Dillingen "Das Gymnasium braucht Ruhe." Diesem Satz von Stefan Düll, dem Bezirksvorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes, wollte beim Bildungskongress der FDP Schwaben im Dillinger Colleg niemand widersprechen. Unterschiedliche Ansichten vertraten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion jedoch bei der Beurteilung der bildungspolitischen Strategien, die diese Ruhe sichern sollen.

Renate Will, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Studiendirektor Stefan Düll, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, Bernhard Uhl, Stellvertretender Vorsitzender der Landeselternvereinigung der Gymnasien, und Lukas Pollmann, Schülervertreter aus Kempten, ließen unter der Gesprächsleitung des FDP-Bezirksvorsitzenden Stephan Thomae (MdB) keinen Zweifel daran, dass die überstürzte Einführung des achtstufigen Gymnasiums bis heute Probleme verursacht.
Düll bedauerte die Streichung der 9. Jahrgangsstufe, verwies aber auf die neuen Fördermöglichkeiten mit Intensivierungsstunden und auf die Einübung wissenschaftlichen Arbeitens mit praktischer Projektarbeit. Lukas Pollmann erläuterte die Benachteiligung kleinerer Gymnasien, die das theoretisch denkbare Angebot nicht bereitstellen können.
Begabte stärker in Gestaltung einbinden
In aller Klarheit widersprach Pollmann dem Bild vom gequälten, gestressten Schüler, dem aufgrund der Schulzeitverkürzung kaum mehr Freizeit zur Verfügung stehe. Er beklagte vielmehr die "Verschwendung" mancher Unterrichtsstunde und zeigte sich davon überzeugt, dass begabte Schüler stärker in die Unterrichtsgestaltung einbezogen werden sollten.
Die Zustimmung der anderen Disputanten fand Bernhard Uhl mit seiner Forderung, einheitliche Bildungsstandards in allen Bundesländern zu sichern. Überflüssig sei die geplante Schüler-Identifikationsnummer ("Schüler-ID"), die persönliche und schulische Daten von Schülern in einem bundeslandweiten Register erfassen soll. Renate Will verteidigte dieses Projekt jedoch mit dem Hinweis, dass mit diesem "transparenten Gesetz" die Grundlagen für die Optimierung der Schulqualität gelegt werden könnten. Will trat auch für die Ganztagsschule ein, weil sie die Chance auf Rhythmisierung und Effizienzsteigerung des Unterrichts mit mehr Doppelstunden biete.
Wertverfall des Abiturs beklagt
Einwürfe und Fragen aus dem Zuhörerkreis belegten die unterschiedlichen Haltungen zu den neuesten gymnasialen Reformen. Eine Vertreterin der IHK Schwaben lobte die Intensivierung der Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft seit Einführung der Praxis-Seminare. Kritisiert wurde aber auch der Wertverfall des Abiturs durch die ständige Steigerung der Abiturientenzahlen. Viel Beifall erhielt Gisela Bock, Ehrenvorsitzende der FDP Schwaben, für ihre Kritik an der Reduzierung der musischen Bildung am G 8.
Die Frage, wie der starke Zulauf zu Privatschulen zu erklären sei, beantwortete Stefan Düll: Viele Eltern reagierten mit einem "Ausweichverhalten" gegenüber dem Reformstress sowie dem hohen Problemkinder- und Migrantenanteil an staatlichen Schulen.
Zu Beginn der von Stephan Thomae eingeleiteten Veranstaltung moderierte Gisela Bock eine Podiumsdiskussion zum Thema "Mittelschulen und Kooperationsschulen". In seinem Schlusswort verwahrte sich Uwe Pranghofer, Vorstandsmitglied des FDP-Bezirksverbandes, gegen Kürzungen im Bildungsbereich.
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