Gundelfingen Frauchen fiebert, während Herrchen kurz vor dem großen Auftritt noch ein letztes Mal das lange schwarz-braune Fell von Schäferhund Clipper von Kirschental bürstet. Schließlich entscheidet eine gute Wertung über Zucht- und Schauqualitäten des Hundes. Dann geht es an der Leine in die abgesteckte Ringbahn. Bereits zum sechsten Mal richtet der Schäferhundeverein, Ortsgruppe Gundelfingen, die Zucht- und Nachwuchsschau aus. 69 Hunde sind gemeldet. Sie werden in acht Klassen eingeteilt, die jüngsten neun Monate alt, die älteren bis zwei Jahre.

Wertungsrichter Hans-Peter Rieker ist eine Größe in der Szene. Er hat hochrangige Unterstützung. Aus Mexico City ist eigens für die Schau in Gundelfingen einer der Vorstände der Weltunion der Schäferhundevereine (WUSV) angereist, Dr. Francisco Navarro-Reynoso. "Ein männlicher Schäferhund sollte nicht größer als 65 Zentimeter sein und nicht niedriger als 60", erklärt Stefan Schirm, 1. Vorsitzender des Gundelfinger Vereins. Deshalb misst Rieker zunächst die Höhe bis zum sogenannten Widerrist, unterhalb des Genicks. Zähne, Ohren und Hoden der Hunde werden begutachtet, die Nase muss schwarz sein, die Augen möglichst dunkel, das Fell dicht und von guter Pigmentierung. Neben der Anatomie der Tiere wird hier in der "Gangwerksprobe" beobachtet. Dafür gehen und traben sie an der Leine neben den Hundeführern durch das abgesteckte Karree.
Xaver Will (82) aus Ehingen züchtet seit 1951 Schäferhunde, 1965 wurde einer seiner Rüden, nachdem er ihn in die USA verkaufte, Weltsieger. In Gundelfingen ist Will mit dem Nachwuchsrüden Kasper vom Bad Wäldle am Start. Obwohl noch sehr rüstig, überlässt der 82-Jährige das Laufen Markus Bauer von seinem Ortsverein in Laupheim, das Rufen des Hundes während der Vorführung übernimmt dessen Frau Heike. "Hier ist immer die ganze Familie im Einsatz", weiß auch Petra Prall. Sie züchtet ebenfalls mit ihrem Mann Jochen, der als Richter-Anwärter in Gundelfingen mit dabei ist, Schäferhunde.
Bei der Gangprobe trennt sich die Spreu vom Weizen. Mit jeder Runde, die die Vierbeiner zurücklegen, wird mancher Hund unaufmerksamer, steckt die Nase ins Gras oder will lieber zu Herrchen springen, als weiterhin in sauberem Gang und gerader Haltung über den Rasen zu traben. Rieker und Navarro-Reynoso sortieren und die vorderen Platzierungen werden deutlich.
Kasper hat den dritten Platz gemacht, Will ist zufrieden. "Er ist noch jung, zum Erfahrungen sammeln ist das ein gutes Training für ihn." In der Königsklasse, den Gebrauchshunde Rüden, siegte gegen 23.30 Uhr in einem Kopf- an-Kopf-Rennen "Ustinov vom Römerland" vor Ben vom Haberland.
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