Kritische Ärzte zu den Strahlungsspitzen in Gundremmingen
Gundremmingen Anlässlich der zahlreichen Reaktionen auf die Veröffentlichung amtlicher Daten über radioaktive Emissionsspitzen aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen zu Beginn der diesjährigen Revision erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Reinhold Thiel: „Emissionen unterhalb eines amtlichen Grenzwertes bedeuten nicht automatisch, dass für Menschen kein Gesundheitsrisiko bestünde.“
Behörden und Betreiber verweisen laut Thiel gerne auf die Einhaltung der Grenzwerte. Es werde dabei der Eindruck vermittelt, dass diese Einhaltung – vermeintlich wissenschaftlich abgesichert – vor jeder Krankheitsgefahr schützen würde.
Zum Beispiel setzte die EU-Kommission nach dem Supergau von Fukushima die Grenzwerte für Nahrungsmittelimporte aus Japan deutlich nach oben. Thiel: „Diese Entscheidung war pragmatisch und nützlich für die Wirtschaft, aber nicht im Sinne unserer Gesundheit. Später korrigierte die EU diese Entscheidung dann wieder, u. a. weil die damit festgelegten Kontaminations-Grenzwerte sogar weniger streng als in Japan selbst waren.“
Auch in der Ukraine und in Weißrussland gelte mit 100 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm ein wesentlich schärferer Grenzwert für Milchprodukte als in der EU mit grundsätzlich 370 Becquerel sowie mit 200 Becquerel für Japan-Importe in die EU. Thiel weiter: „Mit welchen wissenschaftlichen Grundlagen werden derartige Grenzwertunterschiede begründet? Generell gilt, dass es keine Grenze gibt, unterhalb der Radioaktivität keinen Schaden setzen könnte. Das ist seit Jahrzehnten allgemeine wissenschaftliche Lehrmeinung.“
Während einer Schwangerschaft würden zum Schutz des Embryos Röntgenuntersuchung vermieden. Schwangere bzw. ihre ungeborenen Kinder würden aber beim Strahlenschutz um Atomkraftwerke wie erwachsene Menschen behandelt. Ein Embryo reagiere auf jede Strahlungsspitze unmittelbar und „merke“ sich jede einzelne Strahlungsexposition. Das „Strahlenkonto“ eines Embryos errechne keine Mittelwerte. Nachdem das Gewebe eines Embryos einer Belastung ausgesetzt war, drohe, dass durch jede weitere „Irritation“ des Kinder-Gewebes Krebs und Leukämie ausgelöst werde. (pm)
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