Donnerstag, 19. Oktober 2017

06. August 2015 10:08 Uhr

Kreis Dillingen

Hunderte Aale verenden im Auwaldsee

Weit über hundert Aale starben im Auwaldsee. Auslöser war wohl die Hitze. Doch wie kamen die Tiere überhaupt in den See?

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Ein toter Aal liegt am Ufer des Auwaldsees bei Lauingen. Das Foto entstand am Montag. Vermutlich sind hunderte Fische aufgrund der Hitze verendet. Genaue Zahlen gibt es nicht.
Foto: Graf, Landratsamt

Seit 25 Jahren ist Franz Baurschmid Vorsitzender beim Lauinger Fischereiverein. Aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Weit über 100 Aale sind im Auwaldsee verendet. „Es können 300 und noch mehr gewesen sein“, vermutet Baurschmid. Immer 20 Stück auf einmal habe er aus dem Wasser gefischt, nur Aale, keinen einzigen anderen toten Fisch. Er habe sofort die Stadt darüber informiert, auch das Dillinger Gesundheits- und das Donauwörther Wasserwirtschaftsamt wurden eingeschaltet.

Eine Vermutung, woran die Aale gestorben sind, gibt es bereits. Die Tiere tragen ein Herpesvirus in sich. „Erwärmt sich das Wasser auf über 24 Grad Celsius, bricht das Virus aus und führt zu Blutungen im Inneren und an den Kiemen“, erklärte Boris Roth gestern. Der Abteilungsleiter für den Landkreis Dillingen im Wasserwirtschaftsamt betonte aber, dass die pathologischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Diese werden am Landesamt für Umwelt durchgeführt und dürften mehrere Wochen dauern. Roth vermutet, dass von 1000 Fischen die Hälfte verendet ist. Das Fischsterben habe aber überhaupt nichts mit der Wasserqualität zu tun. Der Abteilungsleiter erinnert sich an sechs, sieben Fälle von Aalsterben in den vergangenen zehn Jahren. Auch andere Fische können unter der Hitze leiden, erklärte er. Ab einer Temperatur von 28 Grad droht ein Hitzschlag.

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Gesundheitsamt gibt Entwarnung

Doch das Gesundheitsamt gibt Entwarnung. Laut Dr. Uta-Maria Kastner sinkt die Wassertemperatur bereits wieder. „Bei der jüngsten Beprobung am 20. Juli hatte der See 27 Grad, jetzt sind es nur noch 24/25 Grad. Für so einen See ist das ein gewaltiger Unterschied.“ Die EU-Badeseen Auwald-, Gartner- und Wünschsee werden nach einem vorgegebenen Plan regelmäßig untersucht, bei großer Hitze oder nach einem Hochwasser auch öfter. Sorgen müssen sich Badende also nicht machen.

Das Gesundheitsamt hat inzwischen weitere Proben entnommen und weiß: Alle Parameter im Auwaldsee liegen demnach im normalen Bereich, das Gewässer ist nicht verunreinigt worden. „Bis ein See kippt und eine relevante Keimbelastung entsteht, müssen schon sehr lange viele tote Fische drin liegen“, gibt die Leiterin des Gesundheitsamtes Entwarnung. Auch sie findet ein Fischsterben generell nicht ungewöhnlich – „aber in der Menge schon“.

Doch wie kamen die Fische überhaupt in den See hinein? Laut Boris Roth vom Wasserwirtschaftsamt gehören Aale generell nicht in einen abgeschlossenes See wie den im Auwald, sondern in fließendes Gewässer. Christian Müller von der Lauinger Stadtverwaltung und Franz Baurschmid haben dafür aber eine ganz einfache Erklärung: Bei Hochwasser läuft die Donau in den Auwaldsee über. „Alles, was es in der Donau gibt, schwimmt auch im See“, sagt Baurschmid, „das kann man gar nicht verhindern.“

Kleine Glasaale, die in der Donau eingesetzt wurden, gelangen auch durch das Gitter des Zuflusses in den Auwaldsee, solange sie klein genug sind. Der Vorsitzende des Lauinger Fischereivereins hat sich selbst noch mal rückversichert, dass Aale inzwischen in allen zur Donau gehörenden Gewässern erlaubt sind und bei der Fischereigenossenschaft Donau und der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben nachgefragt. Denn es hat durchaus mal ein Verbot gegeben.

Aale bleiben grundsätzlich bis zum Tod am Boden

Verhindern oder früher erkennen können hätte man das Sterben der Aale nicht, sagt Baurschmid, weil die Tiere grundsätzlich am Boden bleiben, bis sie tot sind und die Körper nach oben steigen. Aus dem gleichen Grund können die Fischer möglicherweise noch lebende Aale auch nicht rausholen und etwa wieder in die Donau setzen. „Mit Netzen hat man da unten gar keine Chance“, erklärt Baurschmid.

Wer nach dieser Nachricht jetzt ganz genau ins Wasser schaut und dort kleine Quallen entdeckt, muss sich ebenfalls keine Sorgen machen. Diese leben laut Boris Roth wie der Aal normalerweise am Boden eines Sees. „Aber bei einer bestimmten Wassertemperatur lösen sie sich und steigen hoch.“ Für den Menschen sind die kleinen Tiere, die zum Beispiel Wasserflöhe fressen, völlig ungefährlich.

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Ein Artikel von
Cordula Homann

Donau-Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten


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