Höchstädt Wenn Gerhard Kornmann etwas erzählt, tut er es mit Elan, mit einem Funkeln in den Augen. Er unterstreicht seine Aussagen mit Gesten. 24 Jahre lang war er Bürgermeister der Stadt Höchstädt. Und man kann sich durchaus vorstellen, wie seine Faust manches Mal im Stadtrat auf den Tisch niedergesaust ist, wie er die Menschen mit seiner Begeisterung von Ideen überzeugt hat. Am kommenden Donnerstag wird Gerhard Kornmann 70 Jahre alt. Von Martina Bachmann

Seine Frau Hannelore dagegen strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Sie hört ihrem Mann zu. Doch wenn sie sich einmischt, dann vertritt sie klar ihre eigene Meinung. Sie war nie diejenige, die den einstigen Bürgermeister für seine Entscheidungen nur mit Lob überschüttete. Sie war seine kritische Begleiterin. Das ist nur eine der Eigenschaften, die ihr Mann an ihr so sehr schätzt. Seit 50 Jahren sind die Kornmanns heute verheiratet. Und bereits bei der Hochzeit war beiden klar: Das hält für immer.
Kennengelernt haben sich die zwei in ihrem Heimatort Brachstadt. Dort sind sie gemeinsam aufgewachsen. Doch für einen Winter war Hannelore in einem Haushalt außerhalb beschäftigt. Und als sie zurückkam, ist sie Gerhard Kornmann aufgefallen: "Ihre ruhige, zurückhaltende, bescheidene Art und ihre Intelligenz haben mich beeindruckt." Auf gemeinsamen Spaziergängen tauschten sich die beiden aus. Schnell war klar: Wir gehören zusammen. Und bei der Hochzeit war das ganze Dorf dabei. Zunächst wurde Gerda, dann Birgitt geboren.
Kornmann arbeitete als Landwirt. Doch der Hof, der einst den Großeltern gehört hatte, war zu klein. Bei der Polizei fand der Brachstädter eine neue Stelle. Dort nutzte er die Chance, sich weiterzubilden. Am Ende konnte sich Kornmann "Diplom-Verwaltungswirt FH" nennen. Dass ihm die Polizei diese Chance ermöglichte, dafür ist er noch heute dankbar. Doch er nahm auch einiges auf sich: Nürnberg, Neu-Ulm und Rothenburg waren nur einige Stationen seiner Laufbahn. Hannelore hielt ihm den Rücken frei, kümmerte sich um die Familie und den Haushalt.
Einmal streikte die Ehefrau
Doch dann streikte sie - 1978. Damals wurde der Sozialdemokrat Gerhard Kornmann zum Bürgermeister von Höchstädt gewählt. Anfangs hatte er gar nicht damit gerechnet, eine Chance zu haben. Doch nach der Zustimmung bei den Hausbesuchen packte ihn der Ehrgeiz. Eines seiner Wahlversprechen: der Umzug von Brachstadt nach Höchstädt. Hannelore wollte nicht umziehen. Ihr Mann baute einfach das gemeinsame Bett ab - und in der Donaustadt wieder auf. Später wollte sie übrigens nicht mehr weg aus Höchstädt.
24 Jahre lang im Amt - es war eine Zeit, die Kornmann sehr viel Spaß gemacht hat. Das neue Rathaus oder beispielsweise die Nordschwabenhalle wurden in diesen Jahren gebaut. Die wichtigste Maßnahme für ihn war die Freilegung des Leitebachs. Das Schönste jedoch war der Umgang mit den Menschen. "Widersprüche habe ich geliebt." Nach wie vor hängt er an der Stadt. Doch zur aktuellen Kommunalpolitik will er sich nicht äußern - diese Zeit sei vorbei, sagt Kornmann.
Die 50 Jahre Ehe sind für ihn wie im Flug vergangen. Am wichtigsten sei es, dem anderen seinen Freiraum zu lassen, sich gegenseitig Respekt zu zollen, meinen die zwei. Im engsten Familienkreis - natürlich mit den beiden Enkelinnen Franziska und Stefanie - feiern sie am Freitag ihre goldene Hochzeit und den Geburtstag von Gerhard Kornmann.
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