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06. Februar 2012 12:09 Uhr

Die DZ-Reportage

Damit sich für Miraculix der Vorhang öffnet

Ein Blick hinter die Kulissen des Skiballs in Lauingen. Wenn das Engelein mit der Rohrzange kommt Von Miriam Probst

Lauingen „Ein Faschingsball ist wie ein riesiges Puzzle, bei dem an einem Abend alle Teile zusammengesetzt werden“, meint Steffi Flache. Bei ihr laufen beim Skiball am vergangenen Samstagabend in der ausverkauften Lauinger Stadthalle alle Fäden zusammen. „Hoffentlich passen alle Teile“, fügt sie hinzu, während sie am Eingang die Gäste begrüßt, sie aus einem goldglitzernden Zylinder Süßigkeiten heraussuchen lässt. Es gibt „Zauberstockkaugummi“, Schokoladenwürfel und Knallbonbons – alles passend zum Motto „Nacht der Magie“.

Neben ihr steht Stefan Lemmert, der seit 1996 zusammen mit Sandra Hauke jedes Jahr die Mitternachtsshow organisiert. Trotzdem ist er bereits jetzt, fünf Stunden vor dem Auftritt, aufgeregt. „Wir mussten dieses Jahr extrem viel improvisieren“, erklärt er, „die Bühnendeko für die Zaubershow ist sehr aufwendig und erst heute fertig geworden.“ Deshalb habe man sie auch erst bei der Generalprobe ausprobieren können.

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Die Mitternachtsshow ist nur ein Teil des großen Puzzles „Skiball“, dessen Teile über fast ein Jahr organisiert werden. Die Stadthalle und die Band habe man bereit vor Ostern gebucht, das Motto im Sommer festgelegt und ab Weihnachten mit den Proben zur Show begonnen, erzählt Flache. Daneben überlegen sich einzelne Mitglieder die Dekoration, Drinks für die Bar und das Bühnenbild. „Wenn wir nicht einen Malermeister und einen Schreiner im Team hätten, ich wüsste nicht, wie wir das alles hinbekommen sollten“, meint Flache.

„Stressig und kalt“ ist es derweil an der Garderobe, wo Georg und Gerlinde Schuhmaier Mäntel und Jacken der Ballbesucher in Empfang nehmen. Vom eigentlichen Ballgeschehen bekommen sie nichts mit. „Das macht uns aber nichts aus, deswegen sind wir ja hier draußen tätig“, meint Georg Schuhmaier. Bis 5 Uhr morgens wird es heute gehen, schätzt er.

Inzwischen ist es 21.30 Uhr – Showtime für die Laudonia. Die 24 Tänzerinnen und Tänzer ernten großen Beifall für die ausgeklügelte Choreografie und ihre spektakulären Hebefiguren. Hinter der Sektbar wagt derweil Hermann Schweiggert ein Tänzchen. „Hier ist es immer sehr gemütlich“, erzählt er, während er den Gästen Sekt-Aperol und eine „süße Hexe“ serviert. Richtig stressig sei es in der großen Bar, wo die harten Getränke serviert würden. „Zu uns dagegen kommen die Herren, die ihrer Dame nach einem Tänzchen ein Glas Sekt ausgeben möchten“, meint Schweiggert.

Etwas einfallen lassen hat man sich an der Bar der Cantina Castell, wo „Drachenblut“, „Einhorntränen“ und „Hexenbändiger“ serviert werden. Harry Potter hätte seine helle Freude, vor allem an dem Trockeneis, das dafür sorgt, dass der Zaubertrunk im Glas herrlich blubbert und raucht.

Inzwischen sind es noch knapp 30 Minuten bis zur Mitternachtsshow. In der Garderobe herrscht organisiertes Chaos, während die einen noch ihre Kostüme auspacken und überstreifen, schminken sich die anderen bereits. „Noch 15 Minuten bis Showtime“, ruft Lemmert, „alle zum Briefing auf die Bühne!“ Im Schnelldurchlauf erklärt er noch einmal, wer wo zu stehen, wann auf die Bühne zu gehen und was wegzuräumen hat. Spätestens jetzt ist allen die Nervosität ins Gesicht geschrieben – während die bezaubernde Jeannie noch kurz ihren Auftritt durchgeht, probt Angela Merkel ihre typische Handhaltung. Und dann geht es los – „wir rocken die Bühne“ ruft Lemmert, die Darsteller antworten mit einem dreifachen „Ski-Heil“.

Die ersten Nummern folgen Schlag auf Schlag: Während Miraculix auf der Bühne seinen Zaubertrank brodelt, stürmen nacheinander Harry Potter, Bibi Blocksberg und die bezaubernde Jeannie die Bühne. Zwei Comedy-Zauberer treiben ihre Späße und schließlich versucht ein Zauberer, der schon kräftig dem Alkohol zugesprochen hat, ein Playboybunny auf die Bühne zu zaubern. Zunächst vergeblich, denn es erscheinen Miss Piggy, Cindy aus Marzahn und drei Männer in engen Bodys und High Heels, die zu Beyoncé tanzen.

Als der Magier schließlich doch das ersehnte Bunny herbeigezaubert hat, senkt sich der Vorhang. Hinter der Bühne wird es hektisch – die einzelnen Teile eines Dornenkäfigs werden hereingetragen, mit dem Akkubohrer auf dem Parkett verschraubt, zwei Säcke und Fackeln in Position gebracht. „Auf welcher Seite muss ich noch mal stehen?“, fragt ein Showgirl nervös, „warum steht die Vase so weit vorne?“ Schließlich ist alles in Position – der Vorhang hebt sich, der Zauberer wird mit Handschellen in den Käfig gefesselt und befreit sich hinter einem weißen Tuch. Der Vorhang fällt wieder und in eben derselben Windeseile wird der Käfig abgebaut und mehrere Quader für die Zugabe hereingerollt. Der Zauberassistent verschwindet in dem aus mehreren Quadern bestehenden Haus, der Zauberer verschiebt diese und fördert dadurch immer wieder ein Körperteil des Assistenten zu Tage.

Das Publikum applaudiert, wie zuvor besprochen, marschieren die Darsteller hinter Lemmert und Sandra Hauke her und springen in den Graben. Die Show ist zu Ende. „Oh Mann, eigentlich hätte es dunkel werden und ein Feuerwerk losgehen sollen“, beschwert sich ein Darsteller, der eben noch in High Heels zu Beyoncé getanzt hat. Doch das Publikum ist hellauf begeistert und hat von dem kleinen Faux Pas am Ende nichts mitbekommen. Und nach dem Ball ist vor dem Ball: Steffi Flache plant schon den nächsten Skiball am 19. Januar 2013. „Wir haben schon jede Menge Ideen“, meint sie. Denn bei einem, da sind sich Flache und Lemmert einig: „Die vielen Besucher, die sich so viel Mühe mit ihren Kostümen machen, sind unsere schönste Belohnung.“

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