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06. Oktober 2010 19:05 Uhr

Plädoyer für friedliches Zusammenleben und Toleranz

Landkreis Ist der Islam ein Teil unserer Kultur oder nicht? Eine Kontroverse um diese Frage hat Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit angestoßen. Vertreter der CSU betonen, dass die geistigen Fundamente des Landes ausschließlich in den christlich-abendländischen Wertvorstellungen mit ihren jüdischen Wurzeln zu finden seien. Nun melden sich Geistliche und Muslime aus der Region zur Rolle des Islam in Deutschland zu Wort.

Dekan Paul Sinz sagt: "Der Islam ist Teil unserer Lebenswirklichkeit. Aber er ist kultur- und religionsgeschichtlich kein prägendes Faktum unserer Normen und Werte." Trotz vieler Gemeinsamkeiten wie Almosenspende und Barmherzigkeit sei vieles, angefangen vom Menschen- bis hin zum Gottesbild, nur bedingt kompatibel. Dennoch sei ein friedliches und kooperatives Zusammenleben erstrebenswert: "Jeder Christ kann sowohl offen zu seinem Glauben stehen und gut mit seinem islamischen Nachbarn auskommen", so Sinz. Schließlich habe jeder Mensch das Recht auf Religionsfreiheit.

Jedoch müsse der Zusammenhang zur politischen und gesellschaftlichen Ordnung im Blick behalten werden: "Die Gesetze unseres Landes sind an christlichen Werten orientiert und dürften nicht infrage gestellt werden", betont der Dekan.

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Mustafa Bisgin aus Dillingen glaubt, dass der Bundespräsident missverstanden wurde. Wulff habe wohl hauptsächlich auf ein gutes Miteinander anspielen, nicht aber den Islam als Teil des Fundaments deutscher Werte darstellen wollen. Er sagt: "Selbstverständlich respektieren wir Muslime die deutsche Leitkultur und auch die christlichen Werte darin." Obwohl die islamischen Mitbürger einen wesentlichen Teil der Gesellschaft ausmachen, stehe es nicht zur Debatte, dass daran etwas geändert werde. Bisgin ist einfach nur froh, dass Deutschland ein tolerantes Land sei, das freie Religionsausübung gestatte. Als Gegenzug für diese Akzeptanz müssten Zuwanderer aber auch bereit sein, sich zu integrieren und mit den herrschenden Werten auseinanderzusetzen.

Mehr Verständnis erzeugen

Für Stadtpfarrer Lothar Hartmann aus Lauingen ist es wichtig, zwischen dem Islam als Teil der Kultur und Teil der Gesellschaft zu differenzieren: "Das Fundament unserer Kultur liegt im christlichen Wertekanon." Aus der alltäglichen Realität hingegen sei der Islam nicht mehr wegzudenken. Jedoch sei es ein Problem, dass es Integrationsdefizite gebe und dass Nebengesellschaften bestünden. Um Abhilfe zu schaffen, müsse man aufeinander zugehen, mehr Verständnis erzeugen und gegenseitige Akzeptanz für die jeweiligen Werte entwickeln: "Die Kirche ist bereit ihren Teil zu leisten, Zuwanderer aller Kulturen hier zu beheimaten", so Hartmann.

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