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21. Mai 2009 19:00 Uhr

Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen in Afghanistan

Dillingen (pm) - Die Kinderhilfe Afghanistan ist die einzige in Afghanistan tätige Hilfsorganisation die vollständig ohne Ausländer auskommt: Sie hat ausschließlich Afghanen (circa 2000) in ihren Diensten. Das Hauptengagement liegt in der Schul- und Berufsausbildung. Dr. Reinhard Erös, der mit seiner Frau Annette und seinen fünf Kindern die private Kinderhilfe Afghanistan betreibt, sprach über seine Arbeit auf Einladung des ASP im Dillinger Stadtsaal vor rund 160 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen in Afghanistan
Foto: ALFA

Lehrjahre bei Mutter Teresa in Kalkutta

Nach der Begrüßung durch ASP-Kreisvorsitzenden Dr. Gerhard Böck und CSU-Ortsvorsitzendem Wolfgang Gorhau, ging Erös auf seine Lehrjahre u. a. bei Mutter Theresa in Kalkutta ein. Sie habe ihn entscheidend geprägt. In einem historischen Rückblick auf die Zeit seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Jahr 1979 zeigte Erös Parallelen zwischen den sowjetischen Streitkräften und den heute in Afghanistan stationierten ausländischen Truppen auf und erklärte, dass es nichts bringe, wenn ausländische Truppen dort Frieden oder Bildung erzwingen wollten. Man könne dort nur mit den Menschen etwas erreichen und nicht gegen sie.

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In seiner geopolitischen Analyse beleuchtete der Redner die Rolle Saudi-Arabiens, Irans, Pakistans und Indiens und ihren Einfluss auf Afghanistan. Diese vier Länder seien die Hauptakteure. Die Koranschulen würden beispielsweise durch Saudi-Arabien finanziert. Nach dem Abschluss einer Koranschule sei man ein Taliban.

Afghanistan hatte 1977 circa 15 Millionen Einwohner, heute habe es circa 30 Millionen. Exakte Zahlen gebe es aber nicht. Es gebe mehr als 20 verschiedene Volksgruppen und Sprachen. Jede Familie habe durchschnittlich 6,7 Kinder. Durch die hohe Kindersterblichkeit liege die Lebenserwartung bei nur 35 Jahren. Das Jahreseinkommen einer Familie liege bei 300 Euro. Der klassische afghanische Islam sei gastlich, tolerant, sei kein theologischer, politischer Islam und war nie expansiv oder missionarisch.

Seit dem Einmarsch der Friedenstruppen in Afghanistan wurden dort 30 000 zivile Afghanen getötet. Seit dem Jahr 2005 befinden sich die radikal-islamischen Taliban wieder im Aufwind. Es gibt fast 1400 tote Polizisten im Jahr. Die Zustimmung in der Bevölkerung Afghanistans bezüglich der ausländischen Soldaten und Entwicklungshelfer ist in den letzten Jahren deutlich schlechter geworden.

Der Redner kam zu folgendem Fazit: Der Krieg in Afghanistan ist militärisch nicht zu gewinnen. Im Land müssten die zivilen Strukturen aufgebaut werden. Die wesentlichen Probleme liegen bei der qualitativ und quantitativ schlechten Ausbildung der Kinder. Mit dem Geld, welches die USA in die militärische Friedensmission investiert, könnten sämtliche Koranschulen in normale staatliche Schulen umgewandelt werden. Bildung sei die beste Medizin gegen Armut.

Ein weiteres Problem sei die schlechte Bezahlung von Polizei, Militär, Lehrern und Ärzten. Selbst das Führungspersonal bekomme nur 150 Euro monatlich. Afghanen würden deshalb lieber Bauern und bauten Schlafmohn an.

Nach fast drei Stunden Aufmerksamkeit durch ein fasziniertes Auditorium und einer kurzen Diskussionsrunde konnte ASP-Kreisvorsitzender, Dr. Gerhard Böck Erös einen Scheck über 1000 Euro aus Eintrittsgeldern und Spenden übergeben.

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