Gegen den ehemaligen Prokuristen der Firma Grünbeck in Höchstädt wurde Haftbefehl erlassen.

Von Maria Leistner
Höchstädt Gegen den ehemaligen Prokuristen der Firma Grünbeck ermittelt die Staatsanwaltschaft. Am 7. August wurde gegen ihn mit dem Vorwurf der "Untreue" Haftbefehl erlassen, der inzwischen außer Vollzug gesetzt ist. Dem ehemaligen Mitarbeiter der Höchstädter Firma wird nach derzeitigem Sachstand die Veruntreuung von rund 1,5 Millionen Euro zur Last gelegt. Das Haus des 66-Jährigen wurde durchsucht. Er ist auf Kaution frei, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Die Anzeige gegen den Mitarbeiter, der 30 Jahre im Betrieb war, erstattete die Firma Mitte Juli. "Wir haben lange im Haus ermittelt, bevor wir Strafanzeige stellten", sagt Walter Ernst, Vorsitzender der Geschäftsführung der renommierten Höchstädter Firma. Bei dem, was die Untersuchungen ergaben, komme keine Freude auf, so Ernst. Es herrsche vielmehr große Betroffenheit, wenn einem der engsten Mitarbeiter von Josef Grünbeck und auch einem seiner engsten Mitarbeiter Derartiges angelastet werde.
Verdachtsmomente gegen den Ex-Prokuristen habe es in der Vergangenheit viele gegeben, erklärt Walter Ernst. "Doch keine stichhaltigen Beweise." Das habe sich allerdings nach dem Ausscheiden des Mannes vor über einem Jahr geändert. Seit vergangenem Sommer habe ein kleiner Kreis von Mitarbeitern intern recherchiert. Bei der Schadenssumme kann sich Ernst noch nicht festlegen, doch er meint "es ist sicherlich nicht weniger als eineinhalb Millionen Euro".
Der ehemalige Prokurist war für den Einkauf bei Grünbeck zuständig. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass Gelder durch Einschaltung einer Gesellschaft mit Sitz im Ausland zum Nachteil der Firma Grünbeck bezahlt wurden. "In welcher Höhe sie ihm selbst zugeflossen sind, ist noch festzustellen", erklärt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg.
Der "exponierte Mitarbeiter", so Ernst, war nicht nur Prokurist und Leiter der Materialwirtschaft und damit des gesamten Einkaufs, sondern auch Gesellschafter im Rahmen der Mitarbeiterbeteiligung und auch Mitglied des Beirats. Der Beirat ist Aufsichtsorgan und stellt eine verkleinerte Gesellschafter-Versammlung dar. Im vergangenen Jahr habe man sich von dem Mitarbeiter drei Monate vor Beginn seines Ruhestands getrennt, so Ernst.
In der Firma mit rund 400 Mitarbeitern herrscht seit Bekanntwerden der Strafanzeige große Betroffenheit. "Es geht nicht nur darum, dass die Firma betrogen worden ist, sondern auch alle Mitarbeiter", erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung. Die besondere Konstruktion von Grünbeck als Mitarbeiter-Firma sei nicht ohne großes Vertrauen möglich.
Walter Ernst spricht von einem "absoluten Einzelfall", schränkt aber ein, dass es möglicherweise Helfer gegeben habe, die in der Lage sind, ein solches Konstrukt aufzubauen. Wie hoch der Schaden für die Firma tatsächlich ist, werde sich erst zeigen. Indirekt sind die Mitarbeiter aber schon betroffen: "Wären in der Vergangenheit einige hunderttausend Euro an Gewinn mehr da gewesen, hätte sich die Frage der Kürzung von Sozialleistungen möglicherweise gar nicht gestellt."
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