Possierliches Spielzeug, Rheumadecken, Fellbesatz an und in Schuhen - die Liste ließe sich noch um einige Produkte erweitern. Die Rede ist von der Verarbeitung von Resten aus Hunde- und Katzenfellen, die für die Herstellung dieser Waren verwendet werden. In EU-Länder importiert werden diese Felle zu Millionen aus Fernost.

Keiner weiß, unter welch unglaublichen Umständen die Tiere dort nur für diesen Zweck gezüchtet werden. Hunde beispielsweise werden - um das Fell schön dicht zu bekommen - bei minus 20 Grad im Freien gehalten. In Geschäften der Region ist diese Problematik, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab, noch weitgehend unbekannt.
Ein Film, den Tierschützer einigen EU-Parlamentariern über die Schlachtmethoden gezeigt hatten, brachte diese dazu, sich zu übergeben. Die Produkte, die mit diesen Fellen ausgestattet werden, sind mit irreführenden Bezeichnungen etikettiert. Der Verbraucher weiß nicht, was sich hinter Bezeichnungen wie zum Beispiel asiatischer Waschbär, China-Wolf, Lammfell aus Thailand, Pommernwolf, Wild cat oder Zypernkatze versteckt. Das Europäische Parlament hat nun eine Empfehlung ausgesprochen, welche die irreführende Etikettierung und den Import solcher Hunde- und Katzenfelle verbietet.
Jürgen Holzner ist Mitinhaber und Einkäufer von "Markenschuh Herrmann" in Dillingen. Für die insgesamt sieben Läden ist er auch für die Bestückung des Geschäfts in Dillingen zuständig. "Das Thema ist mir absolut neu, ich weiß nur eins, dass unsere Felle am oder im Schuh aus Hasen- oder Lammfellen bestehen. Das sind Abfallprodukte aus Schlachtungen." Für die kommende Saison sei ohnehin kein Fell angesagt, ist sich der Profi sicher.
"Wir beziehen unsere Produkte überwiegend auf Messen und von unseren Großhändlern, haben noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Abgesehen davon sind unsere Produkte ausschließlich mit Fellimitaten ausgestattet", sagt Christine Gerblinger von Schreibwaren Gerblinger in Wertingen. Sie gibt mit der Aussage, von den grausamen Tierhaltungen zum Zwecke des reinen Exports für die Verarbeitung für Konsumgüter noch nie etwas gehört zu haben, den Tierschutzverbänden recht. Nach deren Recherchen wüssten die meisten Geschäftsinhaber und Versandhäuser nicht, dass ihre Produkte, die sie in den Regalen haben, aus diesen Hunde- bzw. Katzenfellen gearbeitet sind. Gerblinger ist dafür, dass auch bei solchen Produkten eine Kennzeichnungspflicht eingeführt werden sollte, um die Verbraucher zu informieren, diese Waren nicht zu kaufen. Mit einem generellen Importverbot für die gesamte EU wäre sie einverstanden.
EU-Kommissar Kyprianou regte im November 2006 einen Verordnungsvorschlag an, der Import, Export, Herstellung und Verkauf von Hunde- und Katzenfellen für die EU verbieten soll. Dieser Verordnungsentwurf wurde jetzt vom Europäischen Parlament beraten und anschließend vom Ministerrat im Hinblick auf eine Verabschiedung geprüft. Als Datum für das Importverbot wurde der 1. Januar 2008 aufgeführt. Tierschutzverbände fordern indes weit striktere Maßnahmen, als es die EU bislang vorgeschlagen hat.
Im Internet Nähere Informationen im Netz unter www.tierschutzbund.de (Wildtiere).
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