Dienstag, 12. Dezember 2017

02. Juli 2012 12:08 Uhr

Unwetter

Jahrhundertsturm tobte über dem Landkreis: 24-Jährige im Auto von Baum erschlagen

Pkw-Fahrerin auf der Bundesstraße 16 getötet. Enorme Sachschäden hauptsächlich im Donau- und Brenztal Von Martina Bachmann und Peter von Neubeck

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Landkreis Eine tote junge Frau, viele Verletzte, ein noch nicht bezifferter hoher Schaden: Das ist die vorläufige Bilanz des schweren Unwetters, das in der Nacht zum Sonntag zwischen 21 und 22 Uhr über den Landkreis Dillingen gefegt ist. Stellenweise bot sich ein Bild, als ob ein ausgewachsener Hurrikan im Landkreis gewütet hätte. Die Schneise, die er schlug, reichte von Bächingen (Stromausfall) und Medlingen (Dachabdeckungen) über Rieder (Blitzeinschlag) und Wittislingen durchs Donautal und über den Aschberg bis nach Dillingen (Stromausfall Donaualtheim, Verwüstungen im Taxispark, zerstörtes Auto durch Baumsturz) über das Kesseltal (Strom- und Telefonausfall in Oberliezheim) und Donauwörth.

Auf der B16 stützte ein entwurzelter Baum auf das Dach eines vorbeifahrenden Autos. Die 24-jährige Fahrerin, die aus Gundelfingen stammt und in Günzburg wohnt, wurde im Fahrzeug eingeklemmt. Wie die Polizei mitteilt, starb sie noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen.

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Wie schlimm es teilweise war, schilderte unser Reporter Horst von Weitershausen, der in der Nacht terminlich für die Donau-Zeitung unterwegs war: „Ich habe gedacht, ich seh’ nicht recht, plötzlich kam mir zwischen Lauingen und Dillingen auf der Straße ein Baum entgegengeflogen.“

In Donaualtheim wurde ein 49-Jähriger schwer verletzt. Er wollte gegen 21.20 Uhr im Garten noch Gegenstände in Sicherheit bringen. Währenddessen wurde ein Baum vom Orkan entwurzelt und begrub den Mann unter sich. In Gundelfingen wurde nach Polizeiangaben eine Frau auf der Freilichtbühne im Rosenschloss von herumfliegenden Bühnenkulissen eingeklemmt. Sie wurde mit Rippenbrüchen ins Krankenhaus nach Dillingen gebracht. Ebenfalls in Gundelfingen wurde eine 58-jährige Frau durch ein herabstürzendes Tor mittelschwer verletzt und musste ins Krankenhaus Dillingen eingeliefert werden.

In Dischingen (Landkreis Heidenheim) fegte der Sturm die Zelte auf einem Rockfestival weg. Durch umherfliegende Gegenstände wurden zehn Menschen verletzt, drei mussten im Krankenhaus behandelt werden. Wie die Polizei in Heidenheim mitteilte, hat ein Teil der rund 6000 Festivalbesucher die Nacht in Turnhallen verbracht. Der Veranstalter hat das Festival noch in der Nacht vorzeitig beendet.

Die Feuerwehren im Landkreis waren in dieser Nacht im Dauereinsatz. Bis zum Sonntagvormittag musste die Feuerwehr Lauingen allein zu 40 Einsätzen ausrücken. Wie Kommandant Stephan Böhm auf Anfrage der DZ sagte, traf es besonders die Altstadt schlimm. Sehr viele Dächer wurden teilweise abgedeckt, auch die Stadtpfarrkirche Sankt Martin wurde beschädigt. Der Sturm riss den Dachstuhl des Kindergartens St. Martin herunter. Dort ist jedoch eine Feuerwehrsirene angebracht, die tönte am Sonntag früh deshalb rund eine Stunde jeweils im einmütigen Dauerton. Böhm gestern Mittag zur DZ: „Wir haben zwei Stunden geschlafen und sínd jetzt schon wieder seit in der Früh im Dauereinsatz. Privatgrundstücke können wir gar nicht von gestürzten Bäumen und Ästen befreien, weil auf öffentlichem Grund viel zu viel zu tun ist.“

