Landkreis Nur noch sechs, statt neun Monate: Künftige Wehrpflichtige und Zivildienstleistende können sich auf eine Verkürzung ihrer Dienstzeit freuen. Diese neue Regelung gilt für Zivis bereits ab 1. August und für Rekruten ab 1. Oktober. Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg stellte diese Woche seine Pläne vor (wir berichteten). Die Sozialverbände in der Region sind davon nicht begeistert.

BRK-Rettungsdienstleiter Harald Bachler ist ratlos, wie es ohne Zivildienstleistende weitergehen soll: "Das ist eine Frage, für die es momentan keine Lösung gibt." Der Rettungsdienst sei auf Zivis angewiesen. Doch bei einem halben Jahr lohne sich der Aufwand nicht mehr, die jungen Leuten auszubilden. Er hofft, dass er genügend Engagierte findet, die ihren Zivildienst in ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) umwandeln. Ein FSJ kann zwischen sechs und 18 Monaten dauern. Damit könne man das Minimum von neun Monaten bei der Dienstzeit erreichen, sagt Bachler.
Wolfgang Voit, Leiter für Personalwesen und Bildung an den Kreiskliniken Dillingen-Wertingen, ist mit der Neuregelung ebenfalls nicht einverstanden: "Das finde ich nicht in Ordnung." Aber diese Entwicklung sei abzusehen gewesen. Die Klinken hätten ihre Stellen für Zivis an den beiden Krankenhäusern bereits von 24 auf 18 gekürzt. Nach der Verkürzung werden wohl noch acht bis zehn Stellen übrig bleiben. Das Einsatzgebiet in der Pflege von Patienten würde wegfallen. Denn die Ausbildung dafür nehme bei sechs Monaten zu viel Zeit in Anspruch. Große Kopfschmerzen bereite ihm die Umstellung nicht. Die Krankenhäuser seien nicht auf Zivis angewiesen. "Sie füllen nur Lücken", sagt der Leiter.
Voit findet es schade, dass der soziale Aspekt für viele junge Leute wegfalle, die ihren Zivildienst absolvieren. Gerade die Teamfähigkeit werde den jungen Männern vermittelt und der Umgang mit bedürftigen Menschen sei gut für ihre Entwicklung. Voit meint: "Jeder junge Mensch sollte einen Dienst in einem sozialen Bereich ableisten."
Die Malteser in Dillingen sind von der Entwicklung nicht so stark betroffen. Dienststellenleiterin Helga Greck sagt, dass Zivis bei den Maltesern nur Fahrdienste, Schulbegleitung oder Essen auf Rädern übernehmen. Dafür dauere die Ausbildung lediglich eine Woche. Deshalb werden die Malteser auch weiterhin wohl Zivis beschäftigen. Greck würde auch die Umwandlung in ein Freiweilliges Soziales Jahr begrüßen. "Der ständige Wechsel wäre dann nicht so schlimm."
Bei Bundeswehr keine Probleme
Auch auf die Bundeswehr kommen Änderungen zu. Oberstleutnant Norbert Rahn, Sprecher der Streitkräfte in Berlin, sieht für die Umstellung keine Probleme. Künftig würden einfach 50 000 statt 40 000 Rekruten eingezogen, um den größeren Bedarf auszugleichen. Und der Grundwehrdienst werde auf zwei Monate verkürzt.
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