Lauingen Die diskrete Erzeugung von Leichen ist amüsant, solange sie auf eine Bühne beschränkt bleibt. Dass Serienlustmord die Vorlage zu einem Lustspiel sein kann, beweist zurzeit das Schulspiel-Ensemble des Albertus-Gymnasiums. Regisseurin Anne Mayr verlängert mit einer ideenreichen Inszenierung der Kriminalkomödie "Leichen im Keller" die erfolgreiche Theatertradition der Schule.



Das Stück basiert auf Joseph Kesselrings "Arsen und Spitzenhäubchen", das 1941 in der Filmversion mit Gary Grant zu einem Welterfolg wurde. Originelle Ideen und engagierte Darsteller führen im Albertus-Theaterkeller zu einer glanzvollen eigenen Fassung. Der schwarze Humor wird gesteigert durch grandioses Schwarzes Theater (Einstudierung Gabi Hieber), die Musikgruppe (Leitung Helmut Mayr) verwandelt das Stück mit Melodien von Frederic Chopin, Lotar Olias, Carl Zeller und Eduard Künneckes in ein schwungvolles Musical, die Mordgesellen und braven Bürger bereichern den Handlungsablauf mit Gesangseinlagen auf der Grundlage eigener Texte und ein starkes Schülerteam lässt als "Volk von Brooklyn" vermuten, dass die Menschen dieses New Yorker Stadtbezirks trotz hoher Morddichte eine gute Überlebenschance haben.
Hoch motivierte Hauptdarsteller
Den besonderen Beifall des Publikums im voll besetzten Saal ernteten auch bei der dritten Aufführung, von der hier die Rede ist, die hoch motivierten Hauptdarsteller. Thomas Deisler und Dominik Remiger verwandeln sich in die schrulligen alten Damen Abby und Martha Brewster, die ihren Tag mit Stricken, Plaudern und Morden verbringen. Hervorragend gelingt die Psychologisierung dieser genetisch belasteten Typen, die in der Beseitigung von Zufallsbesuchern einen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten wollen. Lachsalven löst bei jedem Auftritt Mike Almeida Lisboa in der Rolle des Teddy aus. Dieser groteske Spross des Hauses Brewster hält sich für den Präsidenten der USA und baut im Keller den Panama-Kanal. Mit dem Schlachtruf "Attacke!" macht er deutlich, dass das bürgerliche Wohnzimmer ganz nah am Irrenhaus liegen kann.
Einen gefährlicheren Kerl zeichnet Stefan Grüner mit dem Gangster Jonathan Brewster. Dieser Berufskiller, arg mitgenommen durch eine missglückte Gesichtsoperation seines mitreisenden Schönheitschirurgen, verfolgt düster und ernst die Absicht, bei Reisen rund um den Globus eine höhere Zahl von Leichen zu produzieren als die alten Damen. Mathias Heim verleiht dem Chirurgen Dr. Einstein mit einer sprachlich-schauspielerischen Meisterleistung den Charme des sächsischen Dialekts. Jeder Dialogteil, an dem er beteiligt ist, wird dadurch zu einem komödiantischen Element.
Wo Verbrecher agieren, benötigt ein Lustspiel auch die Gegenwelt der Anständigen. Diese Welt repräsentiert vor allem Daniel Seufert als Mortimer. Der Theaterkritiker erlebt trotz eigener Korrektheit im heimischen Biotop die schauerlichsten Dramen und sieht deshalb bis zur Problemlösung seine Liebe zu Elaine gefährdet. Lena Felber gibt diesem Mädchen die Züge schönster Liebenswürdigkeit. Nett wird vervollständigt durch viele weitere kuriose Gestalten wie den Pastor Harper (Alexander Böck), die Kommissarin Roony (Natalie Camek), den Stücke schreibenden Polizisten O'Hara (Patrick Niemann), seine Kolleginnen Klein und Brophy (Cornelia Käsbohrer und Elisabeth Sturm), den Invaliden Gibbs (Mike Aleida Lisboa), den Chef des Nervenkrankenhauses Mr. Witherspoon (Alexander Böck) und die Leichen (Niklas Wörle). Am Ende wächst zusammen, was zusammengehört. Die Gangster kommen ins Gefängnis, die Lustmörderinnen ins Irrenhaus.
Schier nicht enden wollender Applaus
Die Zuschauer, zu Beginn von stellvertretendem Schulleiter Bernhard Pabst und Anne Mayr begrüßt, spendeten am Schluss schier endlosen Beifall. Und Dank und Blumen regneten über die Regisseurin und ihre vielen Helfer.
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