Donauwörth/Dillingen Die Wirtschaftskrise scheint an den Handwerksbetrieben in Nordschwaben fast problemlos vorüberzuziehen. Ableiten lässt sich dies aus der Jahresbilanz des Beratungszentrums Nordschwaben der Handwerkskammer (HWK) Schwaben. Die fällt nämlich äußerst erfreulich aus, wie der Leiter des Beratungszentrums, Leo Anzenhofer, zusammenfasst. Um insgesamt 23 Prozent sei die Zahl der Beratungen im vergangenen Jahr gestiegen. Egal ob die Erstellung eines Geschäftskonzepts, die Analyse von Schwachstellen im Unternehmen oder Hilfe bei der Finanzierung - Anzenhofer und seine Kollegin Sigrid Leonhard beraten in der Hauptstelle in Donauwörth oder bei den wöchentlichen Sprechstunden in Nördlingen und Dillingen neutral und kostenlos. Von Gloria Brems
Immer mehr Unternehmen nehmen diese Hilfe in Anspruch. "Besonders beachtlich ist die Zahl der Beratungen bei Existenzgründern", berichtet Anzenhofer. Die liege 2009 nämlich um gut 25 Prozent höher als im Vorjahr.
Dies sei ein eindeutiges Indiz dafür, dass es dem Handwerk in der Region gut geht, zumal es bei den "Problemfällen" keinen Anstieg gegeben habe. Anzenhofer: "Den hätten wir in Folge der Wirtschaftskrise eigentlich erwartet. Aber die Zahl blieb bei ungefähr zwei Prozent - genauso wie im Vorjahr."
39 bewilligte Förderungen
Gestiegen ist dagegen die Anzahl sowie der Betrag der Darlehenszusagen für den Bereich Handwerk. Waren es im Landkreis Donau-Ries im Jahr 2008 noch 39 (Landkreis Dillingen 22) bewilligte Darlehen, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 42 (31).
Das Volumen erhöhte sich von rund 4,2 Millionen Euro (Dillingen 2,3 Mio.) auf knapp 5,7 Millionen (3,6 Mio.). Von Krise also keine Spur? "Bisher sieht es nicht danach aus", sagt Anzenhofer, denn auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres lägen die Zahlen auf Kurs. Viel Arbeit wartet auf die HWK-Experten aber in einem anderen Bereich. Schon im vergangenen Jahr gab es einen deutlichen Anstieg bei den Beratungen im Hinblick auf die Unternehmensnachfolge. Hier hat sich die Zahl fast verdreifacht.
Demografisch bedingt
"Das ist demografisch bedingt", erklärt der Donauwörther, "in Nordschwaben gibt es von insgesamt 3600 Handwerksbetrieben derzeit rund 800, bei denen die Inhaber 55 Jahre und älter sind." Das bedeutet, dass ein Großteil von ihnen in den nächsten fünf bis sieben Jahren einen Nachfolger suchen wird. Ein Geschäftszweig also, der auch für das HWK-Beratungsteam immer wichtiger werden wird. Denn viele Fragen gilt es in diesem Zusammenhang zu klären.
Etwa ob der Betrieb innerhalb der Familie weitergegeben wird, wie dies dann erbrechtlich geklärt wird und auf welche Art am besten Geschwister ausbezahlt werden. Für Handwerksbetriebe ohne eigenen Nachfolger hat die HWK die Möglichkeit der kostenlosen Betriebsvermittlungsbörse installiert, die auch für Existenzgründer eine Möglichkeit bietet.
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