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05. September 2010 18:40 Uhr

Ein Salut auf die Vergangenheit

Holzheim "Gebt Feuer!" Ein ohrenbetäubender Knall hallt von den Hügeln des Aschbergs. Weiße Rauchschwaden steigen in die Luft. Rund 100 Schützen senken den Lauf ihrer Böller auf dem Sportgelände in Holzheim nach unten. Alles hat geklappt, fast alle haben gemeinsam einen Salut geschossen - einen Salut auf die Vergangenheit.

Ein lauter Knall und weißer Rauch: Die Böllerschützen erinnerten am Samstag in Holzheim daran, dass in der Aschberggemeinde vor 400 Jahren zum ersten Mal Pulver und Blei ausgegeben wurden. Rund 100 Schützen waren auf dem Sportgelände dabei. Foto: Karl Aumiller
Foto: Karl Aumiller

Denn es ist fast genau 400 Jahre her, seit den Schützen der Aschberggemeinde zum ersten Mal Pulver und Blei übergeben wurden. Damals sollten sich die Bürger so gegen herumstreunende Banden verteidigen. Ein Zentner Pulver und eineinhalb Zentner Blei wurden dem Vogt von Holzheim zugesandt, wie es in einem Text aus dem bayerischen Hauptstaatsarchiv heißt. Der Vogt wiederum sollte Teile der Munition denen übergeben, die mit einer Muskete umgehen konnten.

Blei verwenden die Böllerschützen heute nicht mehr, erklärt Schussmeister Johann Weber vom Schützenverein "Edelweiß" Holzheim. Stattdessen wird ein Korken mit einem Holzhammer auf das Pulver im Kolben geklopft. Und mit Selbstverteidigung hat das Schießen auch nichts mehr zu tun - schon eher mit Tradition. Wer diese allerdings ausüben will, der muss zunächst einen Lehrgang besuchen. Anschließend muss eine Sachkundeprüfung abgelegt werden. Erst dann kann beim Landratsamt die entsprechende Erlaubnis beantragt werden. Und wenn ein Schütze Böllerpulver kauft, dann wird das in ein Büchlein eingetragen.

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41 Mitglieder hat die Böllerschützengruppe des Holzheimer Vereins. Eine der vielen Frauen darunter ist Monika Riegele. Seit die Gruppe vor zwölf Jahren gegründet wurde, ist sie dabei: "Es ist einfach eine schöne Gemeinschaft." Und natürlich freut es die 34-Jährige auch, wenn der Böller losgeht und es einen Riesenknall gibt. Riegele selbst hat einen Schaftböller - also einen größeren. Viele Damen würden allerdings einen Handböller benützen. Der sei in etwa so groß, wie ein "Handtäschle", meint Riegele.

Aus Zusmarshausen, Wertingen, Ellerbach oder Augsburg sind die Böllerschützen nach Holzheim gekommen. Eine kurze Anreise hatte die Gruppe des Schützenvereins Frauenriedhausen mit Böllerkommandant Anton Graf. Seine Aufgabe beschreibt er so: "Ich sorge für einen geregelten Ablauf." Die Gruppe ist mit Freude beim Böllerschießen dabei, fährt gerne auf Treffen. Auch die Frau des Kommandanten, Annemarie Graf, ist mit von der Partie. Das Böllerschießen sei eine Pflege der Tradition, meint sie. Und schließlich schieße man ja nur zu bestimmten Anlässen - bei einer Hochzeit, einem kirchlichen Fest oder an Neujahr.

Holzheims Bürgermeister Erhard Friegel hat den Böllerschützen-Kurs absolviert. Doch selber schießen will er nicht - schließlich sei er aus der Übung. Doch als Schussmeister Weber das Kommando "Gebt Feuer!" gibt, da schaut auch Friegel fasziniert zu.

Bei uns im Internet: Ein Video vom Platzschießen gibt es unter donau-zeitung.de/video, zudem hat unser Fotograf Karl Aumiller viele schöne Fotos gemacht. Die Galerie gibt es unter donau-zeitung.de/bilder, die Fotos kann man per E-Card verschicken.

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