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06. März 2009 19:00 Uhr

"Selbst wenn ich der Letzte wäre …"

Gundelfingen Philip Heger (25) ist seit fünf Jahren Mitglied des Kapuzinerordens. DZ-Mitarbeiter René Brugger sprach mit dem aus Gundelfingen stammenden Ordensmann im Rahmen unserer Serie "Dienst am Menschen" über seine Berufung und sein Leben als Kapuziner. Von René Brugger

Was hat Sie zu den Kapuzinern geführt?

Bruder Philip: Während meines Studiums der Religionspädagogik in Eichstätt habe ich bei den Kapuzinern gewohnt. Anfangs hat mich der Orden nicht so sehr angesprochen. Meine Beschäftigung mit Franziskus und die Erlebnisse auf einer Wallfahrt nach Santiago ließen in mir aber den Wunsch reifen, in den Orden einzutreten. Die Ideale der Armut und Einfachheit und die Radikalität, beide zu leben, haben mich begeistert.

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Wie haben Ihre Familie und Freunde auf diese Entscheidung reagiert?

Br. Philip: Positiv! Der Abschied von der Familie war zwar schon hart. Da mich meine Familie aber in meiner Entscheidung unterstützt hat und dafür Wohlwollen entgegen gebracht hat, fiel der Auszug in meine neue "Familiengemeinschaft" des Ordens leichter. Außerdem haben zwei meiner Gundelfinger Freunde auch ihre geistliche Berufung erkannt, worüber ich mich sehr freue.

Welche Aufgaben haben Sie im Orden?

Br. Philip: Momentan studiere ich noch Theologie an unserer Ordenshochschule in Münster. Daneben bin ich in der Nachwuchsarbeit des Ordens engagiert. Zweimal in der Woche besuche ich Menschen im Gefängnis und führe Gespräche mit ihnen, bin für sie da. Und natürlich gibt es noch Verschiedenes im und ums Kloster zu tun, beispielsweise Messdienerarbeit.

Viele ältere, wenige jüngere Brüder unter einem Dach: Gibt es da keine Differenzen?

Br. Philip: In der Ordensgemeinschaft ist es wie in einer Familie. Unterschiedliche Ansichten und Meinungen, beispielsweise in Fragen des geistlichen Lebens, gehören dazu. Letztendlich geht es uns allen aber darum, authentisch Zeugnis für das Evangelium zu geben, zu spüren: Das Feuer des Glaubens brennt in uns. Momentan sind vier Ordenshäuser in Bayern mit jungen Brüdern besetzt. Die Eintrittszahlen der vergangenen fünf Jahre machen Mut. Doch selbst wenn ich der Letzte wäre, würde das an meiner Berufung und an der Begeisterung in der Nachfolge Jesu nichts ändern.

Was bedeutet "Armut" für Sie?

Br. Philip: Die "Evangelischen Räte" "Armut", "Ehelosigkeit" und "Gehorsam" haben alle den Sinn, das Kreisen um sich selber aufzubrechen. Der Mensch soll sich nicht an Status und Luxus festmachen, sondern auf Jesus Christus hin frei werden. Radikal gelebte Armut ist ein Ausdruck unseres Ordensideals. Bis auf die Kleidung teilen wir alles miteinander.

Kann man denn in der heutigen Zeit ohne Laptop und Mobiltelefon leben?

Br. Philip: Nein, da stößt das Armutsideal an seine Grenzen. Wir leben im Hier und Heute, sind Menschen des 21. Jahrhunderts - und oft unterwegs. Darum gehen wir auch mit der Zeit und nützen die Technik. Man kann nicht mehr wie im 12. Jahrhundert leben. Wir sehen aber in Handy und Laptop nicht mehr, als was die Dinge eigentlich sind, nämlich Gebrauchsgegenstände.

Wie könnte die Botschaft des Franziskus an uns Menschen von heute lauten?

Br. Philip: Franziskus hat Solidarität mit den Armen, Freude und Kontemplation gelebt. Viele Menschen von heute haben ein zum Teil verdecktes Bedürfnis nach Stille. Im Dienst an unseren Mitmenschen, den Armen und Gefangenen, im Leben in Gemeinschaft und in der Stille können wir Gott begegnen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Br. Philip: Ich mache gerne Musik, spiele Schach, treffe mich mit Freunden. Außerdem treibe ich Sport und gehe auch gerne mal ins Kino.

Wie geht es in nächster Zeit bei Ihnen weiter?

Br. Philip: Im August gehe ich im Rahmen meines Studiums für ein Jahr nach Washington. Nach dem Studienabschluss werde ich - so Gott, meine Brüder und ich wollen - meine Ewige Profess ablegen und die Priesterweihe empfangen.

Weitere Informationen über den Kapuzinerorden im Netz unter www.kapuziner.org und www.kapuziner-jugend.de

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