finden.
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