Im letzten Teil unserer Zivil-Dienst-Serie gibt es noch etwas Exotisches. Simon Peinlich erzählt von seinem "anderen Dienst im Ausland", den er vor kurzem in Fernandez (Argentinien) geleistet hat.
"In der ersten Nacht sind mir schon die Tränen gekommen", erklärt Simon Peinlich. Wem wäre es nicht so ergangen, aus der heilen Welt des Landkreises Dillingen gerissen und gelandet mitten im Armenviertel der nordargentinischen Stadt Fernandez, in einem vollbelegten Zehnbettzimmer. Eine spärliche Unterkunft, "jedes Bett ein Eisengestell mit Matratze drauf". Die frische Bettwäsche zuhause wird durch den Schlafsack ersetzt.
"Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte", sagt Simon jetzt. Die anfänglichen Anflüge von Heimweh seien schnell vergessen gewesen. Fast ein Jahr verbrachte er als Zivi in Argentinien und den angrenzenden Ländern, wie Bolivien. Alle drei Monate musste er die Grenze überschreiten, um sein Visum zu erneuern. Während dieser Reisen lebte er fast immer auf der Straße.
Die meiste Zeit arbeitete er aber auf der "Fundacion Centro de Capacitacion" in Fernandez. Die "Fundacion", deren Name mit Bildungswesen übersetzt werden kann, bietet zirka 80 Jugendlichen aus den ärmsten Teilen Nordargentiniens die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen, was sie sich normalerweise nicht leisten könnten, erklärt Simon.
Vor allem das Leben der ländlichen Bevölkerung sei von Armut geprägt. Da gibt es zum Beispiel die sogenannten "Campoarbeiter", die von morgens 5 Uhr bis abends 19 Uhr auf dem Feld arbeiten, sechs Tage die Woche bei oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen. "Die Menschen müssen bei 40 bis 50 Grad in der Sonne mit der Hacke die Felder bearbeiten und verdienen pro Woche umgerechnet ungefähr 15 Euro", berichtet der 20-Jährige.
Jedes Jahr kämen etwa zehn deutsche Jugendliche, die ihren Zivildienst oder ein soziales Jahr in der Ausbildungsstätte absolvierten auf die Fundacion. Die Aufgaben dort seien vielseitig. Simon und die anderen Jungs hätten viel im handwerklichen Bereich gearbeitet, auf dem Bau, in der Schweißerei und auf den Feldern.
Auch Simon arbeitete für drei Wochen auf dem "Campo", den Feldern, wo er Wassermelonen, Kürbisse, Mais oder Salat erntete. Auch die Aufforstung von neuen Bäumen gehörte zu seinen täglichen Aufgaben. Der 20-Jährige erlernte aber auch die "Kunst des Mauerns" und verbrachte einige Tage in der Schweißer-Werkstatt. Dank Simons Hilfe entstand ein neuer Speisesaal für die Kinder aus dem Kindergarten in der Nähe und eine neue Kapelle an einem Pilgerort.
Doch Simons Engagement ging noch weiter. "Wir haben jeden Abend Fußball gespielt", erzählt er. Mit "wir" meint er sich und die "Jungs", die anderen Deutschen und die argentinischen Jugendlichen. "Auf unserem Bolzplatz standen nur zwei Tore aus Holzlatten und fast jedes Mal mussten wir den Ball flicken", - für den leidenschaftlichen Fußballer Simon untragbar. Deshalb habe er gemeinsam mit "Intersport Seeßle" in Gundelfingen, wo er vor seiner Reise eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert hatte, Schuhe, Trikots, Bälle und Netze organisiert. "Von den 115 Euro Spenden meiner ehemaligen Arbeitskollegen schweißte ich neue Fußballtore, die wir dann in den Landesfarben von Deutschland und Argentinien anstrichen", so Simon.
Südamerika war schon immer sein Traum
Südamerika sei schon immer sein Traum gewesen. Durch den Aufenthalt dort habe er seine handwerklichen Fähigkeiten verbessert, sich im Umgang mit Menschen geübt, viele neue Erfahrungen und Freunde gewonnen und sogar Spanisch gelernt.
Flug und Unterkunft musste Simon aus eigener Tasche bezahlen. "Meine Eindrücke die ich sammeln konnte, über die Kultur, die Menschen, einfach das komplett andere Leben in Argentinien, ersetzten mir jeden Euro, den ich bei einem Zivildienst in Deutschland verdient hätte", sagt Simon.
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