Lauingen Der eine, Wolfgang Schenk (SPD), will Rathauschef bleiben. Die beiden anderen, Albert Kaiser (CSU) und Alois Jäger (FDP), möchten ihn ablösen. Dementsprechend verläuft die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in der Lauinger Stadthalle. Knapp 700 Zuhörer sehen einen Bürgermeister, der auf seine Leistungsbilanz setzt. "Ich liebe meine Arbeit und habe mit dem Stadtrat einiges zuwege gebracht. Wir dürfen auch ein bisschen stolz auf diese Leistung sein", sagt Schenk. Albert Kaiser (CSU) hat dagegen auf seinen Versammlungen Blumensamen für Vergissmeinnicht ausgeteilt: "Wir müssen aus Lauingen wieder eine blühende Stadt machen", sagt Kaiser. Und auch für FDP-Kandidat Alois Jäger ist die Herzogstadt nicht mehr dort, wo sie sein sollte: "Ich möchte Lauingen wieder dorthin bringen, wo Lauingen einmal war." Von Berthold Veh

DZ-Redaktionsleiter Peter von Neubeck und DZ-Redakteurin Martina Bachmann überhäufen die Kandidaten mit Fragen. Die Palette reicht von der Aussegnungshalle über die Belebung des leer stehenden Kaufhauses bis zum Abbau des Schuldenbergs. Beim Kaufhaus, so Kaiser, habe man mit dem Eigentümer zu wenig oder in falscher Weise geredet. "Die Belebung wäre mein größter Wunsch."
Diskussion um Leerstände
Schenk entgegnet, bei der Diskussion um Leerstände werde Lauingen schlechtgeredet. In den vergangenen sechs Jahren habe es 28 Neuansiedlungen von Firmen gegeben. 2400 Quadratmeter auf vier Etagen, wie im einstigen Kaufhaus, seien nicht mehr an den Mann zu bringen. Jäger sagt, es sei unrealistisch, auf die Wiederbelebung des Kaufhauses zu hoffen und dies den Leuten vorzugaukeln. Man müsse den Marktplatz und sein Umfeld beleben. Konzepte für eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt lägen bereits seit 2008 im Rathaus. "Da braucht man nur den politischen Willen, sie umzusetzen."
Leser kommen zu Wort
Auch Leserinnen und Leser kommen bei der Podiumsdiskussion zu Wort (siehe auch Podiumssplitter). Albert Langenmayr fragt, ob eine Investition von einer Million Euro für eine Aussegnungshalle nicht übertrieben sei. "Wenn Sie da unten bei einer Beerdigung stehen, holen Sie sich selber den Tod", sagt Kaiser. Das inzwischen 30 Jahre alte Provisorium sei unwürdig. Jäger entgegnet, Lauingen werde das Geld für eine neue Aussegnungshalle nicht haben: "Wir brauchen externe Investoren." Dies sei ein Rezept, um bei der angespannten Finanzlage Lauingens dennoch zu investieren. Schenk meint, dass dadurch bei der Aussegnungshalle die Gebühren höher werden. Bei einer Million Euro würden allein 40 000 Euro Zinsen jährlich anfallen. Bei 100 Todesfällen mache dies 400 Euro pro Fall aus. Er votierte für ein Darlehen, das die Stadt aufnehmen müsse. Lauingen habe den Spagat zwischen Investitionen, Schuldenabbau und Rücklagenbildung geschafft, glaubt Schenk. Kaiser sagt, Lauingen komme vom Schuldenberg in Höhe von 21,5 Millionen Euro nur herunter, "wenn wir neues Gewerbe ansiedeln".
Nach drei Stunden sind die Kandidaten erlöst. Die Hörer verlassen zufrieden die Halle, die Ansichten sind erwartungsgemäß verschieden. "Eine interessante Podiumsdiskussion, mir hat Wolfgang Schenk am besten gefallen", sagt Reiner Hal-beck. Hiltrud Schmid sieht es anders: "Mich hat Alois Jäger sehr angenehm überrascht, ich hatte ihn unterschätzt." Bernhard Link wiederum bricht eine Lanze für Albert Kaiser: "Er geht die Sachen am Überlegtesten an."
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