Mittwoch, 28. September 2016

12. Februar 2016 19:05 Uhr

Wertingen

Mittelwelle im Zusamtal

Zum „Welttag des Radios“ am Samstag geht das Wertinger Radiomuseum auf Sendung. Frequenz 801 Kilohertz Von Günter Stauch

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 Fortgeschrittene Jahrgänge erinnern sich bestimmt an die regimekritischen Radio-Eriwan-Witze aus einer Zeit, in der noch sozialistische Diktaturen in Europa herrschten, etwa in der DDR. Dabei wurden konstruierte Höreranfragen an einen fiktiven Sender gestellt, etwa: „Stimmt es, dass der Kapitalismus am Abgrund steht?“ Antwort Radio Eriwan: „Im Prinzip ja, aber wir sind bereits einen Schritt weiter.“ Oder: „Hätte die Katastrophe von Tschernobyl vermieden werden können?“ Antwort: „Im Prinzip ja, wenn nur die Schweden nicht alles ausgeplaudert hätten.“

„Kann das Radiomuseum einen eigenen Rundfunksender installieren?“ Antwort: „Im Prinzip ja, aber vorher gibt es ein paar Formulare auszufüllen.“ Nach wie vor ist alles, was mit Frequenzen und Rundfunk zu tun hat, eine staatshoheitliche Aufgabe. Und noch vor einigen Jahren wäre es völlig undenkbar gewesen, dass Privatpersonen oder Vereine eine Frequenz für einen eigenen Radiosender erhalten. Weil sich aber viele große Programmanbieter 2015 aus Mittel- und Kurzwellenrundfunk zurückzogen, wurden plötzlich Übertragungskapazitäten frei. Das wusste Bernd Schmid ganz genau. Aber es reichte nicht, dass der Funkspezialist und gefragte Referent des Radiomuseums einen kleinen funktionierenden Sender baute. Als Nächstes musste eine Sendelizenz her und die „Rundfunkrechtliche Genehmigung“ von der bayerischen Landeszentrale für neue Medien in München.

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Denn auch acht Jahrzehnte nach dem ersten Programmbetrieb in Deutschland erweist sich der früher als Tonrundfunk bezeichnete Übertragungsweg als sehr beständig. Selbst im digitalen Zeitalter: Durchschnittlich lauschen in diesem Land täglich mehr als 54 Millionen Menschen ab 14 Jahren dem Radio. Auch wenn das schier unschlagbare Internet die Rundfunknutzung stark erweitern konnte, empfängt der überwiegende Teil der Hörer die Programme nach wie vor auf konventionelle Weise – sprich: über ein stationäres Empfangsgerät oder etwa bei der Fahrt zur Arbeit.

Wenn sich nun ein schwäbischer Radioexperte wie Bernd Schmid aufmacht, mit einem Ein-Watt-Sender zumindest innerhalb des ehemaligen Schulgebäudes an der Fère-Straße 2 in Wertingen auszustrahlen, vollzieht er das ganz im Sinne der Vereinten Nationen in New York. Denn deren Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur – kurz: UNESCO – will seit 2012 immer am 13. Februar mit dem „Welttag des Radios“ auf die Bedeutung dieser Geräte aufmerksam machen.

Das Wertinger Radiomuseum, Anfang des Jahrzehnts gegründet, gilt inzwischen nicht nur im Zusamtal als Marke. Das Betreuungsteam um den quirligen Organisator Otto Killensberger scheint sich offenbar als Wächter der hehren Grundsätze der Weltorganisation zu sehen. Das zeigt sich schon an den über 700 Rundfunkempfängern, die in dem Haus gegenüber der Grundschule wie ein Schatz gehütet werden. Jeder Quadratzentimeter Präsentationsfläche deutet darauf hin, dass hier viel Herzblut vergossen wurde und noch immer wird.

„Welttag des Radios“ am heutigen Samstag. Ausstrahlung des Ortssenders Wertingen (Mittelwelle, Frequenz 801 Kilohertz) ab 14 Uhr. Das Radiomuseum befindet sich in der Fère-Straße 2 (im Dreieck Grundschule, Bethlehemkirche, Realschule). Geöffnet von 13 bis 16 Uhr.

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Wertingen | DDR | UN | München | Deutschland | New York | Unesco

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