Montag, 24. November 2014

15. Oktober 2010 17:45 Uhr

Detektivin in der Jesuiten-Bibliothek

Dillingen Der Boden knarzt. In den Regalen stehen Tausende Bücher mit weißen, grauen und braunen Einbänden. Große Globen zeigen das Weltbild früherer Tage. "Der barocke Bibliothekssaal ist das Herzstück der ehemaligen Dillinger Jesuiten-Universität", sagt Christine Schneider. Dort hat die Kunsthistorikerin in den vergangenen Jahren viel Zeit verbracht, denn die 45-Jährige erforschte für ihre Doktorarbeit die Ausstattung der Studienkirche und des Jesuitenkollegs. Mit überragendem Erfolg. Die Dillingerin erhielt für ihre Forschungen nicht nur die Note eins - "summa cum laude". Am kommenden Mittwoch, 20. Oktober, wird der Wissenschaftlerin an der Universität in Freiburg auch der "Wetzstein-Preis" für Kunstgeschichte verliehen.

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"Ut in nomine Jesu omne genu flectat" - damit im Namen Jesu jedes Geschlecht die Knie beugt, so lautet der Titel der drei Bände umfassenden Arbeit mit 545 Seiten. Schneider hat dabei die Bild-Sprache in den Deckengemälden des Kollegs und der Studienkirche untersucht. Mit völlig neuen Erkenntnissen. Die einzigen Beschreibungen des Deckengemäldes im Bibliothekssaal stammen von Regens Wagner (Veröffentlichung 1902) und Friedrich Zoepfl (1950). Dies waren aber keine Kunsthistoriker.

Einige der dargestellten Personen seien gar nicht bekannt gewesen. "Diese Deckenbilder sind eine große künstlerische Leistung. Und dieses spannende Thema war kunsthistorisch noch nicht bearbeitet", sagt Schneider. Sie zeigt auf die "sacra doctrina" - die gelehrte Theologie, darunter sind die Grammatik, die Erkenntnisfähigkeit, der Glaube und der Erzengel Michael abgebildet. In der Reihe darunter sei es schon schwieriger geworden. "Wer ist hier dargestellt, und warum ist er hier zu sehen?", lautete die Frage.

Schneider las sich in Büchern der Jesuiten-Bibliothek in die Gedankenwelt des Ordens ein. Und sie konnte schließlich die Personen, die Ignaz Schilling gemalt hat, identifizieren. Die Dillingerin spricht die Reihe mit Genugtuung aus, denn die Identifikation hat detektivischen Spürsinn gefordert: "Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Johannes der Evangelist, Moses, Paulus, der griechische Kirchenvater Gregor von Nazianz und Hieronymus, der dem Dillinger Jesuitenkolleg den Namen gab." Der Leiter der Studienbibliothek, Rüdiger May, hat Schneider unterstützt. Er ist von der Promotionsarbeit der 45-Jährigen begeistert: "Es gehört schon allerhand Willen dazu, solch eine Arbeit durchzuziehen." Der Höhepunkt der Architektur in Dillingen sei erstmals grundlegend kunsthistorisch bearbeitet worden.

Christine Schneider ist alles andere als eine abgehobene Wissenschaftlerin. Viele Landkreisbürger kennen die einstige Bona-Abiturientin als charmante Dillinger Stadtführerin. Nach der Reifeprüfung wollte die heute 45-Jährige eine Lehre machen und ursprünglich Goldschmiedin werden. Schließlich begann sie bei Anton Eggert in Reistingen eine Ausbildung zur Kirchenmalerin. Später arbeitete sie bei großen Restaurierungsfirmen in Fulda, ehe sie 1992 an der Freiburger Uni das Studium der Kunstgeschichte und der Chemie begann. Zwischendurch arbeitete sie als freiberufliche Restauratorin.

2011 liegt Buch vor

Im Juli hat sie nun ihre letzte Prüfung abgeschlossen. 2011 wird es die Dissertation, die für die Kenntnis der einstigen Dillinger Jesuiten-Universität bedeutende Erkenntnisse liefert, als Buch geben. Sobald der Vertrag mit der Druckerei besiegelt ist, darf sich Christine Schneider Doktor nennen. Allmählich schlage sich das Bewusstsein durch, dass sich der Aufwand gelohnt habe. Nach dem kleinen WM-Finale Deutschland - Uruguay hatte die Dillingerin einen Gedanken: "Ihr seid Dritter, ich bin Erster."

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