Wertingen Seit vier Jahrzehnten gibt es die Erzeugergemeinschaft Schwaben (EGS) mit Sitz im Wertinger Stadtteil Geratshofen. Zurzeit gehören gut 2000 landwirtschaftliche Betriebe - die meisten aus den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen, Aichach-Friedberg und Augsburg - dem führenden Dienstleister und Vermarkter für Nutz- und Schlachttiere in Süddeutschland an. Ab 1. Juli wird aus der EGS Schwaben die Erzeugergemeinschaft Franken Schwaben. "Die Fusion mit unseren Partnern im Fränkischen ist beschlossene Sache", betonen die beiden Geschäftsführer der EGS Schwaben, Johann Häusler und Burkhard Hock. Drei Erzeugergemeinschaften aus den nördlichen Landesteilen Bayerns kommen dann hinzu: die EG Franken Vieh & Fleisch mit Sitz in Herrieden bei Ansbach, die EG Ringferkel in Neustadt/Saale und die EG Ringferkel Oberfranken in Rödental bei Coburg. Von Günther Herdin
Größter deutscher Ferkelvermarkter
Konkrete Überlegungen, mit den fränkischen Partnern zu fusionieren, gab es laut Burkhard Hock schon seit Mitte vergangenen Jahres. Insgesamt werden ab 1. Juli knapp 5000 Betriebe zur neuen EGS Franken-Schwaben gehören. Damit mutiert das Unternehmen zum größten deutschen Ferkelvermarkter, wie Johann Häusler gegenüber unserer Zeitung betont. Aber auch beim Schweine- und Kälbermarkt nimmt die neue EGS nationale Spitzenplätze ein.
Was macht eine Erzeugergemeinschaft? Sie vermarktet das gesamte Nutzvieh ihrer Mitglieder, sprich das von fast 5000 Landwirten. Da wird jedes neu geborene Ferkel und Kalb der Mitglieder registriert und später der Verkauf sowie der Transport für eine Mästung abgewickelt. Was in der Praxis nichts anderes bedeutet, dass die jungen Tiere von einem Hof zum anderen Hof innerhalb der landwirtschaftlichen Mitgliedsbetriebe wechseln. Aber auch Schlachtvieh-Verkäufe regelt und führt die EGS durch. "Wir beliefern unter anderem den Augsburger Schlachthof und viele Metzgereien in der Region", berichten Hock und Häusler, wobei dieser Anteil bei gut 90 Prozent liegt. Die restlichen Tiertransporte gehen ins europäische Ausland. Hauptabnehmer sind Italien, Österreich und Kroatien. Zu den Kunden gehört aber auch der größte deutsche Fleischverarbeiter Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück.
In insgesamt 19 betriebseigenen Lkw werden derzeit die Tiere der EGS Schwaben transportiert, "ab Juli werden wir circa 30 Fahrzeuge haben", erklärt Burkhard Hock.
Hauptsitz ist im Wertinger Stadtteil Geratshofen
Für Hocks Kollegen Johann Häusler ist die bevorstehende Fusion nicht nur aus dem geschäftlichen Blickwinkel etwas ganz Besonderes: "Man sagt ja, dass Schwaben und Franken im Allgemeinen nicht so gut miteinander können. Wir machen es aber vor", so der 58-Jährige, der als stellvertretender Landrat im Landkreis Augsburg auch eine kommunalpolitische Brille aufhat. Für Wertingen bedeutet dieser Zusammenschluss, dass das "Grüne Zentrum" in der Zusamstadt weiter gestärkt werde. Denn der Hauptsitz der EGS Franken-Schwaben wird im Stadtteil Geratshofen angesiedelt sein.
Dort steht auch das Tochterunternehmen der EGS Schwaben, die SEG GmbH (Tierhaltungsbedarf) mit einem Jahresumsatz zwischen zehn und 15 Millionen Euro. Auf geschätzte 300 Millionen Euro wird der Jahresumsatz steigen, wenn die neue EGS Franken-Schwaben und die SEG ab Sommer Hand in Hand arbeiten. "Damit gehören wir zu den umsatzstärksten Betrieben im Landkreis Dillingen", so Häusler und Hock unisono. Beide bleiben nach der Fusion Geschäftsführer, mit Hans Wolf (Herrieden) gesellt sich im Sommer dann ein dritter hinzu.
Durch den Bau einer neuen Kommissionierungshalle der SEG-Tochter in Geratshofen, die Anschaffung zusätzlicher Lkw und die Ausweitung des Personals auf dann circa 80 Mitarbeiter am Standort Wertingen investiert der Nutz- und Schlachtvieh-Dienstleister circa eine Million Euro. Um, so Häusler und Hock, für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.
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