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11. März 2010 20:00 Uhr

Im Gespräch mit dem Steiff-Biograf

Dillingen "Sie war schlicht die Unternehmerin des 19. Jahrhunderts." - so präsentierte der Margarete-Steiff-Biograf Wolfgang Heger bei seiner Autorenlesung in der voll besetzten Aula des St.-Bonaventura-Gymnasiums in Dillingen einem lebhaft interessierten Publikum eine außergewöhnliche Frau, die - obwohl zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt - mit Disziplin und Willensstärke zur Chefin einer Weltfirma aufgestiegen war.

Auf Einladung der Fachakademie für Sozialpädagogik des Schulwerks der Diözese Augsburg stellte Wolfgang Heger sein Buch "Das Tor zur Kindheit" vor, in dem mit sorgfältiger Recherche die Lebenserinnerungen der Margarete Steiff wissenschaftlich, aber doch spannend aufgearbeitet sind (und von der Hauptdarstellerin des Margarete-Steiff-Films, Heike Makatsch, als Grundlage ihres Rollenstudiums verwendet wurden).

Ausgehend von der Steiff-Biografie wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion von kompetenten Fachleuten das Thema "Inklusion" (im Sinne von integrativer Autonomie und Unabhängigkeit von Menschen mit Behinderung) erörtert. Zunächst begrüßte Werner Eitle, stellvertretender Leiter der Fachakademie für Sozialpädagogik, den in Giengen/Brenz gebürtigen Autor. Anhand zahlreicher Kernstellen aus dem "Tor zur Kindheit" erfuhren die Zuhörer anschaulich, wie Margarete Steiff trotz des Handicaps der Kinderlähmung ihren Lebensweg erkämpft hat - in einer Zeit mit tragischen Schicksalen behinderter Menschen, geprägt vom Rollenbild der Hausfrau, Ehefrau und Mutter und einem "Fanatismus, der die ständige Arbeit vergötzt hat".

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Wolfgang Heger betonte dabei Margarete Steiffs Führungswillen schon in Kindergruppen, aber auch die medizinische und pädagogische Förderung, die sie erfahren hatte. Als einschneidend wertete der Autor die Hilfe durch die Eltern, womit der unternehmerische Aufstieg von der eigenen Schneiderei über das Filzkonfektionsgeschäft bis hin zur legendären Produktion des filzgefütterten Elefanten und dem "Teddybär" mit menschlichen Zügen erst begründet war.

An diese Ausführungen schloss sich die Podiumsdiskussion an: Neben Werner Eitle und Wolfgang Heger bezogen Direktor Gerhard Schweiger von der Regens-Wagner-Förderschule Dillingen, Sozialpädagogin Raphaela Ohlenforst für die Vereinigung "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen" sowie Juristin und Rechtskundedozentin Eva-Maria Fink zum Thema "Inklusion/Integration behinderter Menschen" Stellung.

Fink umriss dabei die rechtlich-politische Lage gemäß der 2006 verabschiedeten und seit März 2009 auch in Deutschland in Kraft gesetzten UN-Konvention zur Inklusion, die über die bloße Integration hinaus gleichzeitig Autonomie und Unabhängigkeit bei inklusivem Schulsystem ("dabei sein von Anfang an") erreichen will. Die Kulturhoheit der Länder, aber auch mangelnde Geldmittel und Kapazitäten wurden als Problemfelder einer praktischen Umsetzung ausgemacht.

Für Abschaffung der Förderschulen

Ohlenforst setzte sich in dieser Hinsicht für eine Abschaffung der Förderschulen und des dreigliedrigen Schulsystems ein und forderte die Einrichtung inklusiver Lernzentren. Direktor Schweiger machte dies von der weiteren Entwicklung der Regelschulen abhängig und gab zu bedenken, dass Körperbehinderte leichter in ein solches Schulsystem einzugliedern seien, während Menschen mit Mehrfachbehinderungen oder auch sogenannte "verhaltensauffällige" Kinder weiterhin spezieller Förderung bedürften. Einig war sich das Gremium, dass eine Inklusion vor allem in weiterführenden Schulen an ihre Grenzen stößt, was sich in der Suche nach einem Arbeitsplatz fortsetzt. (us)

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