Als absoluter Anfänger im Bogenschießen muss ich dieses Szenario bei meinen ersten Schüssen des Öfteren miterleben. Gerd Bechtel hingegen ist ein echter Profi und steht mir bei meinen ersten Versuchen in dieser Sportart als Lehrer zur Seite. Schon als Fünfjähriger streifte er mit selbst geschnitzten Pfeilen durch den Wald. Vor sechs Jahren stieg er dann in den Bogensport ein. Heute ist er zweifacher bayerischer Meister. Gemeinsam mit seiner Frau Evi leitet er seit drei Jahren den "Bow Targets"-Parcours und den dazugehörigen Laden in Ellerbach. Als Bogensportleiter ist er auch dazu berechtigt, international Parcours aufzubauen und Meisterschaften abzunehmen.
Als Erstes erklärt mir Gerd Bechtel, was man beim Bogenschießen beachten muss: "Vor allem ein gutes Körpergefühl und Konzentration sind wichtig." Man müsse sich genau auf einen Punkt fokussieren. Denn schließlich gibt es zum Zielen keine Hilfsmittel. Er macht mir vor, wie das bei einem richtigen Profi aussieht.
Danach darf auch ich die Geräte in die Hand nehmen. Um mich nicht zu verletzten, trage ich einen Fingerhandschuh und einen ledernen Armschutz. Mit den drei mittleren Fingern der linken Hand zieht man die Bogensehne bis zum Mundwinkel. Dann lässt man die Sehne los und schon zischt der Pfeil wie ein Blitz durch die Luft.
Nach ein paar Versuchen spüre ich schon ein Spannen im Oberarm. Mir wird bewusst, dass zum Bogenschießen auch ein wenig Kraft erforderlich ist. Auf dem Übungsplatz fällt es mir noch ziemlich leicht, die große Styroporwand zu treffen. Schließlich stehe ich auch nur knappe fünf Meter davon entfernt. Dann aber geht's auf den Parcours im Wald. Hier verbergen sich zwischen Bäumen und Sträuchern kleine Tiere aus Plastik. Ob Biber, Grizzly oder Fuchs - sie alle machen mir auf den Stationen durch den Wald das Leben schwer.
Denn auch wenn ich die vorgeschriebenen 60 Meter Distanz nicht einmal annähernd einhalte, verfehlt doch ein Pfeil nach dem anderen sein Ziel. Gerd Bechtel findet zwar lobende Worte für meine Körperhaltung, kritisiert jedoch meine fehlende Konzentration. Der unebene Boden und herumschwirrende Mücken tragen ihr Übriges dazu bei, dass ich statt den Figuren Baumstämme, Steine und den Erdboden attackiere.
Mitten hinein in den Bauch
Am Ende des Parcours mache ich auf ein Stinktier aus Plastik Jagd. Dieses erweist sich als Retter meiner Anfängerehre. Denn an dieser Station findet einer der Pfeile tatsächlich den Weg mitten hinein in den Bauch des unechten Tieres. Gerd Bechtel, erklärt mir, dass ich das Stinktier "wund" getroffen hätte. Bei einer realen Jagd wäre es zwar nicht getötet, aber verletzt worden. Wäre ich Teilnehmerin an einem Turnier, hätte ich für diese Leistung immerhin 16 von 20 möglichen Punkten erhalten.