Höchstädt Der Streit zwischen der Stadt Höchstädt und der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) hat ein neues Themenfeld. BN-Kreisvorsitzender Dieter Leippert wirft der Stadt einen Naturfrevel im Nebelbach auf Schwennenbacher Flur vor. Im November sei der Graben im FFH-Schutzgebiet "Nebel-, Kloster- und Brunnenbach" auf einer Länge von etwa zwei Kilometern geräumt worden. "Dabei wurde ein großer Teil des Bestands der Bachmuschel (Unio Crassus) zerstört", sagt Leippert. Ein BN-Mitglied habe ihn über den unzulässigen Eingriff informiert. Von Berthold Veh

Der Fall beschäftigt inzwischen die Untere Naturschutzbehörde am Dillinger Landratsamt. Dort hat Leippert den Antrag gestellt, dass die Schädigung des "europaweit bedeutsamen" Bachmuschelvorkommens durch die Stadt Höchstädt umgehend untersucht werden müsse. Am Nebelbach wurde das Erdreich der Uferböschungen abgebaggert, damit das Wasser bei Regen nicht mehr in die Felder läuft. Sowohl der FFH-Managementplan als auch der Gewässerentwicklungsplan der Stadt Höchstädt weisen Leipperts Worten zufolge darauf hin, dass dies nur nach Absprache mit der Behörde getan werden dürfe. Der Naturschützer fordert jetzt die Durchsetzung der Sanierung und beruft sich dabei auf das Umweltschadensgesetz: "Ohne Zeit zu verlieren, also zeitgleich zu den Untersuchungen, müssen auf der Grundlage des FFH-Managementplanes sowie des Gewässerentwicklungsplanes umfangreiche gewässerökologische Verbesserungen des Nebelbaches realisiert werden." Nur bei raschem Handeln könne der Restbestand der geschützten Bachmuschel im Nebelbach stabilisiert und der vollständige Zusammenbruch der Population abgewendet werden.
Behörde: Formalität nicht eingehalten
Die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, Anne Vogel, bestätigt, dass die Stadt Höchstädt "eine Formalität nicht eingehalten hat". Die Baggerarbeiten seien nicht mit dem Amt abgesprochen worden. Die Stadt habe den Fehler eingeräumt und versprochen, in Zukunft vorher mit der Behörde zu reden. Anne Vogel glaubt nicht, dass die Schädigungen so dramatisch sind, wie von Leippert befürchtet. Die Bachmuscheln hätten zudem durch die Trockenheit vergangener Jahre Schaden genommen. Ähnlich habe sich ein Fachmann des Wasserwirtschaftsamts geäußert. Auch in diesem Sommer ist der Nebelbach nach Informationen der Donau-Zeitung mehrere Wochen trocken gewesen. "Das genaue Ausmaß des Schadens können wir allerdings erst im Frühjahr absehen", sagt Abteilungsleiterin Vogel. Das Bagger-Unternehmen habe sensibel gearbeitet, die Sohle des Nebelbachs sei nicht beschädigt worden.
Bürgermeisterin Hildegard Wanner räumt einen Fehler ein: "Wir hätten vorher die Untere Naturschutzbehörde verständigen müssen." Wanner will darauf achten, dass dies künftig geschieht. Die Baggerarbeiten seien für den Zeitraum September bis Mitte November beim Wasserwirtschaftsamt angemeldet gewesen. Landwirte hätten darauf gedrängt, dass der Graben geräumt wird, damit die Felder bei Regen nicht überschwemmt werden. Der Baggerfahrer, so Wanner, sei ein anerkannter Spezialist, er habe einen Rechen am Gefährt, der Erdreich und Schlamm herauswerfe und Kleinlebewesen schone.
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