Dillingen Auch wenn sich Johann Kabrhel aus den aktiven Geschäften der Lebenshilfe im Landkreis Dillingen längst zurückgezogen hat, so schlägt das Herz des Ehrenvorsitzenden doch noch immer für das Werk, das so eng mit seinem Namen verknüpft ist. Auch das macht das Besondere der Lebenshilfe aus: Als Elternvereinigung sind ihre Mitglieder ein Leben lang mit ihr verbunden.
Wie die meisten Mitglieder ist Johann Kabrhel selbst von dem Schicksal betroffen, einen Sohn mit Behinderung zu haben. Thomas ist heute 50 und ein offen dem Leben zugewandter Mensch. Sein Vater hat die ersten schweren Jahre nahe der Resignation schnell überwunden, hat sich nicht in Selbstmitleid ertränkt, sondern ist aktiv geworden. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wollte er das Leben nicht nur des eigenen Kindes lebenswert gestalten. Rückblickend sagt Kabrhel, dass diese Zäsur sein Leben in eine neue Richtung gelenkt hat - neue Energien weckte.
1960 erste Kontakte mit betroffenen Eltern
Ende der 1960er Jahre knüpfte Johann Kabrhel erste Kontakte zu anderen betroffenen Eltern, ließ sich begeistern von der Idee der Lebenshilfe-Vereinigungen. Den "Chefposten" trug man dem damaligen Landrat Dr. Martin Schweiger an. Doch der hatte einen besseren Kandidaten im Auge: Kabrhel sollte die Geschicke des noch jungen Vereins lenken. "Damals dachte ich noch, ich werde es vielleicht drei oder vier Jahre machen", erzählte er beim Besuch in der DZ-Redaktion.
Die meiste Zeit ehrenamtlich tätig
Daraus sind fast 35 Jahre geworden, Jahre des Aufbaus und der kreativen Ideen, der ständigen Neuausrichtungen und der Neubauten, der Anpassungen an die Zeit und die jeweiligen Erfordernisse der ihm und seinen Mitarbeitern anvertrauten Menschen. Die meiste Zeit - 1972 bis 2006 - war Johann Kabrhel, der hauptberuflich als Leiter der Betriebsbuchhaltung bei Gartner in Gundelfingen tätig war, 1. Vorsitzender der Lebenshilfe, von 1991 bis 1998 zusätzlich hauptamtlicher Geschäftsführer der Nordschwäbischen Werkstätten bis zum Eintritt in den Ruhestand.
Seine Arbeit trug schnell Früchte. Aus bescheidenen Anfängen in einer kleinen Werkstätte in den Mittelfeldstuben und später am Paradiesweg wird ein großzügiger Neubau im Stadtteil Hausen, wo nach und nach Werkstätten, Wohnstätten und Außenwohngruppen hinzukommen.
"Mister Lebenshilfe", wie er anerkennend genannt wird, hat für seine Aufbauarbeit unter anderem das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2009) erhalten. Bei der Aushändigung hatte Ministerin Beate Merk u. a. über ihn gesagt: "Sie haben für ganz Nordschwaben Beachtliches geleistet. Rund 400 behinderten Menschen ermöglichen Sie damit ein selbstständiges und erfülltes Leben." Dank verdiene auch Kabrhels Engagement als Sprecher der Lebenshilfe Schwaben, als Vorstandsmitglied des Bayerischen Landesverbands und als Mitglied im Sozialausschuss des Bezirks Schwaben.
Rote Luftballons hatte es im März 2007 geregnet, als der Lotse bei der Lebenshilfe von Bord ging und die Geschicke in die jüngeren Hände von Helmut Holland legte. Als Geschäftsführer war ihm schon früher Johann Uhl nachgefolgt.
Landrat Leo Schrell sprach damals mit Blick auf Johann Kabrhel von einem Beispiel praktizierter Humanität. Und Alt-OB Hans-Jürgen Weigl erinnerte an die Lions-Hilfe, in der Johann Kabrhel ebenfalls sein großes und weites Herz beweise.
Bergsteigen, Radfahren, Wandern und Golf
Als Ehrenvorsitzender weiß sich der 75-Jährige, der jetzt verstärkt seine Hobbys Bergsteigen, Skifahren, Wandern, Radfahren und Golf genießt, auch weiterhin eng verbunden. Und das wird auch stets so bleiben.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: