Dienstag, 21. November 2017

01. Juli 2010 18:50 Uhr

Eugen Schleipfer und sein Gespür für Pflanzen

Neusäß Für Eugen Schleipfer ist das, was er da gerade prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger zerbröselt, eine Kostbarkeit. Für die meisten anderen Menschen ist es einfach nur Erde, ein Häufchen brauner Dreck. Auch wenn es noch so guter Torf ist. Ein paar Krümel in der Hand, mehr braucht der Gärtner nicht. "pH-Wert 5,5?", fragt er den Lieferanten, der die Erde gerade gebracht hat. Der nickt verdutzt. "Ich kenne meine Erden", sagt Schleipfer mit einem Lächeln. Von Katharina Gaugenrieder

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Eugen Schleipfer ist Gärtner. Sein ganzes Leben schon. Den Betrieb am Rande von Neusäß (Landkreis Augsburg) hat er von seinem Vater übernommen. Etwas anderes als Gärtner, sagt der heute 63-jährige, habe er niemals werden wollen. Noch bevor er zum ersten Mal die Schulbank drückte, setzte er die ersten Stecklinge und verkaufte mit dem Vater auf dem Markt. In der Grundschule verdiente er sich sein Taschengeld, indem er für ein paar Zehnerle die Pflanzen, die er in seinem Beet hochgezogen hatte, an seine Schulkameraden absetzte. Auf dem Markt verkauft er heute noch. Knapp 20 Gartentage besucht das Neusäßer Unikum pro Saison. Am Wochenende ist er bei der Rosenschau in Unterliezheim mit dabei.

In der Szene ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Den Pflanzenflüsterer nennen sie ihn. Nicht ohne Stolz erzählt Schleipfer, dass des Öfteren mal ein Kollege bei ihm am Stand mit einer Pflanze in der Hand auftaucht und nach ihrem Namen fragt. "Richtige Gärtner gibt es heute fast nicht mehr. Ich bin ein Dinosaurier", sagt der 63-Jährige. "In meinem Kopf befinden sich ständig 5000 Pflanzenarten auf Abruf." Bei jedem Waldspaziergang habe der Vater in der Kindheit die lateinischen Namen der Pflanzen abgefragt. "Und er hat nie geduldet, dass man sagt, das wäre einfach nur Unkraut." Hunderte von Kilometern fahren manche Menschen, um bei Eugen Schleipfer eine Pflanze zu kaufen. Und dann kann es sein, dass er sie ihnen gar nicht mitgibt.

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Pflanze muss zum Mensch passen

"Die Pflanze muss zum Mensch passen. Sie ist nicht nur ein Deko-Objekt. Wenn ich merke, derjenige will eine Blume oder Staude nur als reine Deko, dann bekommt er sie nicht." Oder wenn er den falschen Boden zu Hause hat. Denn Eugen Schleipfer kennt schließlich seine Erden. Fast überall auf der Welt, wie er sagt. Und so weiß er auch, dass in der Gegend von Fulda diese oder jene Pflanze niemals im Garten der Kundin wachsen wird, während eine andere dagegen nur so wuchert. "Ich sage den Leuten dann auf die Brust zu, was sie in ihrem Garten haben, und die halten mich dann für einen Wahrsager", sagt Schleipfer lachend.

Doch der Wahrsager mit dem grünen Daumen weiß nicht nur, was die Erde in Fulda hervorbringt. Er kennt die Vegetation in Neuseeland und in Tasmanien, in Persien und in der Türkei. Denn wenn Eugen Schleipfer einmal Urlaub hat, dann zieht es ihn in die weite Welt. Doch Strand und Hotels sind seine Sache nicht. Stattdessen wandert er am anderen Ende der Welt in die Natur hinaus, sammelt fremde Gewächse, importiert sie nach Hause und verbringt dann unter Umständen Jahre mit dem Versuch, sie zu züchten. Hunderte von Blumen und Stauden, die heute in deutschen Beeten blühen, hat er erst nach Deutschland und in den Handel gebracht, sagt er.

Darunter auch den Enzian "Eugens Bester". "Hätte ich mir das alles patentieren lassen, wäre ich jetzt ein reicher Mann." Doch die Natur zu patentieren, das kommt für den Pflanzendoktor, wie er sich im Ausland manchmal vorstellt, nicht infrage. "Die Leute sollen sie vermehren, verbessern können. Mit ihnen weiter rumbasteln. Das freut mich", sagt er. Und reich, das ist Eugen Schleipfer ohnehin. Sein Reichtum blüht und gedeiht in Tausenden von kleinen Probetöpfchen auf dem Gelände der Gärtnerei. Es sind winterharte Chrysanthemen, Zitrusfrüchte und Echinacea- oder Enzianpflanzen, alpine Raritäten und Kakteen. Nur Rosen hat der Gärtner keine. Mit denen hat er schon als Kind schlechte Erfahrungen gemacht. "Die haben immer so gestochen", sagt er lachend.

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Ein Artikel von
Katharina Indrich

Donau Zeitung
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