Ein Besucher der Höchstädter Bürgerversammlung ist sich vorab sicher: "Es wird heiß heute Abend." Und er meint damit nicht die drückende Schwüle im Pfarrheim. Gut 100 Bürgerinnen und Bürger sind gekommen. Sie erleben einen neuen, heftigen Schlagabtausch zur B 16-Trassenfrage in Höchstädt. Von Berthold Veh
Mittendrin innerhalb verhärteter Fronten ist Bürgermeisterin Hildegard Wanner, sie hat nach dem Mehrheitsvotum von CSU und Umland im Stadtrat für die Prüfung einer umweltfreundlicheren Südtrasse einen schweren Stand. Aber auch die Gegner der Bahntrassen attackieren die Rathauschefin, weil die Stellungnahme der Stadt an das Staatliche Bauamt nicht die eindeutige Ablehnung der Bahntrassen, der Mitteltrasse und der Nordtrasse des Bürgerentscheids formuliert habe. Auf die wiederholte Nachfrage Siegfried Behringers, Hermann Ludleys und Jakob Kehrles kündigt Wanner einen weiteren Brief an die Behörde an: "Ich werde nochmals schreiben, dass wir die Bahntrassen einstimmig ablehnen."
Die Südtrassen-Gegner haben an diesem Abend die Mehrheit. Wanner rechtfertigt den Prüfungsauftrag einer umweltverträglicheren Südtrasse damit, dass solch eine Umgehung etwa 7600 Fahrzeuge aus der Stadt bringe. Bei jeder Trasse im Norden seien es dagegen nur 4000 Autos. "Wir wollen damit nichts verzögern", sagt die Bürgermeisterin: "Wir verzögern die B 16 nur dadurch, dass wir uns nicht an das Votum des Staatlichen Bauamts halten." Die Behörde hat für den Bau der neuen B 16 in einem Ranking die beiden Bahntrassen an die Spitze gesetzt (DZ berichtete).
Verkehr aus Süden abwenden
Isabella Schwägerl sagt, dass eine Südtrasse so nah wie keine andere Umgehung an den Häusern liege. "Ihre Aufgabe als Bürgermeisterin ist es, dass Sie Verkehr aus dem Süden abwenden müssen", sagt Schwägerl und erhält tosenden Applaus. Es gebe einen einstimmigen Stadtratsbeschluss gegen eine stadtnahe Südumgehung. CSU-Stadtrat Alois Vaas ist einer der wenigen, der für eine Südtrasse das Wort ergreift. Für den Verkehr aus dem Wertinger Raum werde Höchstädt einmal eine West- oder Osttangente brauchen. Das sehen auch Christine und Monika Mayerle so, die über die Verkehrsbelastung in der Herzogin-Anna-Straße klagen. Johann Jall fürchtet um das Wasserschutzgebiet, das eine Nordtrasse durchschneide.
Rudi Waschke rügt, dass CSU und Umland für eine Variante votiert hätten, die rechtlich nicht möglich sei: "Sie haben Höchstädt der Lächerlichkeit preisgegeben." Erwin Ballis stellt die Frage, ob die CSU-Räte - wenn es keine umweltverträgliche Südtrasse gebe - für die Nordtrasse Wasserschutzgebiet seien - "oder gibt es dann eine neue Variante?" FDP-Stadtrat Günter Ballis sagt, die Liberalen hätten sich keine Gedanken mehr über eine Südumgehung gemacht, weil sie gesetzeswidrig sei. Man sei von der CSU nicht informiert worden, dass sie eine umweltverträgliche Südvariante in Spiel bringe.
Luise Rössler hält Wanner vor, den Bürgerentscheid für die Nordtrasse nicht in die Tat umgesetzt zu haben. Bei der jüngsten Abstimmung im Stadtrat habe sich die CSU geoutet, was sie seit Jahren in Wirklichkeit verfolge. Die Bürgermeisterin entgegnet, es hätten sich 2003 massive Widerstände gegen die Nordvariante abgezeichnet. "Die Gefechtslage hat sich geändert." 2004 seien ohne Betreiben Höchstädts die Bahntrassen hinzugekommen. Weil mit Klagen zu rechnen sei, habe man alle sechs Trassen "in der Tiefe" untersucht.
Christa Musselmann fordert die Stadträte zum Miteinander auf. Nach knapp zwei Stunden ist der Schlagabtausch zu Ende. "Mein Wille ist, dass wir mit einer Trasse ins Planfeststellungsverfahren kommen", sagt Bürgermeisterin Wanner. Die Entscheidung liege in erster Linie beim Staatlichen Bauamt. »Kommentar und Bericht Seite 28
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