Zudem sei am späten Abend mit einem Großaufgebot von Feuerwehr, DLRG und Wasserwacht nach vier Ruderern gesucht worden, sagt Böhm. Insgesamt drei Boote waren auf der Donau vom Unwetter überrascht worden. Während zwei Besatzungen nach Steinheim weiterpaddelten und dort aus dem Fluss gingen, hatte eines bereits an der Dillinger Staustufe Schutz gesucht und war dann als vermisst gemeldet worden. Die vier Ruderer – darunter auch die Frau des Lauinger Bürgermeisters – wurden von der Lauinger Wasserwehr entdeckt, als sie nach dem Sturm zurückruderten, und wurden bis nach Lauingen eskortiert.

Vergleichsweise glimpflich kam Höchstädt nach Angaben von Feuerwehrkommandant Stephan Karg davon. In der Lutzinger Siedlung stürzte ein Kamin zunächst auf ein Hausdach, dann in den Garten. Die Feuerwehrler hatten mit mehreren entwurzelten Bäumen und Ästen zu kämpfen, rund 25 Mann waren im Einsatz, rund 20 Mal musste die Feuerwehr ausrücken. Auch das Dach der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt wurde in Mitleidenschaft gezogen. In Sonderheim fiel ein Baum auf einen Wohnwagen, sodass die Camper bis zur Befreiung durch die Feuerwehr eingesperrt waren. Verletzt wurde niemand.

Die Polizei konnte gestern die Zahl der gesamten Einsätze im Landkreis nur schätzen.

In Dillingen wurde der Taxispark total verwüstet, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Auch Oberbürgermeister Frank Kunz, selbst Feuerwehrmann, war bis in den frühen Morgenstunden aktiv dabei. Am Morgen sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Schäden – bis auf den Fall in Donaualtheim – glücklicherweise keine Personen betroffen hätten. In Schretzheim riss eine Stromleitung durch einen umstürzenden Baum ab und ein großer Baum drohte auf die Bahnlinie zu fallen und musste von der Feuerwehr gefällt werden.

Zu 55 Einsätzen musste die Feuerwehr in Gundelfingen ausrücken. „Meistens lagen Bäume auf Straßen“, sagte Kommandant Michael Hirsch. Im Ehlaweg wurde die Blechabdeckung eines Gärtnerstadels rund 100 Meter weit geschleudert. Er durchtrennte ein Elektrokabel. In Peterswörth stürzte ein Baum auf den Giebel eines Daches, der daraufhin teilweise nach außen gedrückt wurde. Teile des Giebels brachen außerdem weg, so Hirsch. Das Haus sei einsturzgefährdet.

Aktuelle Straßensperrungen liegen momentan nicht vor.

Ab circa 21.15 Uhr war das vom Deutschen Wetterdienst angekündigte Unwetter von Südwesten kommend über den westlichen Landkreis Augsburg weiter Richtung Landkreis Dillingen gezogen. Dort wurden nach derzeitigem Kenntnisstand die größten Schäden von den Orkanböen verursacht. Der westliche Landkreis Donauwörth wurde von den weiter nach Nordosten ziehenden Ausläufern ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Seit dem Morgen hat sich die angespannte Wetterlage beruhigt, auch wenn es vor allem vormittags stellenweise immer wieder Niederschläge und Gewitter gab. Nach wie vor wurden den ganzen Tag aus dem nordschwäbischen Raum Beschädigungen durch umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste gemeldet. In manchen Ortsbereichen ist der Strom ausgefallen.

Über die Höhe des Schadens können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden, doch dürfte er in die Hunderttausende gehen.

Bei uns im Internet:

Zahlreiche Fotos finden Sie unter

www.donau-zeitung.de/bilder

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