Mittwoch, 13. Dezember 2017

18. März 2015 10:06 Uhr

Kann intensivere Landwirtschaft auch nachhaltig sein?

Ein Experte gab dem Dillinger Maschinenring ein klares Ja. Mit einer kleinen Einschränkung

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Das vergangene Jahr bescherte dem Maschinen- und Betriebshilfsring Dillingen mit sieben Mio Euro einen neuen Umsatzrekord. Das Geld kann die Selbsthilfeorganisation auch gut gebrauchen, nachdem sie in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten immer wieder kräftig in das Betriebsgelände auf dem Nordfelderhof investiert hat. Die Schlagkraft des Rings zeigte sich erneut bei der Ernte 2014, bei der enorme Mengen an Mais und Zuckerrüben effizient abgefahren wurden, wie Vorsitzender Walter Stegmiller auf der Jahresversammlung in Dillingen betonte.

Auch die Grußredner hoben die Effizienz des Dillinger Rings hervor. Die Organisation stelle sich immer wieder neu den veränderten Herausforderungen und wachse daran, sagte Kreisobmann Klaus Beyrer.

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Lässt sich die Landwirtschaft weiter intensivieren und zugleich nachhaltig betreiben? Dieser Frage stellte sich Professor Alois Heißenhuber, bis 2013 Ordinarius des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaus an der Technischen Universität München, in seinem Fachvortrag. Seine Antwort fiel eindeutig aus: Ja, die Intensivierung und die Nachhaltigkeit gehen zusammen, wenn dabei einige Grundsätze beachtet werden. „Die nachhaltige Intensivierung ist eine Form der landwirtschaftlichen Produktion, mit der Ertragssteigerungen erreicht werden, ohne negative Effekte für die Umwelt zu verursachen und weitere Flächen für Kulturen in Anspruch zu nehmen“, erklärte der Agrarwissenschaftler.

Wo eine Ertragssteigerung möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, könne sie oft schon durch eine Verbesserung der Nährstoffdynamik im Boden und der Bodeneigenschaften selbst erreicht werden. Heißenhuber gab die Devise „Mehr mit Weniger“ aus und bezog sich damit insbesondere auf die bedarfsgerechte Düngung, ein intaktes Bodenleben und einen guten Bodenzustand. Erfüllen lassen sich diese Voraussetzungen einer nachhaltigen Intensivierung durch bodenschonende Ausbringtechniken, neue Technologien wie das Precision Farming oder die Güllebehandlung, durch eine sorgfältige Berechnung des Nährstoffbedarfs oder auch die vorübergehende Reduzierung des Tierbestands bei einem Gülleüberschuss.

Um den Nährstoffüberschuss in Veredelungsregionen abzuführen, empfahl Heißenhuber die Technik der Gülleseparation: Die Dünngülle verbleibt in den Veredelungsregionen, die Feststoffe werden in Ackerbauregionen transportiert. Der Weg zu ausgeglicheneren Nährstoffbilanzen führt also zum „Nährstoffexport“. Damit ist freilich noch nicht das Problem der Flächenkonkurrenz zwischen der Biomasseproduktion und der Nahrungsmittelerzeugung gelöst. Wenig nachhaltig sind hier Versuche, den Landverbrauch für die Energieproduktion durch die Rodung von Urwäldern zu kompensieren.

Stattdessen sollten laut Heißenhuber lieber der Verbrauch reduziert, Brachen genutzt und die Intensivierung erhöht werden. „Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird weiter wachsen, die Produktivitätssteigerungen bleiben damit wichtig“, schloss Heißenhuber.

Dabei komme es darauf an, die natürlichen Ressourcen zu schonen. Das Nebeneinander von Hunger und Überfluss werde sich jedoch so schnell nicht beseitigen lassen, denn der Hunger sei auch ein Armutsproblem.

Nach den Ausführungen Heißenhubers gab Ringvorsitzender Stegmiller zu bedenken, dass die Landwirte zwar alles tun, um ihre Böden fruchtbar zu halten, aber diese würden allein durch den wachsenden Flächenverbrauch immer weniger. (pm)

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