Vor einem Jahr wurden die Grabungen zwischen Oberglauheim und Weilheim schon beendet. Doch die Begeisterung hat beim Archäologen Dr. Roland Gläser nicht nachgelassen. "Es waren sensationelle Funde, die wir gemacht haben", so der Experte bei einem Vortrag im Rittersaal.

Höchstädt (mia) - Vor einem Jahr wurden die Grabungen zwischen Oberglauheim und Weilheim schon beendet. Doch die Begeisterung hat beim Archäologen Dr. Roland Gläser noch nicht nachgelassen. "Es waren sensationelle Funde, die wir dort gemacht haben", so der Experte beim Vortrag im Rittersaal, zu dem der Historische Verein Höch-städts geladen hatte.
Zehn Fundstellen wurden auf der Strecke von etwas über acht Kilometern entdeckt. Die Trasse war vorgegeben durch den Bau der neuen zweiten Wasserleitung von Steinheim zur Pumpstation Sallmannsberg im Blindheimer Ortsteil Berghausen. Obwohl Zeitdruck bestand, zeigte sich die Rieswasserversorgung sehr kooperativ. "Josef Hiltner hat immer wieder auf unsere Bedürfnisse Rücksicht genommen", meint der Archäologe.
Bei der Weilheimer Kapelle ein "Supergau"
Gläser teilt die Ausgrabungsorte in drei Bereiche ein, die Pulverbachniederung, die bei Deisenhofen beginnt, dann die Hochfläche und schließlich die Nebelbachniederung bis nach Weilheim und Oberglauheim. Unweit der Kapelle bei Weilheim habe man fast so etwas "wie einen Supergau" erlebt, formuliert es der Archäologe während des gut besuchten Vortrags im Höchstädter Schloss. Hunderte von Plastiklöffeln seien gesteckt worden, jeder einzelne Zeichen für einen Befund. Sensationell sei ein Grabfund gewesen mit dem hockenden Skelett einer Frau. Um ihren Hals sei ein Säckchen mit Knochenknöpfen gefunden worden. Gläser datiert den Fund auf die Glockenbecherzeit rund 2300 vor Christus.
In dem Ausgrabungsgebiet fanden sich zwei weitere Skelette, wahrscheinlich von Soldaten der Schlacht von 1704. "Auf ein Massengrab, wie befürchtet, sind wir nicht gestoßen", so Gläser.
Ein vermutlich römischer Getreideofen gehört zu den Funden, die beim Archäologen nach wie vor große Freude auslösen, weil er so gut erhalten war und die Bauweise sich nachkonstruieren lässt.
Viel weiter zurück gehen unzählige Scherben und Steingeräte, die ebenfalls bei Weilheim ausgegraben wurden. Die Menge ließe den Schluss zu, dass sich bei Weilheim eine Zentralsiedlung befunden habe, von der aus andere mit Werkzeugen beliefert wurden. Die Entstehung reicht in die Epoche der Bandkeramik, datiert zwischen 5400 und 4950 vor Christus. Ganze Gefäße allerdings wurden nicht entdeckt, da musste Gläser die Besucher des Vortrags leider enttäuschen. Ein Großteil der Scherben sei vielmehr Abfallmaterial gewesen, das in Gruben seitlich der Häuser gefüllt wurde. An derselben Stelle hätte man Teile gefunden, zwischen deren Herstellung mehrere hundert Jahre liegen. Der Archäologe schließt das aus der Art der Verzierung. Am ältesten seien die Scherben mit einfachen Linien, später hätten die Menschen sie mit Einstichen verziert.
Den Stand der Pfostenbauten kann man heute durch schwarze Verfärbungen im Boden feststellen. Auch da hatte Gläser interessante Informationen. Zunächst wurde als Bauholz Eiche verwendet, später Haselnuss. "Gab es keine Bäume mehr zum Bauen, dann zogen die Menschen weiter." Die Haltbarkeit der Pfostenbauten wird auf jeweils 20 bis 40 Jahre geschätzt.
Keramikscherben werden in München restauriert
Viele Mitglieder des Historischen Vereins machten bei den Ausgrabungen mit. Die 1. Vorsitzende, Michaela Thomas, meinte, "es war fast zu einer Sucht geworden". Ob und wann die Funde in Höchstädt zu sehen sein werden, ist noch unklar. Auch der Historische Verein mache sich bereits Gedanken über mögliche Ausstellungen. Derzeit befinden sich die Stücke in München beim Landesamt für Denkmalpflege zur Restaurierung.
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